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Der Preis von „billig“

Letztes Jahr Anfang Mai haben wir unserem Sohn Stefan ein neues Fahrrad gekauft. Es war eines vom Supermarkt für einen Schnäppchenpreis von 199€. Er nutzt das Fahrrad häufig und hat bestimmt schon eine Menge Kilometer geradelt. Hin und wieder gab es „Platten“ die ich ja relativ schnell reparieren kann, denn Werkzeug und einen Fahrrad-Montage-Ständer habe ich . Diese Woche kam er jedoch mit einem Defekt, der meine kleine Hobbywerkstatt überfordert hat.

Das sichtbare Problem war, dass das Hinterrad blockierte. Ich dachte erst, es ist weil die Kette zwischen Rahmen und kleinstem Zahnrad am Zahnkranz eingeklemmt war, doch dann merkte ich, dass auch nach Befreiung der Kette das Problem weiter vorhanden war. Und das Hinterrad wackelte sehr stark, so dass ich erst an einen Achsbruch dachte (so was hatte ich vor vielen Jahren mal). Also Hinterrad ausgebaut, doch statt zwei Teilen der Achse fand ich auf der Zahnkranzseite ein undefiniertes etwas, das ich erst mal als „Abstandshülse“ interpretierte die halt jetzt fehlt. Das wollte ich mit einer Mutter kompensieren, aber leider half das auch nichts, das Problem war weiter da. Also mal die Achse ausbauen. Die sah dann so aus:

AchseMan sieht deutlich, dass die Achse auf der linken Seite, da wo der Konus für den Antrib ist sehr krumm ist. Und wenn man den Konus genauer ansieht, dann sieht der auch nicht mehr „frisch“ aus:

KonusHier sieht man deutlich, dass am Konus ein Stück abgesplittert ist. Also mal nach einer neuen Achse geschaut. Online findet man so was, aber dummerweise mit Lieferzeiten von mehreren Wochen. Also zum größten Fahrradhändler hier am Ort gefahren und eine neue Achse besorgt, die war sogar billiger als man sie Online kaufen kann. Und die dazu passenden Kugellager-Kugeln. Dann habe ich versucht, die neue Achse einzubauen, erst mal auf der Zahnkranz-Seite die Kugellager-Kugeln rein, dann den Konus und dann die andere Seite. Da fiel dann auf, dass die Nabe auf der anderen Seite so geformt war, dass mir mit dem Konus er bei der Achse dabei war die Kugeln wohl rausfallen würden. Also dan alten Konus eingesetzt, der eine etwas größere Deckplatte hat. Dann probiert und das Rad dreht sich noch immer nicht rund.

Also mal den Zahnkranz abmontiert um zu sehen, wie die Nabe unter dem Zahnkranz aussieht. Das war dank Spezialwerkzeug und dem langen Hebelarm eines Drehmomentschlüssels dann auch mit viel Kraftaufwand möglich. Und dann sah dich das hier:

LagerAlso nicht unbedingt eine optimale Voraussetzung für die Kugellagerkugeln. Am Rand dieser „Schale“ hing dann auch noch ein langer Grat, das lässt mich vermuten, dass das Ding was ich bei der Demontage anfänglich gefunden habe wohl irgendwas mit dem Behältnis für die Kugellager-Kugeln zu tun hatte.

An diesem Punkt bin ich dann erst mal nicht in der Lage, weiter zu machen. Also das Rad in diesem Zustand gepackt und zu einem anderen Fahrradhändler gegangen, der auch Fahrräder repariert die nicht bei hm gekauft sind. Und der meinte nur, dass man da nicht mehr „basteln“ kann, sondern am Besten gleich ein komplettes Rad mit Achse, Speichen und Felge kaufen soll. Also knapp 40€ für die Reparatur.

Klar, man könnte die Nabe austauschen, Naben gibt es auch einzeln zu kaufen. Aber das würde bedeuten, dass man alle Speichen entfernen muss (die sind ja mit der Nabe verbunden) und dann das Rad komplett neu „Einspeichen“ muss. Viel Aufwand, das hohe Risiko die Felge dabei mächtig zu verziehen und wenn man die Arbeitszeit dafür zahlen muss wird das teurer als ein neues komplettes Hinterrad.

Die Moral von der Geschicht: Das optisch schön aussehende Fahrrad vom Supermarkt ist aus billigen Teilen und minderwertigem Material (so darf keine Achse nach nicht mal 2000km aussehen) hergestellt. Klar kann man das Reparieren, aber wenn diese Probleme so weitergehen, dann wäre es am Ende vielleicht besser gewesen, gleich ein höherwertiges Fahrrad bei einem Fahrradhändler zu kaufen.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

1 Kommentar

  1. Carsten Kettner

    01/09/2017 @ 18:04

    Tut mir sehr leid für Deinen Sohn, aber ehrlich – irgendwo muß der Preis ja herkommen. Auch wenn 200 EUR mal 400 Mark gewesen sein könnten, auch die damals billigen Fahrräder bspw. von Massa waren schon bei Einkauf Schrott. Ich habe als Student viel und häufig in Fahrradwerkstätten gejobbt, vieles gelernt und vieles gesehen. Von daher kann ich nur jedem raten, ein paar Euronen beim Fahrradhändler seines Vertrauens zu lassen, um ein halbwegs vernünftiges Fahrrad zu kaufen. Klar, nach oben hin sind kaum Grenzen gesetzt; die Kunst ist es, ein angemessenes Mittelmaß zu finden.