Artikelformat

Klang-Werkstatt

Seit einiger Zeit habe ich für meine E-Gitarren einen Spider V Verstärker von Line 6. Der ist an und für sich ein sehr umfangreicher Modeling-Verstärker, d.h. man hat nicht nur den Verstärker sondern eine ganze Latte an integrierten Effekten. Trotzdem war ich bislang nicht wirklich ganz zufrieden damit.

Denn obwohl der Verstärker sehr viele Möglichkeiten hat finde ich in den 128 Werks-Sounds eher nur sporadisch Einstellungen die mir halbwegs gefallen. Also wollte ich das ändern. Mal sehen, ob es Tutorials gibt.

Bei YouTube habe ich dann dieses Video von Horst Keller gefunden, der sich auch beschwert, dass die Werks-Sounds von Line 6 eher mies sind. Na also, wenn ein erfahrener Gitarrist so was sagt, dann bin ich Anfänger wenigstens nicht mit meiner Meinung alleine.

Spider V 30
Spider V 30

Hier seht ihr den Vestärker wie er in meinem Aktenschrank von Ikea steht. Da passt er gerade so rein. Wermutstropfen: Der Einschaltknopf ist an der Rückseite des Gerätes, d.h. ich muss im Blindflug da hinten reinlangen um das Ding einzuschalten. Und das USB-Kabel mit der Verbindung zum Tablet ist auch hinten am Verstärker angeschlossen.

Nach dem Video von Horst Keller war ich dann auch motiviert, ein wenig mit den Einstellungen des Verstärkers zu spielen. Für Android gibt es ja die Spider-Remote-App im PlayStore. Die läuft zwar auch auf dem Smartphone, doch dort ist die Arbeit damit sehr mühsehlig, da der Smartphone Bildschirm zu klein ist um alles gut darstellen zu können. Auf einem Tablet sieht die Sache hingegen doch etwas übersichtlicher aus.

Screenshot Android App am Tablet

Rechts sieht man die Sounds, entweder die eigenen, die aus der Line 6 Cloud (wo jeder seine Sounds ablegen kann) oder die vom Vestärker (der ist gerade nicht angeschlossen, der Screenshot entstand ohne Verbindung zum Verstärker.

Die App ist leider noch stark verbesserungswürdig. Intuitiv erschließt sich einem da kaum was, erst nach einigem Rumprobieren bin ich darauf gekommen, dass man Sounds unter „My Tunes“ in der Cloud oder im Verstärker speichern kann, aber dazu muss man in der linken Hälfte oben den Tab „Details“ wählen, dann erscheint ein „Speichern-Icon“ wo man auswählen kann wo der Sound den hin soll. Zudem stürzt die App leider auch öfters mal einfach ab und das Anschließen des Vestärkers wird auch nicht immer sauber erkannt. Hier hilft es, erst mal den Amp einzuschalten und wenn der läuft, dann das Kabel ans Tablet. Am Ende dann erst den Amp ausschalten und danach das Kabel abziehen. Im anderen Fall muss man nämlich das Tablet neu starten damit ein weiterer Verbindungsversuch erkannt wird.

Nun denn, trotz aller Widrigkeiten ist es mir dann doch gelungen, mal einen eigenen Sound einzustellen. Hier habe ich mich an dem Grundsatz „weniger ist mehr“ orientiert und nur sehr dezent einen Reverb-Effekt eingesetzt. Und was soll ich sagen: Der Sound ist eine Offenbarung im Vergleich zu den Werks-Sounds. Kein schwammiger Brei aus übesteuerten Tönen, sondern ein schöner clean Sound, so wie ich mir ihn immer gewünscht habe.

Nun wäre es natürlich toll, wenn man noch ein wenig mehr Durchblick hätte, also wissen würde, was der Amp tatsächlich alles zu bieten hat. Das Benutzerhandbuch von Line 6 ist leider sehr rudimentär und verrät kaum etwas. Aber auch hier bin ich fündig geworden. Auf den Support-Seiten von Line 6 gibt es eine mehrsprachige Beschreibung aller Verstärkermodelle und Effekte. Den Abschnitt mit der deutschen Übersetzung habe ich mal rauskopiert und mit LaTeX neu gesetzt, d.h. ich habe jetzt ein 18-seitiges „Handbuch“ in dem alle Möglichkeiten des Verstärkers schön übersichtlich dokumentiert sind.

Das ist ein ganz neuer Anfang für meine Gitarre-Übungen. Ich kann nun mal selbst mir die Wunsch-Sounds zusammenbasteln und muss nun nicht mehr im Blindflug durch die App klicken, sondern habe nützliche Infos zu den Einstellungen. Sprich, es kann nur noch besser werden.

Trotzdem wäre es wünschenswert, wenn Line 6 nicht nur so tolle Dinge bauen würde, sondern eben diese Sachen auch entsprechend gut dokumentieren würde. Denn auch hier gilt der Spruch „A foll with a tool is still a fool“. Zum Glück habe ich jetzt Wege gelernt um bessere Sounds zu erzeugen. Aber das Lernen war mangels passender Doku recht holprig.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

Kommentar verfassen