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Also Ubuntu, so wird das nix

Bei meiner Arbeit darf ich oft und viel Linux installieren. Dafür habe ich einen eigenen Installationsserver mit ISO-Images die auch loopback-gemounted sind um ohne CDs oder DVDs installieren zu können. Das ist elegant weil man nicht dauern das Installationsmedium suchen muss und manchmal unvermeidlich weil manche Maschinen die ich testen darf gar nicht über ein optisches Laufwerk verfügen. Blöd ist es dann, wenn die Installation über Netzwerk nicht geht.

Genau das ist mir mit einem Mini-Desktop passiert der nur so groß ist wie eine Zigarrenschachtel und der kein optisches Laufwerk hat. Ziel war es, dort Ubuntu 12.04 LTS zu installieren, also die „Long Time Support“-Version. Dazu bietet Canonical sogenannte Netinstall-Images an die dann via PXE auf den Rechner geladen werden und die Installation übernehmen sollen.

Zwingend erforderlich ist in diesem Fall natürlich, dass die Netzwerkkarte des Rechners vom Kernel des Netinstall-Images unterstützt wird, denn nachdem Kernel und das initramfs noch via PXE über Firmware-Routinen der Netzwerkkarte auf den Rechner kommen muss danach der Kernel die Steuerung der Netzwerkkarte übernehmen.

Genau das hat aber dann auf der Testmaschine nicht geklappt. Denn das Netinstall-Image von Ubuntu 12.04.3 LTS wird mit einem Kernel 3.2 ausgeliefert der „zu alt“ ist um die neueste LAN-Hardware zu kennen. Interessanterweise betrifft dieses Problem nur das Netinstall-Image, wenn man ein CD-Image der gleichen Ubuntu-Version runterlädt, dann startet die Installation von CD mit einem Kernel 3.8.

Als freundlicher Mensch will man so einen Fehler natürlich an die Entwickler melden. Oh, ich kann mich gut erinnern wie verzweifelt ich damals auf den Ubuntu-Webseiten nach einer Möglichkeit gesucht habe den Bug zu melden. Die ist supertoll versteckt und wenn man dann den Link endlich gefunden hat erhält man nochmals seitenweise Belehrungen wie man doch bitteschön Fehler zu melden hat. Ist ja gut, ich verstehe ja dass ihr nicht jeden Unsinn gleich als Bug bekommen wollt, aber ich zähle mich zu den Leuten die durchaus wissen wie man einen Bug sinnvoll beschreibt und darum will ich eine schnelle Möglichkeit haben das zu melden und nicht erst mal seitenweise Dinge lesen müssen die ich schon weiß.

Egal, ich habe schließlich den Bug 1250761 gemeldet. Das war am 13. November 2013. Als Belohnung gab es dann auch gleich die automatisierte Rückantwort mit nochmal ein paar Hinweisen. Und dan war Funkstille. Bis heute. Da fand ich dann wieder eine Mail mit der Mitteilung, dass sich ja viel getan hat seitdem und der Bug vielleicht gefixt wurde. Ich möge doch nochmal testen ob das Problem noch existiert und wenn ja, dann soll ich meine Logfiles und die Ausgabe von apport-collect <bug> anhängen.

Ach?! Hallo, jemand zuhause. Ich habe ein Problem das in einer so frühen Phase der Installation passiert dass es eben noch kein „apport-collect“ gibt und Logs mitzuschneiden wäre da prinzipiell nur über die serielle Schnittstelle möglich. Also jede Menge Arbeit für mich. Klar, inzwischen gibt es ein 12.04.4 LTS netinstall image und das werde ich irgendwann auch ausprobieren um zu sehen mit welchem Kernel es diesmal ausgeliefert wird. Aber eigentlich hätte es mir auch gereicht, wenn jemand bei Canonical einfach mal geschaut hätte, welche Kernel-Version sie in ihrem jetzt aktuellen Netinstall-Image haben und das in den Bug geschrieben hätte statt die Arbeit wieder bei mir abzuladen.

So ein „professionelles Vorgehen“ und die Schwierigkeit überhaupt Bugs zu melden sind ein perfekter Motivator um auch in Zukunft weitere Fehler zu melden. 🙂

Update: Mittlerweile ist die Download-Seite des Netinstall-Images deutlich besser und man kann für die Intel-Architekturen auch die entsprechend aktuellen Kernel auswählen. Das war im November noch anders, ich gehe also davon aus, dass mit einem 3.8er oder 3.11er Kernel wie es hier angeboten wird dann das Netinstall-Image problemlos funktioniert.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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