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Der kleine Unterschied macht viel aus

Nein, nicht was manche jetzt nach der Überschrift denken. Es geht hier um etwas, das ich schon viel früher hätte machen sollen, das Einstellen meiner Gitarre und meines Basses. Aber ok, ich war (und bin) ein blutiger Anfänger und da ich mir ja alles selbst beibringe habe ich eine Weile gebraucht bis ich mich mal ernsthaft anfing zu fragen, warum ich gefühlt so wenig Fortschritte mache. Besonders bei der Gitarre habe ich es bislang auf das Thema Wurstfinger geschoben. Doch der Ingenieur in mir wollte natürlich wissen, wo tatsächlich das Problem liegt und wie man es behebt. Nun denn, steigen wir mal in die Veränderungen ein.

Meine E-Gitarre hatte das Problem, dass die Saiten oft schnarrten und schepperten, was ich dadurch zu kompensieren versuchte, dass ich sie an der Bridge eben hochdrehte bis sie nicht mehr schnarrten. Rückwirkend stelle ich nun fest, dass der Hauptgrund für das Schnarren wohl ein falsch eingestellter Hals war. Ich war ja so naiv und dachte, die Werksteinstellung würde schon passen. Tatsächlich war der Hals meiner Gitarre aber konvex, also nach hinten gekrümmt. Das ganze sieht dann schematisch so aus:

Links seht ihr den Sattel (blau), rehts die Bridge und den Korups der Gitarre. Die leichte Krümmung nach hinten hat nun den Effekt, dass die Saiten um den 12. Bund rum (Mitte zwischen Sattel und Bridge) sehr dicht über dem Hals liegen und damit gegen die Bünde schnarren.

Eine andere Fehlstellung des Halses wäre eine konkave Krümmung, da wäre der Hals nach oben gekrümmt. Das sähe dann so aus:

Hier ist der Hals zu weit nach oben gebogen, das bedeutet, wir haben beim 12. Bund sehr viel Abstand zwischen Saite und den Bünden. Dieser Abstand macht das Spielen nicht einfach, denn wir müssen dann die Saiten relativ weit nach unten drücken, was auch wieder schlecht ist. Doch dazu später.

Ein optimal eingestellter Hals ist gerade. Das sieht dann so aus:

Um den Hals gerade zu bekommen muss man an der Truss-Rod, der Stellschraube im Hals drehen. Wie das geht demonstriert hier Jassy aus Frankfurt:

Wenn der Hals dann gerade ist, dann kann ich nur empfehlen, die Saiten so weit wie möglich runter zu drehen, also den Abstand zwischen den Saiten minimal zu machen. Eine hohe Saitenlage (zu viel Abstand) hat nämlich technisch betrachtet ein paar Nachteile.

Rechts seht ihr einen Schnitt durch den Hals, die Saiten in einer hohen Saitenlage und dann den Finger (F) der hier die A-Saite nach unten auf den Bund (blau) drückt. Der Finger ist (zumindest bei mir) von der Sorte „Wurstfinger“ und da die Saiten so hoch sind drücke ich also die A-Saite schön gegen den Bund, aber dummerweise berührt der Finger auch noch die E-Saite und die D-Saite. Was dann ziemlich blöd ist, wenn die eigentlich frei schwingen sollten und nicht gedämpft werden sollten. Das andere Problem beim Spielen mit zu hoher Saitenlage ist natürlich, dass ihr einen relativ großen „Hub“ habt, was wiederum das Spielen von schnellen Wechseln schwieriger macht, einfach weil ihr sozusagen die Finger weiter runter drücken müsst. Besonders beim Bass (den ich auch lange zu hoch eingestellt hatte) bereitete mir das immer Probleme.

Wenn die Saiten tiefer liegen, dann habt ihr das Problem nicht mehr, dass die Wurstfinger die daneben liegenden Saiten unbeabsichtigt abdämpfen. Rechts seht ihr die gleiche Situation wie oben, nur ist jetzt die Saitenlage eben geringfügig niedriger, aber das bedeutet eben, dass nun tatsächlich nur die A-Saite gedrückt wird und die daneben liegenden Saiten frei schwingen können.

Genau das waren die Justagen, die ich jetzt im Weihnachsurlaub an meiner Gitarre und meinem Bass vorgenommen habe. Und was soll ich sagen, es ist zwar nur ein kleiner Unterschied von vielleicht einem oder zwei Millimetern, aber vom Spielgefühl her liegen da tatsächlich Welten zwischen dem „vorher“ und „nacher“. Jetzt macht das Spielen wieder richtig viel Spaß und plötzlich geht es auch viel flotter und flüssiger „von der Hand“.

Daher mein Tip an alle anderen blutigen Anfänger die das lesen. Befasst Euch ein wenig mit der Theorie und stellt Euer Instrument ein. Fragt notfalls Euren Musiklehrer (so ihr einen habt) oder auch im Fachgeschäft, wenn ihr Angst habt selbst an dem Instrument rum zu schrauben. Denn wenn das Instrument mal richtig eingestellt ist tut Ihr Euch viel leichter. Und seid nicht so naiv wie ich zu glauben, dass die Werkseinstellung optimal wäre. War sie bei meiner Gitarre nicht und auch beim Bass nicht. Vor allem hängt die Halskrümmung ja auch immer davon ab, welche Saiten aufgezogen sind, dickere Saiten ziehen den Hals mehr nach oben, man muss also hier in jedem Fall einstellen, wenn man eine andere Saitenstärke aufzieht.

Für die ganze Einstellerei habe ich mir für jedes Instrument übrigens einen billigen 10€ Clip-Tuner besorgt, damit geht das dann recht gut, weil man eben im Verstärker hören kann, ob die Saite schnarrt oder nicht und am Tuner sieht, wie sie gestimmt ist. Und jedes Verstellen der Saitenhöhe an der Bridge vestellt Euch auch das Tuning, daher ist hier Kontrolle wichtig.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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