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Schulanfangs-Rant

Am Dienstag hat hier in Bayern die Schule wieder begonnen. Und es fängt wieder mit den üblichen, ja fast schon traditionellen Schwierigkeiten an. Daher muss ich nun ein klein wenig ranten, denn ich bin schlicht und einfach angefressen.

Das Problem sind die Fahrkarten für die Schüler. Die sind ja eigentlich für die Schüler kostenlos, aber natürlich hat der Schüler am ersten Schultag noch keine, denn die werden in der Schule verteilt. Und wenn dieser Prozess klemmt, dann hat der Schüler am zweiten Schultag auch keine. Und wenn wir viel Glück haben bekommt er die Fahrkarte dann hoffentlich am dritten Schultag.

Bedeutet in Augsburg, ich brauche 5 x einen Einzelfahrschein Preisstufe 2 für mein Kind damit es nicht „schwarz“ fährt. Natürlich wäre eine Streifenkarte billiger, aber zum einen weiß ich ja vorher nicht, wie langsam die Verteilung der Fahrkarten passiert und zum anderen ist das Kind zwei Wochen vor dem 15. Geburtstag, d.h. wenn ich eine Kinder-Streifenkarte kaufe ist die in zwei Wochen auch nicht mehr von ihr benutzbar weil sie dann im ÖPNV-Kontext als „Erwachsener“ gilt.

Natürlich habe ich ein, wenn auch begrenztes, Verständnis für die logistischen Probleme der Schule. Die bekommen die Briefe mit den Fahrkarten wohl als große Box von den Verkehrsbetrieben und müssen die dann so sortieren, dass jede Klasse ihre Fahrkarten bekommt. Das dürfte bei ein paar hundert Schülern ein relativ öder und langwieriger Job sein. Trotzdem, die Leute in der Schule sind ja nicht erst am 1. Schultag da sondern vorher und wenn diese Arbeit nicht zu schaffen ist, dann sollte man eben das tun was jeder Firmenboss auch tun würde, nämlich die Arbeit outsourcen. Es gibt nämlich Dienstleister namens Post oder hier in Augsburg auch „Logistics Mail Factory“ deren Firmenstruktur darauf optimiert ist, Briefe von einem Absender zum Empfänger zu transportieren. Und das in relativ kurzer Zeit.

Natürlich kostet das was, nämlich Porto. Also 62 Cent. Halten wir mal dagegen, was ich dieser Tage wieder ausgeben darf damit mein Kind nicht schwarz fährt: 5 x Einzelfahrschein zu je 1,70 € macht zusammen also 8,50 €. Da wäre ich doch gerne bereit, die 62 Cent für das Verschicken der Briefe zu bezahlen, denn verglichen mit den Fahrkarten die ich jetzt kaufen muss wäre das ein Schnäppchen. Bezahlen muss ich zum Schulanfang ja sowieso, eine Woche vor Schulstart fing der Server des „Bargeldlosen Bezahlsystems fürs Essen“, von dem auch das „Kopiergeld“ abgebucht wird, Mails zu schicken weil das Konto unseres Kindes einen „relativ niedrigen“ Kontostand ausweist. Relativ niedrig war im aktuellen Kontext eben Null, denn das Konto haben wir vor den Ferien, nach Erhalt einer ähnlichen Mail, ausgeglichen. Also habe ich in der Schule angerufen (ja, da waren tatsächlich Leute) und fragte was denn ein angemessener Betrag wäre. Mit 50 € bin ich zum Schulanfang dabei, 30 davon gehen erst mal fürs Kopiergeld weg. Also bitte, dann nehmt das nächste Jahr noch die 62 Cent fürs Porto für die Fahrkarten und lasst die von den Verkehrsbetrieben direkt an die Kinder schicken. Dann muss sich auch kein Mitarbeiter der Schule die Mühe mit dem Sortieren machen.

Die Adresse der Kinder haben die Verkehrsbetriebe nämlich, also braucht sich keiner wegen „Datenschutz“ herausreden. Denn rechtzeitig vor Ferienbeginn sind die Verkehrsbetriebe ja auch in der Lage, einen Brief an den Schülerjahreskarten-Besitzer zu schicken und darauf hinzuweisen, dass diese Karte in den Sommerferien nicht gilt und wer da den ÖPNV nutzen will soll doch bitte ein Ferienticket für nur 32,50 € kaufen. Fazit: Für eine Werbeaktion können die Verkehrsbetriebe Briefe verschicken (das rechnet sich wohl), für das Verteilen der Fahrkarten nicht.

Dass dann zum Schulanfang in den Klassenzimmern zum Teil kaputte Stühle rumstanden und es an Tafelschwämmen mangelte kann man ja dann getrost unter „Peanuts“ abhaken.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

1 Kommentar

  1. Und ich reg mich hier über die Frage auf, ob die Lektüre aus der Klassenkasse (die selbstverständlich schon „gefüttert“ wurde) oder selber besorgt wird auf. *schäm*
    Wobei hier der ÖPNV die ersten 4 Tage Schultage nicht kontrolliert.
    Und das Schülerticket für 12 Monate (auch Ferien und Sa/So und Feiertags) gilt in NRW.