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Scamming im großen Stil

Ihr alle habt bestimmt schon mal eine dieser Mails bekommen in denen man viel Geld versprochen bekommt weil irgendwer in Nigeria oder sonstwo am Nabel der Welt das Zeitliche gesegnet hat, das Geld jetzt auf einem Konto rumliegt und auf Euch wartet. Um an den Reichtum zu kommen muss man nur ein paar „Bearbeitungsgebühren“ bezahlen und schon rechnet es sich. Die Masche heißt Scamming und das Opfer wird meist gnadenlos abgezockt.

Etwas Ähnliches bereitet gerade den Berliner Verkehrbetrieben großen Unbill. Die haben nämlich von der US-Investmentbank JPMorgan vor langer Zeit ein ähnlich verlockendes Angebot bekommen, man solle alle U-Bahn-Wagen und Straßenbahnen an amerikanische Finanzinvestoren verkaufen und dann zurückleasen, damit würde man ein Steuerschluploch im US-Recht nutzen können und am Ende wäre man um 5,7 Millionen Euro reicher. Und mit zum Deal gehörte auch eine Ausfallsicherung über 156 Millionen Dollar, aber hey, gar kein Risiko.

Dann kam 2006, die Finanzkrise und der Zusammenbruch von Lehman Brothers. Und das Risiko der CDOs materialisierte als Rückstellungen die man bilden musste weil JPMorgan jetzt Geld sehen will.

Mittlerweile streitet man und der Streit wird wohl vor einem Gericht in London ausgetragen. JPMorgan sieht sich im Recht und die BVG lamentiert, dass sie wohl schlecht beraten wurde. Diese Aktion wurde vom Aufsichtsrat in dem damals Thilo Sarrazin saß genehmigt.

Genehmigt obwohl der öffentlichen Hand Spekulationsgeschäfte eigentlich untersagt sind. Gemacht hat man diesen Deal übrigens um „Verluste aus früheren Spekulationsgeschäften“ zu kompensieren.

Ich bin ja schon baff erstaunt, dass eine Gesellschaft die wohl auch von Steuergeldern finanziert wird überhaupt auf die Idee kommt, sich über Steuerschlußflöcher zu bereichern. Und dass die Manager die Frechheit besitzen, die Steuergelder in Spekulationsgeschäfte zu stecken, mehrfach und mit Deckung durch ihren Aufsichtsrat.

Nicht, dass ich jetzt wirklich Konsequenzen aus diesem Skandal erwartet, es wird wie immer laufen, die Manager und Aufsichtsräte werden schlimmstenfalls mit einem goldenen Handschlag freigesetzt werden und der Bürger zahlt die Zeche. Weil er ja die Verkehrsbetriebe subventionieren muss und zudem unter den „wir müssen jetzt kräftig sparen weil unsere Bilanz durch die Ausfäller verhagelt wurde“-bedingten Einschränkungen in der Servicequalittät leiden wird.

Und natürlich stellt sich die Frage, was eigentlich den Unterschied zwischen JPMorgan und einem Nigeria-Scammer ausmacht? Wohl nur die Höhe der „Gebühren“.

 

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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