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Geschäftsmodell Mord

Ein Tatverdächtiger für den Anschlag auf den BVB-Bus in der letzten Woche wurde mittlerweile verhaftet. Und entgegen den ersten Vermutungen zum Anschlagshintergrund stellt sich als Tatmotiv wohl die pure Gier heraus. Der Täter hatte wohl vor dem Anschlag eine Menge an Put-Optionsscheinen für die BVB-Aktien gekauft und hoffte, beim zu erwartenden Kurssturz der Aktie nach dem Anschlag dann Millionen zu verdienen.  An dieser Stelle fange ich aber nun an, mir ernsthaft Fragen über unser System zu stellen.

Unsere Finanzmärkte sind mittlerweile anscheinend zu einem Spielcasino verkommen, in dem man auf alles mögliche Wetten abschließen kann. Der Tatverdächtige hat wohl darauf gewettet, dass die BVB-Aktie ins Bodenlose fällt und er dadurch dann reich wird. Es gibt also Finanzprodukte die mir Reichtum bescheren, wenn es jemandem sehr schlecht geht. Das ist ungefähr so, wie wenn ich eine Feuer-Versicherung auf das Haus meines Nachbarn abschließe und sollte ihm die Hütte tatsächlich abbrrennen, dann bekomme ich von dieser Versicherung einen hohen Betrag (der möglicherweise keinen Bezug zum echten Wert des Hauses hat) ausgezahlt.

Bei diesen Möglichkeiten war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis jemand tatsächlich versucht, hier auf eine schnelle und einfache Art und Weise reich zu werden. Und es erscheint wie das perfekte Verbrechen, denn der Täter steht in keiner echten Beziehung zum Opfer, außer eben dass er solche Wettscheine gekauft hat die ihn reich machen sollen wenn es dem Opfer schlecht geht. Das hat dann wohl auch die Spur zum Täter gelegt, denn solche Scheine werden sonst wohl nur eher in geringen Stückzahlen gehandelt und da war dieses hohe Volumen so kurz vor der Tat natürlich auffällig. Hätte der Täter das über etliche Monate „gestreckt“ wäre es wohl gar nicht aufgefallen.

Aber warum muss es überhaupt solche „Wetten“ geben? Ist es ethisch korrekt, auf das Leid eines anderen zu setzen und daran zu verdienen? Oder wäre es dringend nötig, die Finanzmärkte an die Kette zu legen, zu regulieren und solche ethisch und moralisch fragwürdigen Transaktionen zu unterbinden? Was haben wir aus den diversen Börsencrashs der Vergangenheit gelernt, die wohl auch durch derartige Wetten und total undurchsichtige Transaktionen ausgelöst wurden?

Und die nächste Frage ist, wie es denn aussieht wenn wir das „Big Picture“ betrachten. Sind die diversen Konflikte und kriegerischen Auseinandersetzungen in denen die Staaten verstrickt sind nicht auch eine Methode um steigende Aktienkurse zu generieren? Wenn Trump 58 Tomohawk-Missiles auf Syrien abfeuern lässt, dann steigt danach der Aktienkurs des Herstellers dieser Marschflugkörper. Der Steuerzahler hat die Waffen finanziert, so wie die 314 Millionen Dollar teure „Mother of all bombs“ welche die USA neulich in Afghanistan eingesetzt hat. Der Gewinn aus steigenden Aktienkursen geht an die Aktionäre. Und die haben aus Gründen der Gewinnmaximierung vielleicht gar kein echtes Interesse daran, dass die Konflikte beigelegt werden, denn Krieg ist ihr Geschäft und solange das Geschäft gut läuft macht man ordentlich Profit. Wenn dabei Menschen zu Tode kommen ist das eben der nicht zu vermeidende Kollateralschaden.

Warum schafft es die Menschheit eigentlich nicht, ein System zu etablieren in dem Reichtum und Wohlstand dadurch generiert werden, dass es allen gut geht und keiner Not leiden muss, eine echte Win-Win-Situation? Warum basiert unser Wohlstand auf einem Win-Lose-System, bei dem irgendwo auf der Welt einer vom System ausgebeutet wird, egal ob als Kriegsopfer in den Systemerhaltungskriegen oder als Sweat-Jobber der irgendwo in Asien unsere Klamotten zusammennäht und dabei einen Hungerlohn erhält?

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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