Das Dilemma der Online-Zeitungen

Wir schreiben das Jahr 2022 und Menschen in meiner Familie informieren sich im Internet zu den täglichen Themen. Längst vorbei ist die Zeit des Abos der Papierzeitung, und gerade jetzt mit der akutellen Energie- und Rohstoffkrise sollten wir uns überlegen, ob wir nicht auf Totholzmedien verzichten wollen. Heute ist meine Frau auf einen Artikel zur politischen Situation in ihrer italienischen Heimat hingewewiesen worden, den sei bei der SZ-Online gerne gelesen hätte. Aber so einfach ist das nicht.

Denn natürlich steht der Artikel im Plus-Bereich der SZ, d.h. wenn man den lesen will, dann soll man ein SZ-Plus Abo abschließen. Ja, ich weiß das Journalisten auch bezahlt werden möchten und nein, das wäre auch gar nicht das Problem. Das Problem ist, dass ich wohl zwei Optionen habe bei der SZ:

  • Schließe ein Jahresabo für 99 Euro ab (nur im ersten Jahr, danach 14,99 Euro pro Monat), dann kannst Du den Artikel lesen
  • Mache einen kostenlosen Probemonat und dann entscheide dich.

Die erste Option ist, wie wenn ich ein Glas Milch trinken will und dafür gleich mal die ganze Kuh kaufen soll. Die zweite Option wäre natürlich günstig, aber daran verdient dann der Journalist auch nix und es erscheint mir unfair. Zumal ja die Frage wäre, wenn ich jetzt den Artikel auf diese Weise lese, ist dann meine Mail-Adresse „verbraucht“, d.h. wenn ich nächsten Monat wieder einen Artikel lesen möchte gibt es für mich keine Option mehr auf ein Probeabo?

Erschwerend kommt hinzu, dass ich meine Nachrichten aus „diversifizierten“ Medien beziehe, ich habe die RSS-Feeds von diversen Zeitungen abonniert und sehe dann auch, dass viele Dinge wohl Agenturmeldungen der dpa sind die mal vor und mal hinter der Paywall stehen. Als Augsburger wäre für mich so gesehen die Lokalzeitung interessanter, aber auch hier gibt es ein Plus+ (sozusagen Doppelplus) Angebot, der Probemonat kostet 99 Cent und das Abo danach 9,99 Euro.

Zehn Euro hier, fünfzehn Euro da und 22 Euro dort. Das läppert sich und nein, ich bin nicht bereit jede Online-Zeitung zu abonnieren nur weil da mal ein Artikel steht den ich lesen möchte. Denn auch hier explodieren die Kosten für Lebensmittel und Energie und da will man keine langfristigen Abo-Verträge haben.

Was fehlt ist ein Bezahlsystem für einen einzelnen Artikel. Wir hätten kein Problem, für den Artikel über die italienische Politik auch mal ein oder zwei Euro zu bezahlen, aber eben ohne dieses „Du musst mich abonnieren, sonst gibt es nix“ im Hintergrund. Oder macht mir ein Angebot alle Artikel eines bestimmten Tages für eine Festpreis lesen zu können, also quasi die digitale Zeitungsausgabe dieses Tages. Dann können wir Freunde werden.

Ja, ich weiß, Abo heißt Kundenbindung aus Eurer Sicht. Aber aus meiner Sicht heißt es, Einschränkung des Nachrichtenangebotes auf ein Medium, statt auch mal über den Tellerrand zu gucken was die anderen zu einem Thema schreiben. Und das ist für mich ein sehr wichtiger Punkt beim täglichen Nachrichtenkonsum.

Ein Gedanke zu „Das Dilemma der Online-Zeitungen

  1. Ich finde die Idee zum Kauf einzelner Artikel anstatt eines Abos sehr gut, denn auch ich stehe vor dem Dilemma, immer wieder auf interessante Artikel hinter der Paywall zu stoßen, die ich gerne lesen würde, allerdings auch ohne ein langfristiges Abo abschliessen zu müssen. Ich habe bereits ein Papierabo einer überregionalen Zeitung, und das ist preislich schon tapfer genug.
    Wir finden das Problem auch im wissenschaftlichen Bereich, wo einzelne Artikel locker 30 (!) US$ kosten. Dies gleicht dem Kauf der Katze im Sack, weil nicht klar ist, was für ein Artikeltyp es ist und wie lang er ist. Dasselbe gilt auch für Zeitungsartikel. Von daher ist ein 1EUR durchaus oK.

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