Artikelformat

Verantwortung und Kriegspropaganda

Die Zeit stimmt uns heute wieder mal auf Militäreinsätze ein, die nach Meinung ihrer „Experten“ manchmal notwendig wären. Das ganze bezeichnet man dann auch gleich in der Einleitung treffend mit dem Euphemismus des „Verantwortung übernehmens“ wenn man die Frage nach Militäreinsätzen und der deutschen Beteiligung daran stellt. Die Experten sind dabei durchaus Leute vom Fach, beide Mitglieder der Stiftung „Wissenschaft und Politik“ und mit einer Menge an Artikel zu eben Militärthemen. Trotzdem oder gerade deswegen stößt mich als anerkannten Kriegsdienstverweigerer dieser Artikel sehr sauer auf.

Der Brechreiz kommt schon in dem Versuch der Begründung von militärischer Gewalt die man ja nicht immer vermeiden kann wenn der „böse Nachbar“ einen angreift. Ein griffiges Beispiel hat man auch gleich parat:

Die Versuche, diese Grundsätze mit zivilen Mitteln zu verteidigen, werden mit Waffengewalt beantwortet — die Annexion der Krim durch Russland ist nur ein Beispiel.

Also, wenn ich mich recht erinnere, dann hat in meiner Realitätswahrnehmung am 16. März 2014 ein Referendum auf der Krim stattgefunden mit dem Ergebnis, dass die Krim-Bewohner sich lieber Russland anzuschließen als den neuen Machthabern in Kiew.

Interessant ist auch der weitere Text der Begründung, warum es soviel militärische Gewalt gibt:

In großen Teilen der Welt bleibt Gewalt die Grundwährung zwischenstaatlicher und gesellschaftlicher Auseinandersetzungen; in Bürgerkriegsökonomien wird sie sogar zur Existenzform.

Das ist vor allem in dem Kontext einer Äußerung durch Papst Franziskus bemerkenswert, der ja erst im Juni sehr scharfe Kritik am Kapitalismus geäußert hat und zu der Schlußfolgerung kam, dass der Kapitalismus den Krieg zur Existenz benötigt. Auch wenn ich kein Katholik bin und mich eher zu den Agnostikern als den Gläubigen Christen zähle bin ich doch tief beeindruckt von dieser Äußerung des Papstes die meinen vollen Respekt verdient.

Der Artikel geht dann sehr subtil weiter und konstruiert die These, dass man durch militärische Gewalt „Frieden“ oder zumindest „stabile Verhältnisse in denen zivile Maßnahmen möglich sind“ schaffen kann. Wie gut das funktioniert können wir unschwer an allen Krisenherden sehen, die nachdem dort der „Krieg gegen den Terror“ geführt wurde nun komplett destabilisiert sind und sozusagen am Boden liegen.

Auf der nächsten Artikelseite wendet man sich dann wieder der Ukraine zu und spart nicht mit schwerem rhetorischen Geschütz auf das Böse, verköpert durch Russland, zu schießen:

Die Wahrscheinlichkeit für erfolgreiche politische Verhandlungen mit jemandem, der gerade zahlreiche internationale Vereinbarungen und Grundsätze des Völkerrechts gebrochen und eine Region überfallen hat, und der an der Grenze zu einem unabhängigen Staat 30.000 Soldaten aufmarschieren lässt, ist dann am höchsten, wenn klar ist, dass die Nato-Staaten nicht militärisch zu destabilisieren sind.

Mit keinem Wort wird natürlich erwähnt, dass der massenmordende Friedensnobelpreisträger von der anderen Seite des Atlantiks die NATO-Truppen immer näher an den vermeintlichen Feind bugsiert und vollmundig militärische Unterstützung für einen möglichen Konflikt zusichert. Ein Konflikt der wohl hauptsächlich in Europa ausgetragen werden wird, was natürlich den starken Euro massiv schädigen würde und der USA und dem dort vorhandenen Kapitalismus wieder genau das Lebenselexier geben würde von dem der Papst schon gesprochen hat.

Erschreckend ist auch, dass die Zeit an anderer Stelle dann auch wieder das Loblied auf bewaffnete Kampfdrohnen anstimmt, etwas was gerade wieder hier in Deutschland diskutiert wird. Die amerikanischen Drohnenmorde werden hier natürlich als „völkerrechtlich umstrittene Grauzone“ weichgespült.

Es ist schon sehr befremdlich, dass der Startschuß für den 1. Weltkrieg sich in diesen Tagen gerade zum 100. mal jährt und dass die herrschende Kaste offensichtlich nichts, aber auch gar nichts aus den Kriegen der Vergangenheit gelernt hat. Einen passenden Kommentar zur Lage rund um die Ukraine-Krise findet man heute auf den NachDenkSeiten.

Und während wir hier wieder mit Vollgas in den nächsten kalten Krieg (der durchaus auch heiß werden könnte) schlittern vergnügt man sich auf den andern politischen Bühnen mit so sinnfreien Dingen wie das Gendering von Verkehrsschildern. Danke an Tante Jay für diesen Hinweis.

Sollte es tatsächlich zum Äußersten kommen, dann bin ich mal gespannt, wer von diesen Kriegshetzern dann tatsächlich die Verantwortung für den nächsten Krieg übernehmen werden wird. Ich wage die Prophezeihung, dass die Leidtragenden wieder die Bevölkerungen der im Konflikt befindlichen Staaten sind und diese „Experten“ sich dann nur noch in ihrer abstrusen Rhetorik bestätigt sehen werden.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

Kommentare sind geschlossen.