Die schweigende Mehrheit geht auf die Straße

In den letzten Tagen hat sich etwas ereignet, was (zumindest für mich) Hoffnung macht. In Deutschland kam es an vielen Orten zu Demonstrationen gegen die AfD und Rechtsextremisten. Das ist ein klarer Bürgerauftrag an die Politik.

Meine Timeline auf Mastodon ist aktuell ein echter Quell der Freude. Gestern gingen in Hamburg 100.000 Menschen gegen die Faschisten auf die Straße, in Frankfurt waren es laut Tagesschau etwa 35.000 Menschen. Karlsruhe und Braunschweig hatten etwa 20.000 Teilnehmer zu verzeichnen.

Heute ging es dann weiter. Bremen mit 50.000 Teilnehmern, Köln meldete 70.000 Teilnehmer und in München war die Stadt mit bis zu 250.000 Teilnehmern dicht. Aber es sind nicht nur diese großen Menschenansammlungen die Mut machen, es sind auch die Meldungen, dass auch in Gegenden in Sachsen die wir als „Nazi-Hochburgen“ in irgendwelche dunklen Schubladen einsortiert haben unerschrockene Menschen gegen die Rechtsextremisten auf die Straße gehen. Halle, Dresden, Leipzig, Chemnitz aber auch solche kleinen Gemeinden wie Pirna stehen gemeinsam gegen den Faschismus.

Die Frage ist nun, was die Politik tun wird, ob sie den Schuss nun endlich gehört haben oder ob sie immer noch zaudern, wirkungsvolle Maßnahmen gegen die Faschisten in unseren Parlamenten zu ergreifen. Merz versuchte teilweise wieder die Demos für seine Propaganda gegen „jede Form des Extremismus“ zu veeinnahmen, scheiterte aber wohl klaglos. Von Hubert Aiwanger, der die demonstrierenden Menschen als „Linksextremisten“ bezeichnet hatte hört man heute seltsamerweise sehr wenig.

Allein die AfD tut das was sie besonders gut kann und schlüpft mal wieder in die Opferrrolle. Da wird dann behauptet, dass die Bilder der Demos nur „Fake“ seien und weitaus weniger Leute demonstrieren würden. Außerdem behauptet man, dass die Rechecherchen von Correctiv eine infame Kampagne seien, so infam, dass sogar der AfD-MdB Rene Springer sich nicht zurückhalten konnte und die Remigration nicht als Drohung sondern als „Versprechen“ bezeichnete.

Was jetzt noch fehlt ist mehr mediale Aufmerksamkeit. Als vor knapp 2 Wochen ein paar tausend Bauern für ihre eigenen Interessen die Bundeshauptstadt lahm legten gab es einen Brennpunkt dazu in der ARD. Jetzt wo wir an diesem Wochenende in Summe wohl weit mehr als eine halbe Millionen Menschen auf der Straße hatten um gegen den Rechtsextremismus zu demonstrieren hält sich die mediale Aufmerksamkeit noch etwas zurück. Liegt es daran, dass die Bauernproteste sehr martialisch waren mit ihren Galgen und den daran baumelnden Ampeln, sind die Demos gegen rechts da einfach zu friedlich? Ich hoffe doch, dass auch friedliche Demonstrationen in dieser Größenordung durchaus auch mal mit einer Sondersendung gewürdigt werden sollten, damit auch der Zuschauer, der sonst mit Scheuklappen durch die Gegend läuft mitbekommt was läuft.

Ich habe heute übrigens meinen Nachrichtenfeed angepasst. Bislang war mein Feedreader mit den Nachrichten-RSS-Feeds von einigen deutschen Tageszeitungen versorgt. Was jedoch fehlt war die ausländische Perspektive auf das was in Deutschland passiert, gemerkt habe ich das durch einen Tröt von Nadia Zaboura die gefragt hat, durch wessen Augen wir sehen. Und dann war da noch ein Kommentar aus Japan hier im Blog der eben auch zeigte, dass viele Themen oft nur lokal wahrgenommen werden. Also habe ich mir heute ein paar RSS-Feeds von englischsprachigen Nachrichtenmagazinen abonniert und siehe da, die Demonstrationen sind nun auch bei der New York Times und dem Guardian angkommen.

Mein Dank geht an alle die sich trotz der Kälte auf die Straße begeben haben um für die Demokratie und gegen den Faschismus zu demonstrieren. Nun heißt es das so lange zu wiederholen bis die Politik handelt und rechte Positionen gesellschaftlcih nicht mehr salonfähig sind sondern von allen geächtet werden. Die nächste große Demo hier in Augsburg findet übrigens am Samstag, 3. Februar um 14 Uhr auf dem Rathausplatz statt.

3 Gedanken zu „Die schweigende Mehrheit geht auf die Straße

  1. Es würde helfen, wenn die sogenannte schweigende Mehrheit auch ihren Hintern hochbekäme um zu wählen. Wahlbeteiligungen von rund 50-60% sind nicht gerade Ausdruck von besonderer demokraktischer Besinnlichkeit. Sicherlich, Wählen alleine hilft nicht viel, aber es würde die Gewählten besser und deutlicher legitimieren.

  2. Pingback: Medienkompetenzübung | König von Haunstetten

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