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Buchkritik: Rich dad – poor dad

Aktuell bin ich auf den letzten Seiten des Buches „Rich dad – poor dad“ von Robert T. Kiyosaki. Ich lese das englische Orignal auf meinem E-Book-Reader. Selten war das Lesen eines Buches so schmerzhaft wie bei diesem Buch.

Der Untertitel des Buches ist „What the rich teach their kids about money and the poor and middle class do not“.  Das Buch vermittelt einen sehr interessanten Einblick in die Denkmuster der Reichen. Und was ich da lese lässt mein links schlagendes Herz mächtig rebellieren.

Da ist zunächst mal die Klassifizierung zwischen „Rich“ und „Poor & middle class“ die sich wie ein roter Faden durch das Buch zieht. Kiyosaki attestiert den Reichen die „financial intelligence“ und die Armen und die Mittelklasse sind einfach zu ängstlich, doof oder was auch immer um die gleichen Methoden zu nutzen wie die Reichen.

Zunächst aber mal der Hinweis, dass wenn Kiyosaki von seinen zwei Vätern spricht, dann ist das keine biologische Sensation, sondern er meint seinen biologischen Vater (poor dad) der Lehrer ist und Wert auf Bildung legt. Und dann gibt es da noch den „Rich dad“, ein Self-Made-Millionär, Vater seines Schulkameraden der ihm die wichtigen Dinge über das Geld beibringt.

Und schon die erste These jagt meinen Blutdruck in ungeahnte Höhen:

The poor and the middle class work for money. The rich let money work for them.

Aber es ist leider nicht das Geld, das für einen arbeitet. Wann immer jemand sagt, „Ich lasse mein Geld arbeiten“ bedeutet das in letzer Konsequenz, das irgendwo jemand für diese Geldvermehrung arbeitet. Natürlich sieht man das nicht so offensichtlich. Aus einer betriebswirtschaftlichen Perspektive mag es tatsächlich so aussehen, als würde das Geld arbeiten.

Aus einer makroökonomischen Perspektive hingegen sieht es so aus, dass diese Geldvermehrung nicht passieren kann ohne dass auf der anderen Seite jemand dieses Geld bereit stellt. Wenn ich ganz banal gesprochen heute mein Geld auf die Bank trage um Zinsen dafür zu bekommen, dann klappt das nur, wenn irgendwer sonst zur Bank geht um einen Kredit aufzunehmen. Und seinerseits dafür wieder Zinsen zu bezahlen die natürlich höher sind als meine Rendite, denn die Bank will ja auch ihren Schnitt machen. Und natürlich bekomme ich deutlich weniger Zinsen wenn ich 100€ auf ein Sparkonto werfe wie wenn ich 100.000€ irgendwo anlege.

Kiyosaki übersieht in seiner Arroganz leider, dass sich sein Reichtum nur darauf gründet, dass es die „poor and middle class“ gibt deren Lebensmodell eben nicht auf das pure Vermehren von Reichtum basiert. Der Autor macht sein Geld mit Immobilien, die er günstig einkauft um sie dann teurer zu verkaufen oder teuer zu vermieten. Seine Geldbringer sind also eher die „poor and middleclass“ der er an jeder Ecke fehlendes Gespür für Finanzen attestiert. Und ohne diese Leute würde es aber wahrscheinlich keine Immobilien geben, denn die stellen sich ja nicht von selbst irgendwo hin wenn man „Geld arbeiten lässt“.

Die zweite These zum Auslösen von Schnappatmung ist dann auch die Aussage, dass Steuern zu zahlen was für die „poor and middle class“ ist, warum sollte er, der mit ein paar geschickten Aktionen und 30 Stunden „Arbeit“ dann mal eben einen fünstelligen Betrag verdient diesen auch noch versteuern? Nein, da rechnet man sich lieber arm und vermeidet das Steuerzahlen mit allen möglichen Mitteln.

Natürlich kann man mir jetzt Neid vorwerfen wenn ich sage, dass meine Einkommensteuer auf das Novembergehalt plus Weihnachtsgeld wahrscheinlich höher war als das was der Autor im ganzen Jahr an Steuern bezahlt, aber auf der anderen Seite sehe ich eben auch die Notwendigkeit eines funtionalen Staatsapparates an und der braucht eben auch Einnahmen die er aus den Steuern bekommt. Kiyosaki vertritt hier massiv neoliberale Thesen und würde am liebsten den Staat so weit wie möglich zurückdrangen, aber tatsächlich wollen wir doch alle, dass unsere Kinder zur Schule gehen können (ohne was dafür zu bezahlen), dass wir Straßen, Autobahnen und sonstige Infrastruktur haben, dass wir eine Rechtssprechung haben die unsere gemeinsamen Werte schützen soll. Oder eben, dass wir auch Sozialhilfe haben um nach Möglichkeit zu vermeiden, dass jemand stirbt weil er sich das Leben nicht leisten kann. Im Jahr 2012 bezogen 46,4 Millionen US-Amerikaner Lebensmittelmarken weil sie sonst nicht mehr über die Runden kommen. Eine Realität die Kiyosaki gerne ausblendet, schließlich ist ja gemäß dem neoliberalen Dogma jeder „seines Glückes Schmied“ und müsste ja nur genauso handeln wie er um reich zu werden.

Der dritte Punkt der mich hier schaudern lässt ist die Sichtweise, dass das alles nur ein Spiel ist. Aus seiner abgehobenen Sichtweise mag das  vielleicht wie ein Spiel aussehen und es tut ihm vielleicht auch nicht wirklich weh, wenn er mal einen Fehlgriff macht und irgendwo Geld verliert. Er wird daraus lernen und der Verlust bedeutet vielleicht, dass der neue Porsche erst in einem Vierteljahr bestellt werden kann. Aber auf seinen Lebensstil wird das kaum Auswirkungen haben.

Wenn er aber einem Wohnungsvekäufer eine Wohnung für 50.000 Doller abschwatzen kann obwohl diese für ihn 100.000 wert ist, dann hat er seinen Schnitt gemacht, den Verkäufer aber über den Tisch gezogen.  Und für den ändert die Differenz womöglich viel mehr an seinen Lebensumständen als der Autor sich vorstellen kann.

Vielleicht sollte man als entlastendes Argument aufführen, dass dieses Buch 1997 erschienen ist, also lange vor der Finanzkrise von 2008. Da aber Kiyosaki weiter Bücher mit dem gleichen Tenor verfasst habe ich die Vermutung, dass er aus dem Crash von 2008 auch nicht viel gelernt hat. Was mich allerdings auch nicht wundert, denn seine Einstellung scheint zu sein, dass es ausreichend ist, von allem nur so viel zu verstehen um daraus Profit zu machen. Tieferes Wissen oder gar Spezialisierung sind eher zu vermeiden, denn Spezialisten finden sich dann schnell im „rat race“ aus dem es kein Entrinnen gibt.

Ihr merkt schon, empfehlen kann ich das Buch nicht. Das was ich im an Positivem abgewinnen kann ist, dass ich es jetzt schriftlich habe wie die Reichen ticken.

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