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Gestern fand ich in meinem Newsfeed zwei Meldungen die gegensätzlicher nicht sein könnten. Die erste Meldung kam von der Tagesschau und beschreibt wie unsere Kanzlerin gerade im Enddarm des BDA unterwegs ist und auf dem Arbeitgebertag mal wieder von Dingen schwadroniert, von denen sie offensichtlich keine Ahnung hat. Moneyquote: „Merkel verwies dagegen darauf, dass die Binnenkonjunktur in Deutschland stabil sei.“ Ja, da hat Frau Merkel zweifellos recht, denn tot am Boden liegen ist ein sehr stabiler Zustand. Und damit das auch so bleibt wollen die Arbeitgeber weiter entlastet werden und am liebsten würde man ja Dinge wie Rente mit 63 oder den lächerlich niedrigen Mindestlohn gleich wieder abschaffen. Aber ok, zumindest die Rentenbeiträge können wir senken und das Volk soll sich halt selbst versichern. Blöd nur, dass das Rentenaufkommen laut Mackenroth immer aus dem Einkommen der laufenden Periode bestritten wird, hat die gesetzliche Rente also tatsächlich so viel Luft dass wir jetzt mal flott die Beiträge senken können und es tut keinem weh? Das würde ja bedeuten, dass diese Schreckenszenarios von die Rentenkassen können die Renten nicht mehr zahlen einfach gelogen waren, oder?

Der andere Artikel erschien auf Flassbeck Economics und beschreibt den ganz normalen Wahnsinn der Berichterstattung über solche Themen in einer Wirstschaftszeitung. Und Heiner Flassbeck stellt fest, dass bei all diesen Berichten die Themen „Nachfrage und Löhne“ total ausgeklammert sind. Dabei sollte auch dem letzten Bildzeitungsleser mittlerweile klar werden, dass Investitionen nur dann getätigt werden, wenn Nachfrage besteht und Nachfrage existiert nur dann, wenn die Leute auch genügend verdienen. Schon Henry Ford wußte „Autos kaufen keine Autos“, aber unsere Laienschauspieler in der Demokratiesimulation kapieren nicht einmal das. Die Folgen dieses ideologischen Wahnsinns dürfen wir alle tragen, außer eben diejenigen, die es verbockt haben.

 

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

2 Kommentare

  1. Flassbeck bemerkt „Löhne und Nachfrage“ kommen nicht vor.

    Merkel weiß anscheinend nicht mehr, dass es um Menschen geht. Und diese können Nachfrage erst erbringen, wenn sie etwas verdienen. Und nur DANN können sie auch vorsorgen (achtung Sarkasmus: dass können ja die multitastkin-fähigen Frauen dann erledigen, Sarkasmus off)

    Die Grundsätze von Marktwirtschaft scheinen irgendwann den Unternehmen und der Börse geopfert worden zu sein.

    Dafür möchte Frau Nales gerne Langzeitarbeitslose wieder in Lohn und Brot bringen. Am besten mit 100% Lohn vom Staat. Angeblich wäre das Angebot von Stellen derzeit sehr „hoch“, um diese Aktion überhaupt erst gewährleisten zu können.

    Äääääääää, ich stelle da mal einige Fragen …………

    wenn Politker eine BWA (BetriebsWirtschaftlicheAuswertung) nicht mehr lesen können
    wenn eine Arbeitsagentur ihren Bestand an offenen Stellen nicht pflegen
    wenn Statistiker sich nur von einer Sichtweise der Konjunktur nähern (wollen)

    wie soll denn „Otto-Normal-Bürger“ diesen Irrsinn überhaupt noch nachvollziehen????????????

    Soll und Haben sind nicht mehr wichtig. Wichtig sind Umfragen und Umsatzerwartungen, die irgendwelche Statistiker anhand irrwitziger Daten ermittelt haben.

    Und Bashing gegen Gewerkschaften ist gerade enorm in Mode. Und die „4. Gewalt“ im Staate spielt dieses Spiel anscheinend begeistert mit!

    • Carsten Kettner

      06/11/2014 @ 07:27

      Zum Thema der Rolle der sogenannten 4. Gewalt (die zur Zeit erschreckend gleichgeschaltet erscheint) gibt es in Telepolis einen sehr lesenswerten Artikel: http://www.heise.de/tp/artikel/43/43237/1.html.

      Ich frage mich mittlwerweile wirklich, ob die Meinungsmacher alle total verdummt sind, oder ob unsere Staatsratsvorsitzende die alle im Sack hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass halbwegs intelligente Menschen das Drumherum um uns so kommentarlos betrachten können. Aber nur am Stammtisch meckern hilft nicht, es fehlt die leitende Meinungsvielfalt.