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Die Ignoranz und ihre Folgen

Ein kluger Mann hat mal gesagt, man könne verschiedene Fakten zwar durchaus ignorieren, aber irgendwann kommt der Punkt an dem man die Folgen dieser Ignoranz nicht mehr ignorieren kann. Diese Erkenntnis trifft gerade den DIHK und die Panikmeldung des Tages lautet „Auch die deutschen Exporte brechen ein„. Ach?! Woran das wohl liegen mag?

Da gibt es ja verschiedene schöne Theorien angefangen von den späten Sommerferien bis hin zu den Sanktionen gegen Russland die jetzt natürlich ihren Tribut einfordern. Was aber von uns Export-Weltmeistern leider seit Jahren sträflich ignoriert wird sind ganz simple volkswirtschaftliche Zusammenhänge. Deutschlands Leistungsbilanz zeigt seit Jahren einen heftigen Exportüberschuss, was letztlich nichts anderes bedeutet, als dass das Ausland in das wir Exportieren bei uns Schulden machen muss um die bei importieren Güter zu bezahlen. Sorry, ich bin kein Ökonom sondern Techniker, wer das genauer haben will darf gerne bei Flassbeck Economics ein wenig lesen. Und natürlich können wir nur etwas exportieren für das Nachfrage besteht. Nun schauen wir uns mal die Nachfrage in unserem eigenen Land an, die liegt seit Jahren schon am Boden und dank radikaler Niedriglohnpolitik und dem Drohszenario von Hartz IV ist auch keine Hoffnung auf Besserung der Situation da. Aber das war uns „Exportweltmeister“ ja herzlich egal, wen interessiert schon die Binnennachfrage wenn wir einen tollen Reibach mit Exporten machen können. Und da ja am deutschen Wesen die Welt genesen soll wollen wir nicht nur unsere Produkte exportieren, sondern Frau Merkel legt ja auch höchsten Wert darauf, ihre Austeritätspolitik in alle Länder zu exportieren. Dummerweise funktioniert das in der Praxis überhaupt nicht, statt Schuldenabbau steigen die Schulden in den betroffenen Ländern ungerührt weiter an. Und als Nebeneffekt des staatlich verordneten Lohnabbaus geht natürlich in diesen Ländern auch die jeweilige Nachfrage zurück, nicht nur nach eigenen Produkten sondern eben auch nach Importgütern, denn die kann sich einfach keiner mehr leisten. Und genau diese fehlende Nachfrage in den Zielländern führt jetzt eben dazu, dass unsere Exporte wegbrechen. Was ja an und für sich zu begrüßen wäre, gäbe es zum Ausgleich eine funktionierende Binnennachfrage. So aber sieht es so aus, als würden wir uns in einer sich immer schneller drehenden Abwärtsspirale befinden, ausgelöst eben durch die Ignoranz der elementaren gesamtwirtschaftlichen Zusammenhänge durch unsere Politik.

Klar, manch einer gewinnt in unserem total perversen System auch dann, wenn alles den Bach runtergeht (kann man bestimmt im Finanzcasino schöne Wetten abschließen). Und natürlich haben wir ja zum Glück auch Ebola, die Ukraine und die IS um von diesem Totalversagen der Wirtschaftspolitik abzulenken. Hauptsache die Hofberichterstattung durch die Medien verbreitet die Jubelrufe wie zufrieden das Volk doch angeblich ist und wie gut es uns doch geht.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

1 Kommentar

  1. Dafür redet die DIHK jetzt dem TTIP das Wort.

    *Ironie an* dann wird alles besser *Ironie aus*