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Wenn Witze Realität werden

In meiner Jugend war die Welt noch schwarzweiß und über die Wahlen in den Ostblockstaaten gab es den folgenden Witz: Ein Bauer kommt zum Wahllokal und bekommt einen verschlossenen Umschlag mit seinem Stimmzettel. Als er ihn aufreißen will fährt ihn der Wahlvorsteher an: „Wissen Sie denn nicht, dass die Wahl geheim ist?“ Antwortet der Bauer kleinlaut: „Aber ich wollte doch nur wissen, was ich gewählt habe.“

Damals haben wir über solche Witze gelacht, denn so ein Szenario kam uns total bizarr vor. Denn immerhin haben wir ja freie und geheime Wahlen und machen unsere Kreuzchen bei den Leuten von denen wir annehmen, dass sie unsere Interessen vertreten. Doch was, wenn sie das gar nicht können weil Dinge die uns betreffen ohne sie zu fragen entschieden werden? So etwas passiert z.B. bei den Verhandlungen zu TTIP. Da hätten unsere Volksvertreter gerne Einsicht in die Unterlagen, doch der wird ihnen verwehrt. Wo ist dann bitte noch der Unterschied zu den im Witz beschriebenen „geheimen Wahlen“ im ehemaligen Ostblock?

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

3 Kommentare

  1. der Unterschied ist, dass man das jetzt mit gutem Gewissen als Demokratie verkauft… und die Leute es auch noch glauben.

  2. Carsten Kettner

    28/07/2015 @ 07:21

    Der weitere Unterschied ist, dass es hier die Mehrheit offenbar nicht interessiert, was TTIP ist, genauso wenig, was hinter der Griechenlandpleite steckt, warum die Altersversorgung in 20 Jahren den Bach runtergeht, dass der wirtschaftliche Euro nichts mit der politischen EU zu tun hat und dass wir mittlerweile tief in Verteilungskämpfen stecken (s. Flüchtlingsdrama über das Mittelmeer). Viel mehr vertrauen die meisten Michel, dass Mutti es schon richtig macht und richten wird.