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Bravo Herr Karsai

Während sich die EU-Regierungschefs anscheinend nur um die Pole Position beim Arschkriechen in Richtung USA zanken hat Afghanistans Präsident Hamid Karsai nun den Amis sozusagen den Stinkefinger gezeigt.

Karsai hat sich nämlich nun erdreistet, 65 Gefangene aus dem Gefängnis Bagram frei zu lassen weil sich kein ausreichender Verdacht gegen sie aufrecht erhalten ließ. Die Amerikaner zeigten sich entsetzt, denn angeblich sind die Freigelassenen ganz böse Terroristen die Blut an ihren Fingern kleben haben.

Anscheinend wiegt die Unschuldsvemutung in Afghanistan mehr als in der sogenannten zivilisierten Welt. Karsai handelt nur rechtstaatlich wenn er Verdächtige freilässt deren Schuld sich nicht zweifelsfrei nachweisen lässt. Aber das hat die USA, das sogenannte „land of the free“ offensichtlich nicht kapiert.

Auf der anderen Seite sind in Guantanamo seit Jahren etliche Menschen ohne überhaupt die Chance auf einen rechtsstaatlichen Prozess zu bekommen inhaftiert. Und der gar so erboste US-Präsident lässt in Krisengebieten Leute ohne rechtsstaatlichen Prozess durch Drohnen ermorden. Wir können gespannt sein, ob jetzt wieder 65 neue Drohnen nach Afghanistan geschickt werden.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

1 Kommentar

  1. Carsten Kettner

    14/02/2014 @ 07:54

    Unabhängig von der Unschuldsvermutung, die auch für die 65 nun Freigelassenen gelten mag, ist die Gemengenlage in Afghanistan zu undurchsichtig als dass man hier wirklich schwarz und weiß voneinander differenzieren mag. Wer weiß, was hier wirklich hintersteckt. Erpressung, Deal?

    Die ISAF, allen voran die US-Amerikaner, spielen ein ebenso wenig differenzierbares Spiel wie die Regierung Karsai. Afghanistan war insbesondere für die Amerikaner schon seit langem ein beliebter Spielplatz, um eigene Interessen durchzusetzen (wie eigentlich überall auf der Welt, wo US-Truppen auftauchen).

    Allerdings taugt auch Herr Karsai nicht wirklich dazu, ihn in die Ecke der Guten und Altruisten zu stellen. Als Vertreter der Paschtunen hat er auch nur deren Wohl im Auge, mit den anderen Warlords arrangiert er sich so, wie er’s braucht.
    In den Petersberger Gesprächen wurde Karsai als Heilsbringer für Afghanistan vom Westen aufgebaut, wohlwissend um seine Stellung und Rolle in seinem Land. Aber man hat hier zwischen Sodom und Gomorrah (oder wie man das schreibt) gewählt und hält nun zwangsläufig an dieser Wahl fest.

    Mir ist Karsai mit seinem Bashing in Richtung Westen schon seit langem sehr suspekt.
    Die einzigen, die in Afghanistan wirklich die A-Karte gezogen haben, sind diejenigen, die ein selbstbestimmtes Leben führen wollen, wie eigentlich überall auf der Welt. Nur sind diese Bevölkerungsteile zum Spielball aller möglichen Interessen geworden.

    Die Freilassung der Inhaftierten durch Karsai taugt nicht als Instrument für Anti-Amerikanismus.