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Gedanken zum Datenschutztag

Heute ist europäischer Datenschutztag. Wie begeht man so einen Tag? Der Verlag O’Reilly zelebriert das Fest mit einem Deal of the Day bei dem eBooks zum Thema Privacy zum halben Preis angeboten werden. Die Faschisten hingegen drücken mit Metaphern dass Verschlüsselung die Behörden praktisch blind macht auf unsere Tränendrüsen. Es ist glaube ich an der Zeit, hier ganz entschieden klare Worte an diese Überwachungsfaschisten zu richten, die ich im Folgenden mit einem DU addressieren werde, auch wenn ich mit diesen Irren eigentlich nicht per Du sein möchte.

DU spielst mir die Opferrolle des armen Blinden vor und bettelst um Verständnis, dass DU gerne sehen willst. Natürlich ist das eine sehr emotionale Metapher, denn Blindheit wünscht man ja auch seinem Feind nicht unbedingt an den Hals. Doch das Problem ist, dass DU wenn DU sehen kannst eine unersättliche Gier entwickelst und keinerlei Respekt mehr vor meiner Privatsphäre hast. DU wirst versuchen mir einzureden, dass das ja alles nur zu meinem Besten sei und DU daher ein legitimes Interesse hast, auch meine intimsten Geheimnisse zu erfahren.

Das Gegenteil ist der Fall. Meine Privatsphäre ist ein Grundrecht während DU hier krampfhaft ein nicht existentes Recht auf Sicherheit als Legitimation bemühst, das nicht existiert und das nicht umsetzbar ist. Schlimmer noch, in der Vergangenheit passierte so viele False-Flag-Aktionen um DEINE Überwachungsphantasien zu stützen, angefangen beim Celler Loch bis hin zu dem inszenierten Anschlag auf den Bahnhof in Bologna, dass ich jedes mal Zweifel habe wenn der nächste Anschlag passiert und DU wieder auf der Matte stehst und behauptest DU hättest ihn verhindern könne, hätte ich DICH nur so werkeln lassen wie DU es für richtig hältst.

DU wirst nun argumentieren, dass ich nichts zu befürchten hätte wenn ich nichts zu verbergen habe. Das Problem an diesem Ansatz ist allerdings, dass DU jegliche Kommunikation zwischen Menschen abhören willst und Menschen nun mal per Definition nicht perfekt sind. Das bedeutet, dass jeder Mensch etwas zu verbergen hat, jeder hat ein Geheimnis das nicht für andere Augen und Ohren bestimmt ist. Dabei ist es egal, worum es geht, es können seltsame Neigungen sein wie beispielsweise bei Herrn Edathy, jede Abweichung von der momentan gesellschaftlich anerkannten Norm kann etwas sein, von dem ich nicht will dass Du davon weißt. Denn jede Information aus meiner Privatspähre die DU von mir hast vergrößert nicht meine Sicherheit vor irgendwelchen imaginären Terroanschlägen sondern sie vergrößert vor allem die Angriffsfläche die ich DIR oder jemanden in dessen Hände diese Informationen gelangen können biete.

Dabei muss es nicht mal um Schmuddelbilder wie bei Edathy gehen. Auch das Wissen über tiefe emotionale Beziehung kann jemanden angreifbar machen. Man stelle sich nur mal vor, wenn bereits von Anfang an klar gewesen wäre, dass Severus Snape es als seine Lebenaufgabe ansah, Harry Potter zu schützen weil er dessen Mutter unendlich liebte, die ganze Harry Potter Geschichte hätte grundlegend anders geschrieben werden müssen.

Ich will DIR diese Angrifssfläche aber nicht bieten. Denn ich vertraue DIR in keiner Weise und daher ist mein Grundrecht auf Privatsphäre auch in keiner Weise Verhandlungsmasse die mal so eben auf dem Altar des heiligen Anti-Terror-Kampfes geopfert werden darf. Den Terrorismus (so er denn überhaupt existiert) kannst DU nicht beseitigen indem DU die Bürger unter Generalverdacht stellst und ihre Geheimnisse wissen willst. Der einzig sinnvolle Weg um etwas gegen denn Terrorismus zu tun wäre die Ursachen zu verstehen und einen poilitischen Kurs zu fahren, der auf ein Miteinander zielt und nicht auf den Export von Kriegen zur Sicherstellung des Rohstoff-Nachschubes. Doch genau das willst DU ja nicht, denn solange der Terror existiert hast DU eine vermeintliche Existenzberechtigung und versuchst DEINE Allmachtsphantasien auszuleben.

Odysseus konnte den Zyklopen nur dadurch besiegen und seine Freiheit wieder erlangen indem er hin erblindete. Und deshalb habe ich auch keine Probleme damit wenn DU blind bist wenn es um meine Privatsphäre geht.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

1 Kommentar

  1. Dem kann ich mich nur anschließen!

    Ich hätte es vielleicht noch drastischer formuliert…