Ausflug ins Fediverse

Ich bin ja jetzt seit ziemlich genau 12 Jahren bei Twitter. In der letzten Zeit gab es einiges an Diskussionen über die Zukunft von Twitter, vor allem unter dem Gesichtspunkt, dass Elon Musk Twitter kaufen kann und das im schlimmsten Fall dazu führen könnte, dass Leute wie Donald Trump wieder auf Twitter auftauchen. Nach der Ankündigung sind viele Leute mal nach Mastodon abgewandert, das soziale Netz im Fediverse. Ich habe mir jetzt auch mal einen Account auf unserem Augsburger Mastodon-Server geklickt.

Fediverse – Was ist da anders als bei Twitter

Twitter ist zentral organisiert. D.h. alle User haben einen Account auf Twitter und die Twitter-Admins können z.b. jemand wegen Postings sperren die gegen die Nutzungsregeln verstoßen.

Das Fediverse ist dezentral. Das heißt, ein Benutzer nutzt den Server seiner lokalen Instanz, in meinem Fall also augsburg.social und dort sind bislang 74 Profile auf dem Server. Die diversen Instanzen sprechen miteinander, d.h. ich kann auch Nutzern folgen, die ihr Profil auf einem anderen Server haben. Vorausgesetzt, dass dieser Server nicht in der Blockliste meiner Instanz steht. Denn natürlich gibt es wohl auch Instanzen, die unschöne Dinge posten und jeder Instanz-Admin kann wohl für sich entscheiden, ob er das auf seinem Server haben will oder nicht.

Bei Mastodon „zwitschert“ man nicht sondern „toot“-et. Jeder „Toot“ kann bis zu 500 Zeichen lang sein. Umfragen funktionieren auch, sogar mit mehr als nur 4 Antwort-Optionen. Und was angenehm gegenüber Twitter auffällt: Wenn man bei einer Umfrage mitgemacht hat, dann wird einem nach Abschluss der Umfrage auch das Ergebnis mitgeteilt.

Anders als bei Twitter hat man auch unterschiedliche Timelines:

  • Home – Das sind die Nachrichten der Leute denen man folgt.
  • Local – Das sind die Nachrichten aller Nutzer der eigenen Instanz. Ich kann hier also recht einfach sehen, was die anderen Nutzer von augsburg.social schreiben, ohne denen allen folgen zu müssen.
  • Federated oder Public – Das sind die lokalen Nachrichten von allen Instanzen denen Leute Deiner eigenen Instanz folgen.

Apps

Mastodon kann man natürlich im Webbrowser nutzen, anders als bei Twitter ist die API beim Fediverse OpenSource, d.h. jeder der meint kann auch eine App für das Ding bauen. Auf Android habe ich nun Tusy am Laufen und hier auf meinem Linux-Desktop habe ich App-Images von Whalebird und Sengi.

Whalebird

Whalebird ist ein einfacher Client, der ähnlich wie die Twitter-App aufgebaut ist.

Screenshot Whalebird

Ganz links wählt man sein Profil aus, in der Navigationsleiste dann welche Timelin man sehen will und rechts sieht man den Inhalt der ausgewählten Timeline. Straightforward, ohne Probleme.

Sengi

Sengi erinnert vom Layout eher an Tweetdeck, d.h. man kann sich für jede Timeline eine eigene Spalte einrichten.

Screenshot Sengi

Früher habe ich gerne mal Tweetdeck genutzt, „um alles im Blick zu haben“. Tatsächlich musste ich aber feststellen, dass man da zu viele Dinge parallel sieht, was der Single-Core-CPU im Kopf (aka Gehirn) eher nicht gefällt. Seit einiger Zeit bevorzuge ich daher eher die Apps, die meinen Fokus auf nur eine Nachrichtenliste setzen und mich nicht mit zu viel gleichzeitigen Infos überfluten.

Quo Vadis?

Nun, ich habe (noch) nicht vor, Twitter zu verlassen, finde aber das was mir Mastodon hier bietet durchaus ganz interessant. Klar, es fehlen wieder einige Features die bei Twitter besser gelöst sind, z.B. die Threads, dafür hat das Fediverse eben andere Vorteile. Und momentan sind die Timelines dort noch recht überschaubar.

Wer mir da folgen will: @kinghaunst@augsburg.social

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.