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Die Qual mit der Wahl

Am Sonntag sind Bundestagswahlen. Und natürlich gehe ich zum Wählen, denn das ist für mich sozusagen oberste Bürgerpflicht. Nur stellt sich eben die Frage, wen soll ich wählen. Und hier gibt es ein paar Tage vor der Wahl unterschiedliche Strömungen.

Neulich stieß ich auf einen Blogartikel von Antje Schrupp in dem empfohlen wurde, auf jeden Fall eine der 5 „etablierten Parteien zu wählen“, denn das oberste Ziel bei dieser Bundestagswahl sei dafür zu sorgen, dass am Ende die AfD möglichst wenig Sitze im Bundestag erhält. Und hier wird wieder beschrieben, dass jede Stimme an eine Partei die dann die 5%-Hürde doch nicht knackt verloren sei und somit der AfD zu Gute käme.

Mir gefällt so etwas nicht, denn anders ausgedrückt lautet die Botschaft „Entscheide Dich für das kleinere Übel und nicht für das was Du wirklich wählen willst.“ Klar, mathematisch kann man bestimmt errechnen, dass die Stimmen der Kleinparteien dann das Sitzverhältnis vielleicht zugunsten einer Partei beeinflussen, aber wenn unser System zur Verteilung der Parlamentsplätze so konstruiert ist, dann ist es eben so, und dann ist es vielleicht gar nicht verkehrt, wenn ein gewisser „Schmerz“ mit dem Einzug einer Partei wie der AfD ensteht. Dann überdenkt man vielleicht auch mal dieses System.

Außerdem ist noch lange nicht gesagt, dass die AfD wirklich so ein tolles Ergebnis einfahren wird. Hoffen wir auf eine hohe Wahlbeteiligung, besonders auch von denen die bisher Wahlmuffel waren. Wenn die Klientel der bisherigen „Nichtwähler“ z.B. geschlossen die „Tierschutzpartei“ wählen würde, dann hätten wir wohl sehr schnell einen Tierfreund als Bundeskanzler und die AfD würde an der 5% Hürde scheitern.

Hätte, hätte, Fahrradkette. Wir wissen nicht, wie es ausgehen wird, aber ich werde weder die AfD wählen noch eine der fünf etablierten Parteien. Die AfD hatte nie echte Argumente, sie ist eine „Dagegen“-Partei und mit dem, was sich die Partei-Oberen wie Gauland, Höcke und auch Frau Weidel geleistet haben kann man sie durchaus auch als „rechtsradikal“ bezeichnen. Wir erinnern uns noch an die Sportpalast-Rede von Höcke in Dresden, oder? Und unlängst schwadroniert ein Herr Gauland, dass wir doch stolz auf die Leistungen der deutschen Soldaten in zwei Weltkriegen sein sollen. Hallo, geht es noch. Mein Vater und Herr Gauland lagen 1942 beide in der Scheiße, Herr Gauland in seinen Windeln und mein Vater vor Stalingrad. Er kam als traumatisierter Mensch aus dem Krieg zurück und mir fällt wirklich nichts ein, auf welche Leistungen deutscher in zwei Weltkriegen stolz sein muss. Es sei denn Herr Gauland bezieht sich auf den blinden Kadavergehorsam, man folgt Befehlen und nicht seinem Verstand oder gar Herzen. Ist es so eine Befehlskette die der Herr Gauland in seinen kühnen Träumen wieder etablieren will? Ein wenig zwiespältig ist meine Meinung ja zu den Entgleisungen der Frau Weidel in einer Mail, denn auf der einen Seite schreibt man so etwas nicht, wenn man in einer solchen gehobenen Position ist. Auf der anderen Seite meldet sich aber der Datenschützer in mir und gibt zu Bedenken, dass die Vertraulichkeit der Kommunikation auch für eine Person wie Frau Weidel gelten sollte. Aber egal, es gibt genügend Dinge bei der AfD die bei mir nichts als Brechreiz auslösen.

Tja, und die CSU wähle ich auch nicht. Die CDU können wir ja hier in Bayern sowieso nicht wählen, also ist schon klar, dass „Wer CSU wählt bekommt Merkel“ wie es uns ein blau hinterlegtes Wahlplakat erklärt so stimmt. Aber ich bin nun mal kein Freund der Union, zu viel Gemauschel in der Vergangenheit und mit der Politik der Frau Merkel bin ich auch nicht zufrieden.

Auch die SPD hat meine Gunst verloren. Lange Zeit war ich ja ein SPD-Wähler, bis dann ein Bundeskanzler Schröder mir im Fernsehen erklärt hat „wir haben gerechnet, es reicht nicht für die Rente“ und uns den Versicherungsvertretern in die Arme getrieben hat, damit diese Riester-Verträge abschließen können. Mittlerweile bin ich schlauer und um einiges an „Bearbeitungsgebühren für Riester-Verträge die auch bei Kündigung fällig werden“ ärmer. Sorry SPD, ihr seid raus aus meinen Optionen.

Die Grünen können leider auch nicht mit meiner Stimme rechnen. Vorbei sind die Zeiten, als Grüne als MdBs im Rollkragenpulli und mit Strickzeug im Bundestag saßen, mittlerweile ist grüne Politik ebenso vom Big Business gesteuert wie bei den anderen Parteien. Und die Grünen haben damals ja zum Jugoslawien-Krieg genickt, da hat Deutschland seine „militärische Unschuld“ die nach zwei Weltkriegen mühsam aufgebaut wordern war dann endgültig verloren. Und wenn ich sehe, wie Herr Kretschmann in Baden-Würtermberg sich verhalten hat, das ist für mich auch nicht gerade „vertrauensbildend“.

Auch die FDP mit ihrem Thermomix-Vertreter an der Spitze kann bei mir nicht punkten, sind sie doch zu neoliberal verblendet. Wobei es durchaus FDP-Politiker gibt die meine Hochachtung haben, beispielsweise Sabine Leutheuser-Schnarrenberger. Aber die allein reicht halt nicht aus um mich für die FDP zu begeistern.

Die Linke hätte wohl noch am meisten Chancen, von mir gewählt zu werden. Ich bin von Sahra Wagenknecht schon stark beeindruckt, aber der Rest der Partei erscheint mir leider auch inkonsistent und jetzt im Wahlkampf fiel mir immer wieder auf, dass man oft versucht hat, sich selbst groß darzustellen indem man über Fehler oder Aussagen der anderen Parteien herzog.

Tja, damit sind die etablierten Parteien bei mir durch. Mir ist auch klar, dass die 5% Hürde sinnvoll ist um Verhältnisse wie in der Weimarer Republik zu vermeiden und dass es notwendig ist, mehrere Parteien zur politischen Meinungsbildung zu haben. Was ich in keinem Fall haben will ist ein System wie in den USA, wo es am Ende nur schwarz-weiß (bzw. blau-rot) heißt und entweder die Republikaner oder die Demokraten dann zur Wahl stehen. Wobei die Frage ist, wie groß das Spektrum in unserer Parteienlandschaft wirklich ist. Aber ein „binäres“ Parteisystem ist für mich eine gruselige Vorstellung, es reicht ein Blick über den Teich um zu schaudern.

Also, wen wähle ich. Ich habe dann mal den Wahl-o-mat durchgespielt und siehe da, er spuckt mir das aus, was ich mir schon gedacht habe. Ich werde also die Kleinpartei wählen, bei der ich schon seit einigen Jahren Mitglied bin und die mich manchmal auch enttäuscht oder verärgert, die aber eben trotzdem wichtige Dinge anspricht.

Hier mein Wahl-o-Mat Ergebnis:

wahlomat

Die Freien Wähler habe ich auch mal mit berücksichtigt, denn die Nachbarin hier um die Ecke ist bei denen aktiv. Und beruhigend finde ich, dass die AfD in meiner Rangliste den letzten Platz belegt, denn für mich persönlich ist diese Partei tatsächlich das Allerletzte.

Nun denn, in  4 Tagen wissen wir, wie die Wahl ausgegangen ist und welche Parteien in den nächsten Bundestag einziehen werden.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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