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Mein erster Computer

Bei meinem Umzug des Arbeitszimmers in den Keller finde ich immer wieder Relikte aus einer lange zurückliegenden Vergangenheit. Diesmal fiel mir ein Polaroid-Foto meines ersten Computers in die Hände. Polaroid war damals so etwas wie das Handyfoto heute, man konnte es sofort nach der Aufnahme sehen da das Bild aus der Kamera gefahren kam um dann entwickelt und fixiert zu werden. Dann hatte man genau ein Bild in den Händen. Der Film war damals sündhaft teuer, aber es funktionierte. Und damals habe ich dann eben auch mal meinen ersten Computer abfotografiert.

pet2001Die Kiste war ein PET 2001 von Commodore. PET stand für „Personal Electronic Transactor“. Das Gerät hatte einen Bildschirm mit grüner Schrift in 25 Zeilen zu je 40 Zeichen und eine Tastatur mit Nummerblock die sehr winzig war weshalb es damals einen Markt für „Fingerspitzer“ gab. 🙂

Links von der Tastatur sieht man das Massenspeichergerät welches auf handelsüblicher Musiccassette abspeicherte, die Urform der Datasette die später beim Commodore 64 zum Einsatz kam. Das Gerät hatte eine 6502 CPU und stolze 8 Kilobyte RAM. Zum Vergleich, der PC auf dem ich diesen Blogartikel schreibe hat 8 Gigabyte RAM, also eine Millionen mal so viel.

Der geringe Speicher war für damalige Verhältnisse aber durchaus ausreichend, man hatte noch keine GUI erfunden und WYSWYG gab es eh nicht. Dafür tippte man „Mondlandung“ aus den einschlägigen Computerzeitungen ab und simulierte dann eine Mondlandung in dem man hin und wieder die Menge Treibstoff für die Bremsdüsen der Mondfähre eingab. Programmiert wurde in BASIC (Beginners All purpose Symbolic Instruction Code) und die richtigen Hacker arbeiteten in Maschinensprache. Dazu gab es eine Programm namens „TIM“ (Terminal Input Monitor) mit dem man Speicherzellen verändern konnte. Das stand im Handbuch, ich habe das damals abgetippt und es zum Debuggen von sich selbst benutzt, denn ein paar Tippfehler beim Abtippen führten zu interessanten Nebenwirkungen.

Und das Ding hatte auch einen User-Port, einen I/O-Port an dem man was anschließen konnte.  Ich bastelte mir damals meinen ersten „Joystick“ indem ich  ein paar Taster auf eine Lochrasterplatte lötete und die mit dem User-Port verband. Die drei übrigen Leitungen habe ich dann als Ausgang programmiert und dort ein Sound-IC angeschlossen, das Schieß- und Explosionseräusche machen konnte, je nachdem welcher Pin angesprochen wurde. Damit konnte ich dann mein erstes Ballerspiel programmieren. 🙂

Lang ists her, das war irgendwann um 1978 rum. Der PC als solcher war damals noch gar nicht erfunden, die Mitbewerber am Markt waren Apple mit dem Apple II und Tandy Radio Shack mit dem TRS-80. Und obwohl das heute so aussieht wie Otto Lillienthals Hanggleiter im Vergleich zu einem Airbus A380 hat es damals doch auch unheimlich Spaß gemacht und man hat eine ganze Menge gelernt.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

2 Kommentare

  1. Das Teil hatten wir damals in der Schule im „Computerraum“. War der Einstieg sich dann einen VC20 zuzulegen. War `ne geile Zeit 🙂

  2. Heihoheiho das Teil kenn ich auch noch denk das war 1977-1978, unterm Tisch stand immer ne Kiste Limo (gelb) links im Bild Akkustikkoppler ?? mit 3000 ba./tag oder so.