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Wir dürfen die Kriegstreiberei nicht hinnehmen

Heute hat es mich fast vom Stuhl gerissen als ich in meinem RSS-Feedreader die neueste Schlagzeile der Zeit sah: „Wir dürfen die Annexion nicht hinnehmen„. An dieser Stelle finde ich, ja es reicht, wir dürfen diese Kriegshetze nicht mehr unkommentiert hinnehmen, denn sonst werden wir in absehbarer Zeit in einen militärischen Konflikt hineingezogen dessen Konsequenzen wohl niemadem so recht bewußt sind.

Also werde ich hier mal den Artikel ein wenig kommentieren. Los geht es mit einer sehr interessanten Feststellung:

Wladimir Putin hat viele Deutsche tatsächlich dazu gebracht, Sympathie für einen autokratischen Herrscher aufzubringen, der unter Androhung von militärischer Gewalt einen Teil des Nachbarlandes „Heim-ins-Reich“ holt. Wer hätte das nach 1945 gedacht?

Ja, wer hätte das nach 1945 gedacht. Wahrscheinlich niemand, denn 1945 war die Krim noch russisch. Sie wurde erst 1954 von Nikita Chrustschov an die Ukraine angegliedert. Aber klar, solche historischen Details spielen absolut keine Rolle wenn es um Propaganda geht.

Oh, wenn man weiterliest dann steht da sogar der Name Chrustschow, aber natürlich muss man nochmals betonen:

Denn mit der Einverleibung der Krim hat Russland als erster Staat in Europa seit 1945 in revisionistischer Absicht Teile eines anderen Staates mit Gewalt an sich gerissen und militärische Macht präventiv zur Durchsetzung politischer Ziele eingesetzt.

Wenn ich mich recht entsinne gab es am 16. März auf der Krim eine Volksabstimmung deren Ergebnis war, dass die Krim russisch werden will. Gewalt und militärische Macht sieht nach meinem Verständnis doch etwas anders aus. Die massive Gewalt in der Ukraine fand in Kiew statt und putschte die Faschisten an die Macht.

Aber egal, der Bösewicht muß natürlich Putin heißen und der ist jetzt auch daran Schuld, dass der Bürgerkrieg in Syrien so schnell nicht beendet werden wird. Und natürlich ist Putin an allem Schuld und auch nicht mehr an einer Partnerschaft mit dem Westen interessiert. Wen wundert es, wenn der Westen ihm so massiv auf die Pelle rückt. Besonders prickelnd ist der Schlußsatz des Artikels:

Nach wie vor ist zwar richtig: Sicherheit in Europa kann es nur mit Russland geben. Aber dann müsste Russland davon absehen, seine Nachbarn zu überfallen.

Halten wir fest: Wenn Russland in einem Land interveniert weil dort russischestämmige Bürger massiv gefährdet sind, dann ist das ein Überfall. Wenn unser Friedensnobelpreisträger Obama jede Woche Menschen ermorden läßt um amerikanische wirtschaftliche Interesen durchzusetzen, dann ist das natürlich etwas ganz anderes. Und wenn, wie heute bekannt wird dieses Morden nur möglich ist weil den USA in Deutschland die Luftwaffenbaiss Rammstein zur Verfügung steht, dann ist das für unsere Regierung schon ok.

Wenn die Bevölkerung der Krim sich für eine Angliederung an Russland entscheidet, dann dürfen wir das nicht hinnehmen, so der Artikel in der Zeit. Was bitteschön ist denn die Alternative? Krieg? Sollen wir einen Krieg führen in dem etliche Menschenleben zu beklagen sein werden und der das Potential hat, diesen Planeten von der Plage „Mensch“ zu befreien? In den letzten Monaten sind soviele Dinge passiert die unsere Regierung mit einem Schulterzucken „hingenommen“ hat wie z.B. der NSA-Abhörskandal, dass ich mich schon frage, warum hier niemand vom Qualitätsjournalismus gemosert hat, dass dies nicht hingenommen weden kann? Da waren die Schreiberlinge seltsamerweise sehr zurückhaltend und weil der große Bruder sagt es diene ja alles unserer Sicherheit wird mal schnell ein nicht existentes Supergrundrecht auf Sicherheit aus dem Hut gezaubert und dann ist es wieder gut?

Mein Feedreader hat mir heute auch noch einen Artikel auf denkbonus gezeigt, aus dem ich hier folgendes Zitat einfügen will, weil es eben gar so gut passt:

Natürlich ärgern sich Exxon Mobile, Royal Dutch Shell und Chevron ein Bein ab vor lauter Wut darüber, dass sie die Krim nicht bekommen haben. Um die ging es bei dem Zirkusdrama in Kiev in erster Linie. Genauer um die großen Gasvorkommen im schwarzen Meer vor der Krimküste. Die Explorationsrechte gehen jetzt an Gazprom in Russland. Die Verantwortlichen für das ukrainische Desaster suchten also nach Lösungen und entschieden sich, zuverlässig wie immer, für die mit Abstand blödeste Idee von allen. Sanktionen gegen Russland.

Erschreckend war auch die Meldung, dass die NASA nun die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit Russland auf dem Gebiet der Raumfahrt einstellt, bzw. einstellen muss, denn ich hege die Vermutung, dass diese Anweisung von den Scharfmachern in Washington kommt. Es ist schon bizarr, über uns saust die ISS um die Welt, an Bord Russen und Amerikaner und hier auf dem Planeten denken wir immer noch in Machblöcken, Staaten und Feinbildern. Da kann man nur noch entsetzt den Kopf schütteln.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.