Bluetooth-Lautsprecher mit 88 Tasten

Meine musikalischen Wurzeln liegen ja bei den Tasteninstrumenten und so hatte ich einige Jahre ein Keyboard, welches ich aber vor einigen Jahren an einen begabten Schüler ohne Budget verschenkt habe. Ich wusste ja wenn mich die Lust wieder packt kann ich mir was neues holen. Das war dann Anfang 2019 so weit und es gab ein Stagepiano. Natürlich auch eines mit Rhythmusbegleitung und vielen Sounds. In den über zweieinhalb Jahren in denen ich das jetzt genutzt habe stellte ich fest, dass die Einsätze der Begleitautomatik eher spärlich waren und ich mich mehr in Richtung Piano bewegte, also mit beiden Händen „richtig“ zu spielen. Und da kam jetzt der Gedanke, doch mal ein wenig mehr zu investieren, also habe das diese Woche gemacht.

Entscheidungsfindung

Der ganze Prozess vom „ein besseres Piano wäre toll“ bis hin zur Auswahl des Wunschgerätes hat doch einige Wochen gedauert. Es gab diverse Kandidaten, die in die engere Wahl kamen.

  • Yamaha DGX 670
  • Yamaha P515
  • Roland RD 88
  • Roland FP-90X
  • Kawai ES 920

Bei dieser Auswahl fällt die Wahl schwer. Für das DGX 670 spricht die sehr gute Begleitautomatik und dass es sehr viele Instrumente hat. Dagegen sprechen ein wenig die Abmessungen. Das Yamaha P515 ist das Flagschiff der portablen Stage-Pianos, kann aber nicht mit einer Begleitautomatik aufwarten. Außerdem habe ich in einigen der vielen YouTube-Besprechungen dann gehört, dass die Tastatur des P515 mehr Kraft braucht als alle anderen Kandidaten.

Das Roland RD 88 wird sehr viel in den Testberichten gelobt. Was mir hier fehlt ist allerdings der stationäre Pianoständer mit Pedaleinheit. Außerdem hat das Ding auch keinen Notenständer was es in meinem Zimmer dann schwer nutzbar macht. Das FP-90X schaut auch sehr gut aus, hat allerdings auch keine Begleitautomatik und ist auch das teuerste Modell des ganzen Feldes.

Apropos teuer, neulich musste ich lesen, dass es wohl verbotene Preisabsprachen mit einigen Händlern gab und da waren auch Yamaha und Roland involviert.

Also bleibt nur noch das Kawai ES 920 übrig und für genau das habe ich mich dann auch entschieden. Immerhin hat das Ding neben den Klavierfunktionen tatsächlich eine Rhytmusbegleitung.

Bestellung

Anders als beim letzen Mal habe ich dann keinen Ausflug zum Händler gemacht, sondern das Ding online bestellt. Erspart mir viel Fahrerei und ich hatte es auch nicht unbedingt eilig.

Eigentlich hätte ich nur das Piano und den Unterbau benötigt, aber diese 3 Teile zusammen sind teurer als ein Komplettset bei dem dann auch ein Klavierhocker, ein Kopfhörer und Heft mit einer Klavierschule dabei sind. Also habe ich das Komplettset bestellt und werde den überzähligen Hocker, Kopfhörer und das Heft mit meinem alten Piano verkaufen. Am Montag bestellt und Donnerstag vormittag hat mir dann der Paketbote die Haustür mit 4 Paketen zugestellt. Das Versprechen von 2-4 Tagen Lieferzeit wurde also eingehalten.

Aufbau

Der Aufbau beginnt mit dem Holzgestell auf welches das Piano später mit 4 „Rändelschrauben“ montiert wird. Der Aufbau des eigentlichen Piano-Ständers ist problemlos, es wird mir 4 Schrauben zusammen gehalten. Die Pedaleinheit ist hingegen etwas komplizierter zu montieren, hier muss man die Schraubenlöcher quasi „ertasten“ da man sie nicht sehen kann. Anzumerken ist noch, dass der Ständer am Querbrett einen Metallbügel hat der die Kabel von der Pedaleinheit und das Stromkabel vom Netzteil schön zusammenhalten soll. Dieser Bügel war aber auf der falschen Seite montiert, kein Beinbruch, einfach rechts abschrauben und links montieren.

Der zusammenmontierte Piano-Ständer

Ausgepackt und erster Eindruck

Als nächstes habe ich dann das Piano ausgepackt. Es ist sehr gut verpackt und man packt erst mal den Notenständer aus, das Mehrbereichs-Netzteil das alles zwischen 110 und 240 Volt verträgt und die Anleitung. Die Bedienungsanleitung ist ein dickes Handbuch mit über 140 Seiten, und zu allem Überfluss hat Kawai 5 dieser Handbücher eingepackt, ich habe nun also die Anleitung in Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch. Hier blutet mein umweltbewusstes Herz und ich frage mich, ob man das nicht von der Logistik her besser machen könnte. Notenständer und das Display sind mit Schutzfolien versehen die man noch abziehen muss. Verkabelung ist trivial, der Stecker der Pedaleinheit passt nur in eine Buchse, das Netzteil in eine weitere.

Das Kawai ES 920 auf dem Ständer montiert

Angespielt

Also mal eingeschaltet und ausprobiert. Das Tastaturgefühl ist sehr gut, obwohl es sich nur um „Plastiktasten“ handelt. Aber im direkten Vergleich mit meinem alten Piano (was allerdings auch nur ein Drittel des Preises gekostet hat) merkt man beim alten Piano das Plastik, hier fühlt es sich irgendwie „schwerer“ an, so als hätten die Tasten einen Holzkern.

Die Tastaturmechanik, die sogenannte „Responsive Hammer II action“ fühlt sich sehr hochwertig an. Da hier drei Sensoren pro Taste verbaut sind kann man auch sehr schnelle Triller spielen ohne dass man Probleme bekommt. Das Spielgefühl ist tatsächlich um einige Klassen besser als bei meinem alten Piano.

Was den Sound angeht, so wartet das ES 920 mit „nur“ 38 Sounds auf. Man muss alerdings anmerken, dass die Klavierstimmen sehr fein eingestellt werden können. Kawai hat hier den „Virtual Technican“ implementiert bei dem man so ziemlich alle Parameter einstellen kann. Also beispielsweise beim Grand Piano den Deckel des Flügels stufenweise schließen, was zu völlig unterschiedlichen Klängen führt.

Schön ist auch, dass die Samples sehr lange sind, wenn man eine Taste bei gedrücktem Haltepedal anspielt, dann hört man beim Ausklingen des Tones, dass hier nur ein Sample ausklingt und nicht das gleiche Sample als „Loop“ läuft um es länger klingen zu lassen.

Auch die ganze Saitenresonanzeffekte eines akustischen Klaviers sind sehr gut nachgebildet, man hat vom Klang her tatsächlich den Eindruck, an einem akustischen Klavier zu sitzen. An der Stelle kann mein altes Piano keinesfalls mithalten, es hat zwar viele Klavierstimmen, aber die sind fest vorgegeben und können nicht verändert werden.

Remote Control

Kawai bietet auch eine App an um das Piano über Bluetooth-Midi zu steuern. Damit man diese App nutzen kann muss man allerdings erst mal ein Firmware-Update machen, denn die Firmware im Auslieferzustand hat noch einige Probleme mit der App. Das Firmware-Update geht über einen USB-Stick und ist sehr einfach zu tun.

Screenshot Kawai Remote App

Da ist sozusagen die Startseite der App nachdem man sich mit dem Piano verbunden hat. Man kann hier die verschiedenen Sounds auswählen und bei den Klavieren zeigt die App ein Bild des gesampelten Instruments an, hier also der SK-EK Concert Grand Flügel von Kawai. Wenn man unten auf das Dachsymbol tippt öffnet sich ein Einstellungs-Bildshirm in dem man ein paar grundlegende Dinge ändern kann, z.B. die Reverb-Settings. Man kann aber auch den „Virtual Technican“ aufrufen und das sieht dann so aus:

Screenshot Virtual Technican

Hier kann man also die diversen Parameter beeinflussen, ganz oben ist z.B. das Voicing mit dem man die „Härte“ des Hammerkopfes einstellen kann. Neben der „Normal“ Einstellung gibt es noch „Mellow 1“, „Mellow 2“, „Dynamic“, „Bright 1“ und „Bright 2“. Mir persönlich gefallen die Mellow-Settings ehr gut, denn damit bekommt das Piano einen „warmen und weichen“ Klang.

Als besonderes Gimmick hat die Piano Remote App noch jede Menge Demo-Stücke aus den gängigen Klavierschulen hinterlegt die dann über MIDI abgespielt werden können. Dann kann man als Anfänger schon mal hören wie sich ein Übungsstück anhören sollte.

Weitere Gimmicks

Bei den 5 Handbüchern war auch ein Gutschein für 3 Monate Gratisnutzung von „Skoove„, einer Online-Klavierschule. Der Händler hat mir auch eine Mail geschickt, dass ich auch einen kostenlosen Einführungskurs nach der Zapiano-Methode machen kann. Ich muss mir das mal genauer anschauen, bislang habe ich nur mal am alten Piano die App Flowkey ausprobiert, aber die hat mich nicht wirklich überzeugt, was vor allem daran liegt, dass es keine Noten zum Ausdrucken gab, bzw. dass sie Noten nochmal extra Geld gekostet hätten.

Fazit

Nach den ersten Tagen bin ich noch am „warmlaufen“ mit dem neuen Piano. Die Tastatur spielt sich wie gesagt viel besser und ich muss jetzt mal die Sound-Settings vom alten Piano (was hauptsächlich „Grand Piano“ mit „60’s Strings“ gemischt) war aufs neue Piano einstellen, damit sich die Übungslieder aus meiner „Alfreds Klavierschule“ gut anhören.

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