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Ferguson offenbart die ungelösten Probleme der USA

In Ferguson im US-Bundesstaat Missouri kocht die Volksseele mal wieder. Nachdem im Sommer ein schwarzer  unbewaffneter Jugendlicher von einem weißen Polizisten erschossen wurde hat sich die Grand Jury nun entschlossen, keine Anklage gegen den Polizisten zu erheben.

Dieser Persilschein für total überzogene Polizeigewalt ist natürlich etwas, das die Menschen in Ferguson und in vielen anderen Städten so nicht hinnehmen wollen. Flatter hat das gestern sehr schön beschrieben: „Hier wehren sich, wenn auch ungeordnet und ohne klares Ziel, Menschen gegen eine brutale Staatsmacht, die es nicht mehr für nötig hält, sich zu legitimieren.

Die Rationalgalerie beleuchtet „The land of the free“ ein wenig näher und zeigt, dass es längst keine Chancengleichheit zwischen schwarz und weiß gibt. Die besten Chancen in Notwehr von der Polizei erschossen zu werden haben hingegen Schwarze, dort ist die Wahrscheinlichkeit 21mal höher als bei Weißen.

Und ja, die amerikanische Polizei greift verdammt schnell zur Waffe und da bleiben dann auch mal Kinder auf der Strecke, so wurde unlängst in Cleveland Ohio ein 12-jähriger Junge erschossen, der mit einer Spielzeugpistole spielte. Und ja, auch dieses Opfer der Polizei war ein Schwarzer. So wie es aktuell aussieht kommen mehr US-Bürger innerhalb ihrer Landesgrenzen durch schießwütige Polizisten ums Leben als durch Terroranschläge.

Techdirt hat ein paar unerfreuliche Hintergrundinformationen zu den Fällen von Polizeigewalt. Und das diese eben nur in sehr seltenen Fällen irgendwelche Gerichtsverfahren nach sich ziehen:

A recent Houston Chronicle investigation found that “police have been nearly immune from criminal charges in shootings” in Houston and other large cities in recent years. In Harris County, Texas, for example, grand juries haven’t indicted a Houston police officer since 2004; in Dallas, grand juries reviewed 81 shootings between 2008 and 2012 and returned just one indictment.

Auch zu dem Entschluß der Grand Jury keine Anklage gegen den Polizisten in Ferguson zu erheben hat Techdirt ein paar verstörende Details. So scheint der Prosecutor McCulloch, also der, der eigentlich die Anklage erheben sollte erst mal auf die Social Media eingedroschen die sich erdreisten, Informationen über solche Vorgänge überhaupt zu verbreiten. Besonders betroffen macht mich allerdings die Schlußbemerkung dieses Artikels:

McCulloch had made his views perfectly clear: the only person blameless in this incident is the officer who shot an unarmed man.

Bei diesem geradezu provokanten Versagen der Strafverfolgungsbehörden kann ich es sehr gut nachvollziehen, dass die Bürger nun dagegen protestieren. Und dass sich der Hass auf ein System das Menschen umbringt und die Täter laufen lässt weil sie eine Uniform tragen nun in Gewalt entlädt ist ebenso verständlich. Wobei das ja nicht nur für die Polizisten gilt, sondern auch z.B. für die Täter die wir in „Collateral Murder“ bei ihren Kriegsverbrechen beobachten durften. Der einzige der wegen Collateral Murder ins Gefängnis musste war der Whistleblower der das Verbrechen öffentlich machte.

Die USA hat hier ein Pulverfass offen an dem die Lunte bereits brennt und das jeden Moment unkontrolliert hochgehen kann. Klar, eine Kleinstadt wie Ferguson kann man mal schnell mit der Nationalgarde besetzen und versuchen jeden Widerstand im Keim zu ersticken. Die Frage ist, wie lange das noch gut geht und es zum offenen Konflikt kommt. Ein sehr passender Kommentar war übrigens auch auf Twitter zu lesen, der Verfasser meinte „Dies ist das Land in dem Biff Tannen den Sports-Almanach hat“ und er spielt damit auf das fiktive 2015 von „Back to the future“ an in dem pure Anarchie herrscht weil die Herrschenden eben nur an sich selbst denken und nicht an das Gemeinwohl.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

3 Kommentare

  1. Hi Rainer,

    eine Frage habe ich da dann doch noch zu deinem Artikel:
    Warst du persönlich schon einmal in den USA oder hast du dort gelebt?

    Ich finde diese Information durchaus relevant: Inwiefern schreibst du hier aufgrund deiner eigenen Erfahrungen? Oder schreibst du hier deine Meinung basierend auf den Artikeln der Medien?

    • Ich war einmal in den USA, das war 1999. Es war interessant und hat mir einige Einblicke in den „American Way of Life“ gegeben. Die Infos zu Ferguson habe ich natürlich aus dem Netz, sprich meinem RSS-Feed der viele alternative News-Sites enthält und natürlich mehr oder weniger live von Twitterern die vor Ort berichten.

      • Danke Dir für deine Antwort! Ich wollte deinen Blog Beitrag nicht angreifen, nur lediglich besser einschätzen können. 🙂