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Repressionen wegen Depressionen?

Heute ist wieder so ein Tag an dem ich mich schäme, hier in Bayern geboren zu sein und zu leben. Klar, ich kann nichts dafür, dass die Bayerische Amigopartei CSU an der Regierung ist (ich habe die nicht gewählt)  und trotzdem tut es weh, wie deren Politiker immer wieder das Klischee vom bayerischen Deppen bedienen. Heute hat der bayerische Innenminister Herrmann ganz tief ins Klo gegriffen und das Thema „Berufsverbot für Depressive“ wieder in die Diskussion gebracht.

Grund ist natürlich die Diskussion um den Absturz der Germanwings Maschine in Frankreich die, so die offizielle Version, vom depressiven Co-Piloten zum Absturz gebracht wurde. Und ja, leider war es nur eine Frage der Zeit bis irgend so ein Vollpfosten-Politiker das Thema „Berufsverbot“ auf den Tisch wirft. Denn immerhin sind ja da Leute gestorben und da muss man doch was tun um so etwas künftig zu verhindern.

Da frage ich mich dann schon, was genau der Herr Innenminister verhindert. Die Möglichkeit bei Depressionen mit einem Berufsverbot belegt zu werden wird aus meiner bescheidenen Einschätzung eher dazu führen, dass Betroffene dann eben ihre Depression für sich behalten statt sich professionelle Hilfe zu holen, denn angesichts des Damoklesschwertes das da über ihnen hängt behält man diese leider nicht offensichtliche Krankheit dann möglicherweise lieber für sich. Was keinem hilft und möglicherweise mehr Leute zu Verzweiflungstaten treiben wird als wenn man ihnen eine Therapie hätte geben können.

Und sind wir doch mal ehrlich, traurige Phasen hat jeder mal, Depressionen sind aber ein Loch aus dem man selbst nur extrem schwer wieder rauskommt wenn man mal drin ist. Bei Twitter äußern sich Depressive unter anderem unter dem Hashtag #notjustsad um darauf aufmerksam zu machen, dass es keine vorübergehende Traurigkeit ist, sondern ein ernstes Problem. Ein Gegner der im Kopf steckt und der nur sehr schwer zu besiegen ist. Und ich kenne Leute, die nach einer anscheinend erfolgreichen Therapie immer noch latente Angst davor haben, dass die Depression plötzlich wieder anklopft.

Und trotzdem weigere ich mich ganz massiv, in Menschen mit Depressionen irgendwelche „Monster“ zu sehen die man besser mit Berufsverboten belegt bevor noch was passiert. Es sind vor allem Menschen die unsere Hilfe brauchen und auf eine Gesellschaft hoffen, in der man sich als Depressiver „outen“ kann ohne gleich als „Blaumacher“ oder „potentieller Massenmörder“ behandelt zu werden. Wir haben es geschafft, Leute mit anderen sexuellen Orientierungen zu akzeptieren und gleichgestellt zu anderen zu behandeln, jetzt wären wir dringend gefordert, Menschen mit Depressionen nicht wegen ihrer Krankheit aus unserer Gesellschaft auzuschließen.

Das wäre das, was ich von einem CSU-Politiker erwarten würde der das „S“ im Parteinamen noch nicht als „Spezlwirtschaft“ sondern eben als „Sozial“ interpretiert. Aber ich bin ja auch ein hoffnungsloser Optimist.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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