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Neues Sachbuch für Eltern

Von Twitter her kenne ich Alexandra Lux die selbständig als Lerncoach arbeitet. Letzte Woche ist ein Buch von ihr erschienen mit dem Titel „Starke und selbstbewusste Kinder durch achtsames Begleiten“ und als Vater von 2 Kindern von denen eines schon mitten in der Pubertät steckt hat mich das Buch natürlich stark interesssiert. Zudem habe ich Alexandra versprochen, es hier auf dem Blog zu besprechen, also hier ist sie nun meine Buchrezension.

eBooks kaufen ist nicht schwer, oder doch?

Das Buch kam am 9. September heraus und da habe ich dann gleich mal meine üblichen eBook-Händler abgeklappert. Tja, das Ergebnis ist bis heute, 9 Tage später alles andere als erfreulich:

  • Amazon.de: Mit dem Suchbegriff „Alexandra Lux“ findet man 14 Ergebnisse, aber nicht das gewünschte Buch
  • beam-bibliothek.de: Die Suche findet gar nichts
  • ebook.de: Die Suche findet genau 3 Ebooks, aber nicht das gesuchte eBook
  • Kobobooks.de: Die Suchfunktion bei Kobobooks ist unterirdisch schlecht. Die Suche nach „Alexandra Lux“ findet 1865 treffer für „alexandra“ und selbst wenn man es auf Sachbücher eingrenzt bleiben noch 594 Treffer übrig. Also suchen wir mal nach „Lux“, finden 323 Treffer und bei den Sachbüchern noch 169. Dafür steht hier das Buch dann tatsächlich an dritter Stelle der Sachbücher unter „Lux“. Aber man muss schon hartnäckig sein um es zu finden.
  • Thalia.de: Mit „Alexandra Lux“ als Suchbegriff findet man 2 Bücher, aber auch nicht das gewünschte.

Am Erscheinungstag war aber nicht mal bei Kobo was zu finden, also habe ich das Buch über die Verlagswebseite gekauft. Tja, was soll ich sagen, auch hier sehe ich gigantisches Verbesserungspotential, wäre ich nicht wild entschlossen gewesen das Buch zu besorgen hätte ich spätenstens bei dem Adressformular welches an die Web-Steinzeit erinnert aufgegeben. Ok, hinter der Verlagswebseite scheint ein einfaches WordPress zu laufen und der Bücherverkauf ist wohl nur Nebensache, aber immerhin ist es mir gelungen alle notwendigen Daten auzusfüllen und das Buch mit PayPal zu bezahlen und kurz darauf kam der Download-Link. Erfreulich ist aber,dass das EPUB ohne DRM Gedönse runterzuladen ist, was mir hier auf dem Linux-PC den Zwangs-Ausflug zum virtuellen Windows erspart.

Ab auf den eBook-Reader und lesen

Also habe ich das Buch dann auf meinen Sony-Reader gepackt und angefangen zu lesen. Das schöne am eBook-Reader ist in diesem Fall, dass man sich neben dem Lesen auch mal Notizen machen kann damit man es bei der Buchbesprechung einfacher hat. Von dieser Funktion habe ich bei diesem Buch ausgiebig Gebrauch gemacht.

Das Buch geht zunächst auf die „Elternnöte“ ein wo Alexandra den Begriff „Helikopter-Eltern“ benutzt der mich sehr zum Schmunzeln brachte:

Ich halte nichts davon, dass Eltern ihren Kindern ALLE Schwierigkeiten aus dem Weg räumen, also die sogenannten „Curling-Eltern“, die den Weg des Kindes glattwischen. Auch die „Helikopter-Eltern“, die ihr Kind immer und überall überwachen, sollten sich lieber auch anderen Aufgaben zuwenden.

Wohl gesprochen. Weiter geht es mit den „10 Wünschen der Kinder“ die sich letztendlich als Bedürfnisse erweisen. Alexandra Lux merkt man die Erfahrung aus dem Montessori-Schulprogramm an, denn sie ermuntert den Leser sich selbst Gedanken zu machen und vor allem nicht nur die Schwächen der Kinder sondern vor allem auch ihre Stärken sehen.

Weiter geht es mit einem Kapitel über die altersgerechte Förderung der Kinder ohne sie dabei zu überfordern. Ineressant fand ich hier den Ansatz, dass zu den Bedürfnissen der Kinder auch unbedingt „Langeweile“ zählt, denn nur in Situationen der Langeweile entsteht Kreativität.  Wichtig ist auch, dass die Eltern lernen die Kinder dazu zu ermutigen, etwas selbst zu machen. Alexandra Lux erzählt hier eine schöne Geschichte von einem Wissenschaftler der einem Schmetterling aus dem Kokon hilft nur um dabei zu lernen, dass ohne die Schlüpfanstrengungen des Schmitterlings dessen Flügel mißgebildet sind und seine Hilfe dem Schmetterling mehr geschadet als geholfen hat.

Es folgt ein Kapitel über Hausaufgaben und hier werden auch die unterschiedlichen Lerntypen besprochen. Alexandra Lux unterscheidet hier zwischen „visuell“, „auditiv“ und „kinesthätisch“. Sie gibt auch stichpunktartig viele Hinweise wie man den Kindern bei den Hausaufgaben helfen kann.

Nun folgt ein Kapitel über Lernerfolge mit LernCoaching, sozusagen Eigenwerbung der Autorin die ja auch als Lerncoach tätig ist. Lerncoaches sind keine Nachhilfelehrer die mit den Kindern den Lehrstoff-Pauken sondern kümmern sich eher um die Entwicklung der sogenannten Soft-Skills oder Kompetenzen wie soziale Kompetenz, Sachkompetenz, Methodenkompetenz und personelle Kompetenz.

Das nächste Kaptiel behandelt die Pubertät, sozusagen das an dem ich mit einer demnächst 14-jährigen Tochter ganz besonderes Interesse habe. Alexandra erklärt uns, dass die Pubertät nicht nur die Zeit ist in der die Eltern schwierig werden, sondern dass unsere Kinder hier eine Umorganisation ihres Gehirnes erleben und Dinge tun, die uns Erwachsenen zum Wahnsinn treiben können. Die Autorin rät dazu, mal an seine eigene Pubertät und die dabei durchlebten Gefühlswallungen zurück zu denken. Neu für mich war auch die Aussage, dass sich in der Pubertät der Schlafrhythmus ändert, klar, ich sehe das am lebenden Beispiel, aber Alexanda erklärt auch warum das so ist. Und sie macht Hoffnung auf ein Ende der Pubertät welches an der Normalisierung des Schlafrhytmus zu erkennen sei.

Es folgen gute Hinweise wie man sein Kind selbständig und selbtbewußt machen kann und vor allem, wie man ihnen bei der Entwicklung zu starken Persönlichkeiten helfen kann. Das alles ist auch eng verknüpft mit dem Setzen von Grenzen die vom Kind gerne ausgelotet und auch mal überschritten werden, die aber wichtig sind. Und als Eltern müssen wir lernen, dass das Setzen von Grenzen auch immer Konfliktsituationen hervorruft, denn natürlich wird die Grenze getestet. Aber Kinder brauchen Grenzen, hier bringt die Autorin ein schönes Beispiel mit der Wüste wo sich in jeder Himmelsrichtung bis zum Horizont der Sand hin erstreckt. Diese grenzenlose Freiheit ist für Kinder (und auch Erwachsene) furchteinflößend, weil Landmarkierungen zur Orientierung fehlen.

Die Autorin erklärt auch, dass es auch implizite Grenzen gibt die durch die jeweilige Kultur bestimmt sind und die zu Konfliktsituationen führen können wenn verschiedene Kulturen aufeinander treffen. Ein Grund warum es in multikulturellen Konzernen sogenannte interkulturelle Trainings gibt.

Persönliches Fazit

Das Buch ist relativ gut zu lesen, allerdings hätte ich mir hier mehr Geschichtenerzählen aus dem Erfahrungsschatz der Autorin gewünscht. Gute Ansätze waren das Beispiel mit dem Schmetterling und die grenzenlose Freiheit in der Wüste. Aber auch in anderen Teilen des Buches hätte man mit kleinen Geschichten manche der doch relativ „trockenen“ Themen ein wenig verständlicher vermitteln können. So erkärt beispielsweise Watzlawick die kulturellen Unterschiede so, dass Europäer und Araber unterschiedliche „Gesprächsabstände“ haben, also die Distanz in der sich Gesprächspartner gegenüberstehen oder sitzen. Der Araber geht hier kulturell bedingt sozusagen auf Tuchfühlung wärend der Europäer durchaus mal einen Meter Abstand zum Gesprächspartner als angenehm empfindet. Wenn also der Araber ihm auf die Pelle rückt weicht er aus weil er sich unwohl fühlt und der Araber ist deshalb beleidigt weil er dieses Auseichen als Affront sehen kann.

Was mir am Buch besonders gefallen hat war die Ermahnung, dass wir Eltern unseren Kindern vor allem auch bedingungslose Liebe schuldig sind. Wir dürfen keine perfekten normgerechten Nachkömmlinge erwarten und es ist unsere Aufgabe für die Bedürfnisse unserer Kinder da zu sein.

Auch die Denkanstöße zur Selbstreflexion sind ein guter Ansatzpunkt sich mal an seine Jugend zu erinnern und die Sorgen und Nöte unserer Kinder zu verstehen.

Letztlich ein durchaus empfehlenswertes Buch das seinen Preis bestimmt wert ist.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

3 Kommentare

  1. Danke für Deine Rezension, auf die ich bereits gewartet habe! ich freue mich schon darauf, das Buch von Alexandra Lux selbst zu lesen. Vieles geht in die Richtung, in die ich mich beim Thema Kinder, Lernen und Vertrauen auch bewege. Toll, dass Du es verbloggt hast. 🙂

  2. Danke Herr König für Ihre Rezension des eBooks aus meinem Verlag. Nun, wir sind nicht bei allen eBook-Anbietern gelistet. Das ändern wir sukzessive. Auch ist das Bestellformular mittlerweile überarbeitet. Wir sind immer froh über konstruktive Kritik, um unsere Seite und den Verlag besser zu machen! Noch viel Spaß mit dem eBook und den Tipps von Alexandra Lux. Marita Wittner, Gehzeiten Verlag

  3. Leider gibt es dieses Buch wohl nur als E-Book (Book on demand wäre ja keine schlechte Idee) und was man an Kurzbeschreibung bei Amazon dazu findet (Auszug aus dem Buch) ist leider nichtssagend bzw. erklärt nicht, warum es besser bzw. anders ist, als all die anderen Erziehungsratgeber.

    Zitat: „Was mir am Buch besonders gefallen hat war die Ermahnung, dass wir Eltern unseren Kindern vor allem auch bedingungslose Liebe schuldig sind. Wir dürfen keine perfekten normgerechten Nachkömmlinge erwarten und es ist unsere Aufgabe für die Bedürfnisse unserer Kinder da zu sein.

    Auch die Denkanstöße zur Selbstreflexion sind ein guter Ansatzpunkt sich mal an seine Jugend zu erinnern und die Sorgen und Nöte unserer Kinder zu verstehen.“

    Dies sind hoch zu achtende Werte. Jede Erinnerung daran ist immer gut.

    Hört sich interessant an, ist für mich Papierliebhaber leider nicht kaufbar, da ich Bücher auch gerne mal rumreiche um darüber zu diskutieren.