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Das mediale Massaker des Julian Reichelt

Eigentlich wollte ich mich in der Fastenzeit ja gar nicht aufregen. Heute jedoch ist mein Blutdruck auf 180 und die Schuld daran gebe ich jetzt mal ganz salopp dem Chefredakteur der Bildzeitung, Herrn Julian Reichelt. Der hat heute nämlich einen Kommentar verfasst in dem er die Sensationsgeilheit seines schmierigen Drecksblattes zu verteidigen versucht. Denn Bild zeigt die Bilder vom Massaker in Christchurch bei dem es 49 Tote gab. Und das obwohl die Polizei darum gebent hat, diese Bilder und Videosequenzen nicht zu zeigen die der Täter angefertigt hat. Bild jedoch ist das absolut egal. Ich werde mir also jetzt eine Kotztüte umbinden und den Kommentar des Herrn Reichelt Stück für Stück zerpflücken.

Immer wieder hat BILD drastische Fotos und Videos vom Leid gezeigt, das islamistische Terroristen angerichtet haben:“ (Fettdruck ist so im Orginal vorhanden)

Moment mal Herr Reichelt, was sie hier betreiben ist pures Framing. Wir wissen noch nicht viel über die Hintergründe des Massakers, aber eines scheint jetzt schon gewiss, der Täter bezeichnit sich selbst als Faschist. Es ist bezeichnend, dass sie ihren Kommentar sofort mit einem Framing auf islamistischen Terror einleiten.

„Der Ermordeten auf der Tanzfläche des Pariser Clubs ‚Bataclan‘. Die eiskalte Hinrichtung eines Polizisten vor der REdation des französischen Satiremagazins ‚Charlie Hebdo‘. Die Gräueltaten in ISIS-Videos die als Propaganda um die Welt geschickt wurden.“

Ja, die Bild-Berichterstattung zum „Bataclan“ hat dann ja auch zu 60 Beschwerden gegen die Bild geführt.

Nun zeigen wir auch Bilder und Sequenzen aus dem Video, das der rechtsextreme Terrorist von Christchurch während seiner abstoßenden Tat anfertigte.“

Sorry Leute, angesichts der aktuellen Diskussion um die Urheberrechtsreform in der EU kann ich mir jetzt nicht verkneifen anzufragen, ob der Urheber diese Verwertung seines „Werkes“ denn ordentlich an die Bild lizensiert hat. Da der aber in Polizeigewahrsam sitzt gehe ich davon aus, dass nicht. Bild verdient hier also Geld mit fremden Werken!

„Wir zeigen diese Bilder ganz bewusst. Wir glauben dass wir diese Bilder zeigen müssen. WARUM?“

Ok, damit hat Her Reichelt eingeräumt, dass er seine Schweinerei bei vollem Bewusstsein begeht.

Die Opfer sind Muslime die im Haus ihres Gottes niedergemetzelt wurden.

NEIN Herr Reichelt! Die Opfer sind Menschen. Kinder, Frauen und Männer. Ich kann mir nicht helfen, aber wenn Reichelt hier die Eigenschaft „Muslim“ besonders betont, dann hat das für mich den faden Beigeschmack als wollte er der rechtsextremistischen Leserschaft seines Hetzblattes eine unterschwellige Nachricht übermitteln.

„Ihnen und Ihren Angehörigen gelten unsere Gedanken und unser Mitgefühl – genauso wie allen anderen Opfern von Terrorismus.“

Der zweite Halbsatz knüpft wieder thematisch an das Framing in der Eröffnung an.

Aber Trauer allein reicht im Journalismus nicht. Trauer ist keine journalistische Disziplin. Journalismus muss zeigen, was geschehen ist. Journalismus ist dazu da, Bilder der Propaganda und Selbstdarstellung zu entreißen und sie einzordnen.“

Stellen sie sich vor Herr Reichelt, mir hat schon der kurze Teaser in meinem RSS-Feedreader gereicht um mir die Nachricht zu vermitteln, dass ein Rassist in Neuseeland 49 Menschen ermordet hat. Diese Nachricht bedarf keiner weiteren Bilder, das Hinzufügen von Bildern dient einzig der Sensationsgier für die gerade ihre Schmierenzeitung ja seit Jahrzehnten bekannt ist. Journalismus wurde in meiner Jugend übrigens noch als 4. Gewalt im Staat bezeichnet, denn Journalisten sollten recherechieren und mit ihren Recherchen auch die Schweinereien von Politikern aufdecken. Watergate lässt grüßen.

Erst die Bilder verdeutlichen die erschütternde menschliche Dimension dieser Schreckenstat.“

Nein. Zu wissen, dass 49 Menschen ermordet wurden ist wie oben erwähnt schon schrecklich genug. Mir ist klar, dass eine Zeitung mit diesem Namen auch eine Zielgruppe hat die sich beim Lesen schwer tun, aber das rechtfertigt nicht die Bilder der Tat oder gar den „Livestream“ (was für ein krankes Wort, hier wäre Deathstream wohl angebrachter“ auch nur ansatzweise zu zeigen.

Das Video des Massakers ist online überall genauso verfügbar, wie der Täter es wollte.

Tatsächlich. Soweit ich weiß ist man gerade sehr bemüht, diese Bilder wieder aus dem Netz zu bekommen, was natürlich wie wir alle wissen ein Ding der Unmöglichkeit ist, denn das Netz vergisst nichts. Und es macht aber einen kleinen Unterschied, ob jemand der diese Bilder unbedingt sehen will sie finden muss (was womöglich von den Suchmaschienn schon verhindert werden soll) oder ob man diese Bilder in der Online-Präsenz einer sogenannten Tageszeitung serviert bekommt!

„Journalismus darf solche Bilder aber nicht Social Media überlassen.“

Ja, wäre ja noch schöner wenn jeder diese Bilder sehen könnte ohne dass Bild dafür Werbeeinnahmen auf seiner Seite generiert, oder was?

„Durch Journalismus wird aus dem Ego-Shooter-Video ein Dokument, dass Hass demaskiert und aufzeigt, was der Terrorist von Christchurch ist: kein Kämpfer, kein Soldat.“

Herr Reichelt, setzen sie die Drogen ab die sie da eingeworfen haben. Was Bild macht ist Bedienen der Sensationsgier eines Publikums das jedes Maß an Ethik verloren hat. Es ist auch vollkommen irrelevant ob der Täter ein „Kämpfer“ oder „Soldat“ wäre, wer wehrlose Menschen und darunter auch Kinder erschießt ist wie sie ja im nächsten Absatz selbst feststellen:

Sondern bloß ein niederträchtiger, feiger Mörder, der unschuldige Menschen massakriert hat. So und nicht anders, nicht in der Version seines Videos, sollen wir an ihn denken.
Wir trauern um seine Opfer.

Nein Herr Reichelt, ich will nicht an den Täter denken. In keiner Version seines Videos. Ich will an die Opfer denken, deren Tod sie als Clickbait missbrauchen und die ihnen aber ansonsten wohl eher egal sind.

Ich denke aber auch daran, dass sie mit ihrem Decksblatt nun genau das tun,was der Täter wollte, sie geben seiner Tat eine öffentliche Bühne, dekorieren ihn offensichtlich mit der Auszeichnung „Abscheulichstes Massaker ever“ und dank der Videoaufnahmen kann Bild wieder behaupten „Bild war dabei“.

Als Breivik seine schreckliche Tat verübte gab es kaum Bilder vom Geschehen. Der Shooter von Las Vegas hingegen hatte schon eine gewisse Medienwirkung, sind doch in Las Vegas genügend Kameras installiert umd hier sozusagen eine Vor-Ort-Berichterstattung zu ermöglichen. Und jetzt haben wir die nächste Eskalationsstufe, der Täter selbst streamt seine Tat. Was glauben sie Herr Reichelt passiert als nächstes nachdem sie ja signalisiert haben, dass man solche Bilder und Videos zeigen muss. Ich hoffe ich irre mich, aber ich fürchte der nächste durchgeknallte Massenmörder wird genau diesen „Bedarf“ bedienen und ihnen den Schrecken frei Haus liefern. Behaupten sie dann nicht, dass sie ihre Hände in Unschuld waschen, denn an ihren Fingern klebt das Blut der Opfer.

 

1 Kommentar

  1. Sehr guter Kommentar, wieder mal. Ich hoffe das Verfassen hat den Blutdruck wenigstens mittelfristig gesenkt.