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70 Tage

20140408_155012Am 25. Januar habe ich meiner Tocher ein paar Stiefeletten gekauft. 30 Euro beim „Markenschuh-Discounter“. Seitdem sind 70 Tage vergangen und heute sind diese Schuhe fertig mit der Welt, die Sohle ist unter den Fußballen schon recht dünn und der Absatz hat sich als hohle Mogelpackung mit einem dünnen Überzug entpuppt der mittlerweile schon durchgelaufen ist. Möglicherweise könnte man neue Absätze draufmachen lassen und die Sohle erneuern, aber die Frage ist, ob das sich bei diesem Ramsch überhaupt rentiert. Und die nächste Frage ist, wo ich denn noch qualitativ hochwertigere Schuhe bekommen kann. Denn wenn ich alle 70 Tage 30 Euro für neue Schuhe ausgeben soll, dann summiert sich das auch auf 150 Euro im Jahr und dafür bekommt man aber nach meinem Bauchgefühl durchaus Schuhe die eben länger als dieses Jahr halten.

Geplante Obsoleszenz gibt es also nicht nur bei Tintendruckern oder ähnlichem, sondern eben auch bei Schuhen und überhaupt dem ganzen Ramsch mit dem wir überflutet werden. Heute waren wir in drei Schuhgeschäften unterwegs und überall nur wieder Billigzeugs das wenig vertrauenerweckend aussieht und wahrscheinlich ähnlich lange überleben wird. Laut Wikipedia gibt es zwar eine gesetzliche Kennzeichnungspflicht für die verwendeten Materialien (die ich aber heute im Laden kaum angetroffen habe), aber selbst wenn diese Symbole irgendwo verfügbar wären, so hätte ich als Nicht-Schuhmacher keine Ahnung, z.B. wie dick die Ledersohle tatsächlich ist.

Es wird wohl Zeit, mal wieder die kleinen Schuhhändler zu besuchen. Vor vielen Jahren, kurz vor einem LinuxTag in Karlsruhe hatte ich ein tolles Schuh-Kauf-Erlebnis, denn der Laden den ich da betrat ließ mich nicht allein vor dem Schuhkartons stehen, sondern ich erhielt erstklassige Beratung und viele Schuhe zum Anprobieren präsentiert. Die dann gekauften Schuhe bewährten sich auch auf dem LinuxTag, sprich ein Tag auf den Füßen ohne am Abend Blasen an den Füßen zu haben. Und die Schuhe hielten ein paar Jahre durch, das waren damals also sehr gut investierte 180 Euro.

Vielleicht sollten wir Verbraucher einfach mal wieder mehr auf Qualität achten und uns nicht mehr jeden Ramsch andrehen lassen.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

3 Kommentare

  1. Tja, Rainer, und da kommen jetzt einige Faktoren zusammen, die diese Suche erschweren (werden)

    – Mädchen, im Wachstum, mit wenigen paar Schuhen ………….. sind in der Schule ein Problem
    – selbst bei Jungs gestaltet sich dies leider schon als schwierig

    – Schuläden, mit Qualitätsschuhen ………………….. gibt es hier im Umkreis von 50 km KEINE

    Selbst die von mir gewählten Schuhe (die ich tragen muss, weil meine Knöchel mich sonst „verlassen), seit Jahren die Gleichen, die ich im Netz bestelle, halten immer weniger aus. Trotz Markenware!

    Und Nu??

    Tja, der ewige Umsatz ist gewollt……………… Volkswirtschaftlich ……………… (oder wie mein Sohn sagt, „des Wahnsinns halber“)

    Wachstum, um des Wachstums willen …………. auf allen Ebenen

    Und wir Verbraucher haben schon so lange mitgemacht, dass jetzt, wo „wir“ feststellen, dass dies Murks ist, es kaum noch eine Alternative gibt.

    Ähnlich, das Fleischreifachgeschäft (wie das MoMa ARD heute morgen bemerkte), dass so dezentral liegt (also keine Parkplätze) und nicht mal eben mit erledigt werden kann, dass langsam ausstirbt.

    Obwohl es nicht zwingend teurer ist. Aber nicht über die Werbekapazitäten verfügt und halt nicht so gut erreichbar ist.

    Oder, alternativ, geh mal auf einen Markt. Die dortige „Vielfalt“ ist keine Vielfalt. Diese Form des Handels stirbt aus. Weil der Kunde es so „will“. Und wenn er merkt, dass es das, was er wirklich braucht, nicht mehr gibt, ist es zu spät.

    Leider

  2. Ohne jetzt Werbung machen zu wollen. Schau dir mal die Treter von Lunge an. Obwohl deine Tochter dich dann wohl endgültig für gaga hält 😉