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Diskussionen zum Thema eBook

Ein Rant machte diese Woche die Runde, geschrieben von Friedrich Forssman zum Thema eBooks und warum die Bücher von Arno Schmidt nicht als eBook erhältlich sind. Forssmann schreibt viel und bedient alle Vorurteile gegen das Medium eBook, und so geht seine teilweise durchaus berechtigte Kritik im Trommelfeuer des subjektiven Gemeckers eines (so hat es den Anschein) eBook-Hassers unter.

Tatsächlich tut sich am eBook-Markt gerade einiges. Die Firma Adobe möchte nämlich gerne ein neues DRM-System etablieren, also eines das angeblich sicherer ist als das bisherige DRM, das ja mittlerweile keinen wirklichen Kopierschutz für Bücher darstellt. Mittlerweile kann z.B. das freie Buchverwaltungsprogramm Calibre mittels eines Plugins die Bücher vom DRM befreien, dazu muss der User lediglich seine DRM-Keys hinterlegen (die das Plugin aus der Windows-Registry auslesen kann). Als Resultat hat man dann eBooks ohne DRM die eben auch z.B. in Calibre gelesen werden können.

Das Problem mit einem neuen DRM-System ist, dass es nicht ausreichend ist, die Herstellerplattform zu aktualisieren, auch auf Kundenseite muss neue Software installiert werden. Auf der einen Seite ein neuer DRM-Client ähnlich „Adobe Digital Editions“, auf der anderen Seite, und da ist das große Problem, auch der eBook-Reader braucht neue Software, sonst wäre das neue DRM ja um keinen Deut besser als das alte.

Nur, der Markt ist voll mit unzähligen eBook-Modellen, ich selbst habe einen Cybook Opus und einen Sony PRS-T1, meine Tocher einen Sony PRS-T2. Aktuelle ist von Sony der PRS-T3 und ich wage zu behaupten, dass wenn Adobe am DRM was ändert, dann wird es dauern bis die Firmware für den T3 aktualisiert werden wird, und wenn wir Glück haben gibt es noch gnädigerweise ein Update für das ältere Modell T2. Der Opa T1 wird wohl nicht mehr bedient werden, genausowenig wie der Cybook Opus. Damit wäre der Kunde dank DRM von der Buchversorgung abgeschnitten und natürlich wird kein Kunde dann einen neuen eBook-Reader kaufen nur um weider Bücher kaufen zu können.

Diese Bedenken wurden nun auch von Adobe wahrgenommen und so zögert man noch mit der Einführung des neuen DRM-Systems. Tatsächlich stelle ich mir die Frage, wie unknackbar das neue DRM-System denn sein wird. Letztlich läuft es doch darauf hinaus, dass das eBook in irgend einer Form verschlüsselt wird und das Lesegerät die notwendigen kryptographischen Informationen (sprich Keys) und den Entschlüsselungsalgorithmus hat um die Datei beim Lesen zu entschlüsseln und darzustellen. Und Verschlüsselungsalgorithmen sind bekannt und die Keys kann man sicher aus dem Gerätespeicher extrahieren. Es ist also nur noch eine Frage der Zeit, bis auch das neue DRM-System geknackt ist. Selbst wenn sich das System als sehr widerspenstig erweisen sollte, so gibt es doch Methoden, ein DRM-geschütztes eBook in eine Textdatei zu verwandeln. Eine dieser Methoden nutzt sogar Lego dazu. 🙂

In meinen Augen ist DRM für eBooks sowieso ein Irrweg. Zum Glück gibt es auch Verlage wie O’Reilly für meine Fachbücher die vollständig auf DRM verzichten. Aber die Buchverlage scheinen hier den gleichen Fehler machen zu wollen den die Musikindustrie anfänglich machte. Wobei man auch mal darüber nachdenken sollte, dass Bücher und Musik unterschiedliche Nutzungsszenarien haben. Wenn ich mir heute eine CD von einem Musiker kaufe, dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ich diese CD am Anfang recht oft hören werde und später dann eher sporadisch, eben wenn ich Lust darauf habe. Bei Büchern ist das Nutzungskonzept eigentlich eher das einmalige Lesen und danach verstaubt das Buch im Regal. Sicherlich gibt es Leute die Bücher mehrmals und mit wachsender Begeisterung lesen, bei manchen Büchern könnte ich mir das auch vorstellen. Aber viele der Bücher die ich lese gehören in die Kategorie „fertig und nie wieder“. Eigentlich könnte man sie in die Papiertonne werfen, aber weil man ja dafür bezahlt hat stellt man sie ins Regal um sie gegebenenfalls an Freunde auszuleihen. eBooks mit DRM kann ich nicht verleihen. Die laufen nur auf meinem Reader und sonst nirgends. Als Käufer des eBooks kann ich das Buch nach dem Lesen einfach im elektronischen Regal verstauben lassen oder löschen, jemand anders damit eine Freude machen kann ich nicht.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

1 Kommentar

  1. Ohne viel über die technische Details zu verstehen (wie immer!) mag ich aber sehr den Rant von Herr Forssman. E-book Readers sind zwar praktisch in der Tasche aber sie haben nicht die gleiche Ausstrahlung eines Buches und daß sie (wenn sie Internet Anschluß haben) alles an Big Brother weitergeben gefällt mir auch nicht (Hauptgrund dafür daß ich den alte Ur-ur-großvater alle E-Book-Readers nutze).