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Mein neues Rockbrett

Heute habe ich mal wieder eine Gitarre via Ebay-Kleinanzeigen erbeutet. 85 € für eine Epiphone Les Paul Special II die momentan bei den diversen Musikläden für etwa 160 Euro verkauft wird. Ein wenig Benzin musste ich zusätzlich investieren, denn die Verkäuferin wohnt in der Nähe von Günzburg. Also am Nachmittag mal einen Ausflug dort hin gemacht, am Legoland vorbei und noch ein wenig weiter.

Die Gitarre war die vom Sohn, der die Lust verloren hat. Keine Motivation zum Üben. Als ich dort ankam stellte ich auch fest, dass die hohe E-Saite fehlte, aber egal, dafür gab es eine Packung Ersatzsaiten inklusive. Die habe ich aber erst mal nicht aufgezogen, denn das ist ein 11er-Saitensatz, also mit Saitenstärken von 0.011-0.049 Zoll, dicker als alles was ich bislang auf meinen Gitarren drauf hatte. 

Daheim dann erst mal Bestandsaufnahme gemacht. Dellen oder Kratzer hat die Gitarre nicht, aber die Potis und der Schalter waren relativ locker, musste ich also erst mal fest ziehen. Die Saitenlage war viel zu weit oben, kein Wunder wenn ein 11er-Saitensatz am Hals zieht. Da kann ich dann schon nachvollziehen, dass der Junior keine Lust mehr zum Üben hatte. Also die alten Saiten runter und das Ding erst mal mit Griffbrett-Reiniger geputzt. Beim Saiten-Runtermachen war dann auch offensichtlich, dass die Saiten von einem blutigen Anfänger aufgezogen wurden, es war sehr viel und dick gewickelt, so als wäre der Seitenschneider zum Abknipsen von zu langen Saiten noch nicht erfunden. 

Dann habe ich einen Satz Ernie Ball 2221 (0.010-0.046)  aufgezogen. Die Halskrümmung musste ich auch einstellen. Dazu drückt man die Saiten mit einem Kapodaster im ersten Bund runter (das ist sozusagen die dritte Hand die man für diese Arbeit braucht) und dann drückt man die tiefe E-Saite im höchsten Bund runter. Jetzt sollte der Abstand zwischen dem 8. Bund und der Saite irgendwo zwischen 0,3 und 0,5 mm liegen. Um das zu messen habe ich mir extra mal eine sogenannte Fühlerlehre gekauft, die hat Metallplättchen in unterschiedlichen Stärken und wenn man mit dem Plättchen zwischen Saite und Bund fährt kann man sehen, ob sich die Saite anhebt oder nicht, also ob der Abstand zwischen Saite und Bund kleiner ist als die Stärke des Fühlerplättchens.Wenn es nicht passt muss der Halsstab mehr angespannt oder gelockert werden, in meinem Fall musste ich den Stab deutlich anziehen um auf 0,5mm Abstand zu kommen. 

Die Intonation der Gitarre war relativ gut eingestellt, hier musste ich kaum was machen. 

Dann noch den Gurt des Vorbesitzers gegen einen anderen ausgetauscht, denn an der Gitarre war ein etwa 8 cm breiter Warwick-Bass-Gurt angebracht. Nochmal die Stimmung der Saiten kontrolliert und dann ran an den Verstärker zum Soundcheck. Ich war schon gespannt, denn bislang hat ja nur meine Yamaha Pacifica einen Humbucker an der Bridge und nun eine Les Paul mit der standardmäßigen Bestückung mit zwei Humbuckern

Die Gitarre ist relativ leicht. Die Yamaha und auch die Squier wiegen definitiv mehr. Der Hals der Les Paul ist auch sehr schlank, er kommt mir noch dünner vor als bei der Yamaha. Die Mensur (der Abstand zwischen Brücke und Sattel) ist mit 628 mm um 2 cm kürzer als bei meinen Strat-Modellen von Yamaha bzw. Squier. Man sollte meinen, das verteilt sich über die 22 Bünde, aber tatsächlich fühlt es sich „enger“ an. Die Brücke ist eine „Tune-o-Matic“ mit Stopbar, das ist von der Mechanik ganz anders als die Temolo-Systeme an meinen anderen beiden Gitarren. Es ist anders, aber nicht unbedingt schlechter, denn hier kann man den Handballen relativ präzise auf den Punkt auflegen an dem die Saiten „gelagert“ sind. Bei den Tremolo-Bridges ist das nicht ganz so trivial, vor allem stören hier machmal die herausstehenden Inbusschrauben zur Einstellung der Saitenhöhe. 

Die Les Paul klingt defintiv anders als meine beiden Strat-Style-Gitarren. Die Humbucker klingen wie Humbucker eben klingen, mit relativ wenig Höhen. Es klingt anders als sonst, aber nicht unbedingt schlecht. Gerade rockige Sachen mit Powerchords hören sich über die Humbucker recht gut an. Natürlich werde ich beim nächsten Saitenwechsel dann auch mal einen 9er-Saitensatz auspobieren, das könnte auch einen Unterschied machen. Alles in allem bin ich erst mal zufrieden. Die Lücke in meinem Gitarrenständer ist nun geschlossen. Und ich habe jetzt auch eine Les Paul, ok, es ist ein preiswertes Anfänger-Instrument und sicher nicht mit einer echten Gibson Les Paul im vierstelligen Preis-Segment vergleichbar. Aber für mein Ziel, auf unterschiedlichen Gitarren-Modellen zu üben und ein Gefühl für die Unterschiede zu bekommen tut es das Ding schon. Also wieder ein Schnäppchen gemacht. 

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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