Kein weiteres Blutvergießen mehr

Sorry für die reißerische überschrift, es geht nicht um irgendwelche Kettensägenmassaker sondern um mein unlängst fertig gestelltes 3D-Druckprojekt. Der Hintergrund ist, dass meine bessere Hälfte vor einiger Zeit mal Passepartouts im 45°-Winkel schneiden wollte. Entsprechende Werkzeuge gibt es auf Amazon, aber hey, wozu hat man einen 3D-Drucker.

Schmerzhafte Erfahrungen

Ein scheinbar passendes Modell war schnell auf Thingiverse gefunden und ausgedruckt. Allerdings war die Konstruktion eher wackelig und das Schlimmste war, dass die sehr scharfe Klinge relativ ungeschützt ist und man beim Einsetzen der Klinge höllisch aufpassen muss. Aber selbst dann habe ich es immer wieder geschafft, dass ich mir mit dem Ding in die Finger schneide bis das Blut fließt. Also war klar, dass ich was besseres konstruieren muss.

Konstruktion in FreeCAD

Zum Konstruieren habe ich dann Free-CAD her genommen. Und als ich mit dem Konstruieren angefangen habe, da hatte ich noch keine genaue Vorstellung wo die Reise am Ende hingeht, für mich war ausreichend, dass ich immer das jeweils nächste Teil konstruiert habe. Ängefangen habe ich mit einem Klingenhalter, in den man die Klinge von oben ohne Kraftaufwand einlegt.

Das untergeil des Klingenhalters

Das Loch in der Mitte wird später eine M3-Schraube aufnehmen, mit der ich das Oberteil des Klingenhalters aufsetze.

Das Oberteil des Klingenhalters in Transparenter Darrstellung

Dann habe ich deise beiden Teile ausgedruckt und ausprobiert. Bei ersten Protoyp mit 20mm Breite für die Aussparung der Klinge war diese noch nicht kraftlos einlegbar, also hab eich die Breite im Unterteil auf 20,2 mm erweitert, dann geht das Einlegen der Klinge ohne Kraftaufwand und damt auch mit wenig Verletzungsrisiko.

Als nächstes dann zwei „Muttern“ konstruiert, beide mit Aussparungen für echte M3-Muttern. Oben auf den Klingenhalter kommt eine einfach Ränderlmutter, zum Bewegen des ganzen Halters brauche ich eine andere, görßere und flachere Rändelmutter.

Denn so langsam wird das Bild klar, wie es weiter gehen soll. Ich werde eine einfache Rampe drucken, in der sich der Klingenhalter bewegt. Und später eine Grundplatte auf die diese Rampe im 45°-Winkel angebracht wird.

Die Rampe für den Klingenhalter

Diese Rampe habe ich dann in PETG gedruckt. Für die „Schienen“ braucht es Support-Stützen im Modell und im ersten Anlauf hatte ich oben und untern 3 Layer, was dann dazu führte, das ich die Supports nicht mehr aus dem Modell entfernen konnte. Also nochmal durch den Slicer, diesemal ohne ober und untere Supportschichten und dann klappte es mit dem Entfernen der Stützen. Allerdings muss danach noch eingies gefeilt werden bis der Klingenhalter in der Rampe verschiebbar ist.

Nun kommte ich schon mal den Klingenhalter zusammenschrauben (noch ohne Klinge) und in die Rampe einsetzen, die Rändelmutter hinten auf die lange M3-Schraube zum Verschieben aufsetzen und das ganze „trocken“ ausprobieren. Funktioniert wie gewünscht.

Als nächstges habe ich dann eine Schutzkappe für die Klinge entworfen, die ich in flexiblem TPU gedruckt habe, somit kann die Klinge bei Nichtgebrauch des Werkzeugs abgedeckt werden und man kann nicht mehr versehentlich sich den Finger pieksen.

Nund ging es an die Grundplatte. Da war einiges an Denkarbeit nötig um zu ermitteln, wo ich später die schräge Ebene für die „Ausstanzung“ der Rampe positionieren muss. Da ich in FreeCAD alle Teile als „Parts“ und nicht nur als „Bodies“ konstruiert habe war es dann aber auch einfach möglich, sich den Part der Rampe mal testhalber in die Konstruktion der Grundplatte zu kopieren und auszuprobieren, ob die Teile so zusammenpassen wie ich mir das vorgestellt habe.

Grundplatte und Rampe in FreeCAD zusammengefügt.

Nachdem das Schneidegerät von Thingiverse nicht so toll zu „führen“ war hatte ich noch eine weitere Idee. Mein Schneidegerät sollte „Räder“ bekommen die eine geradelinige Bewegung entlang der Schnittlinie ermöglichen.

Und was nimmt man als Räder? Ganz klar Kugelllager vom Format 608ZZ, diese haben wine 8mm Achse und sind 22 mm im Außendruchmesser. Ich habe mir dann einfache „Reifen“ in TPU gedruckt, so dass ich im Fall von Problemen die Höhe meines Grundplattrenwagens in 0,5mm-Schritten (entsprerechend Reifendurchmesser) einstellen kann.

Der fertig ausgedruckte un dzusammengebaute Passepartout-Schneider

Das hat auch so funktioniert wie ich es mir vorgestellt habe. Man kann nun die Schnitttiefe mit der Rändelschraube oben an der Rampe sehr fein regulieren und dank der Räder bewegt sich das Ding auch geradelinig.

Was habe ich dabei gelernt

Für mich war das auch eine passende Gelegenheit, um FreeCAD besser zu verstehen. Ich habe jetzt den Unterschied zwischen „Part“ und „Körper“ begriffen und auch, wie man komplexeree Dinge konstruieren kann.

Was das Thema Konstruktion für 3D-Druck angeht, da hat dann die Lernkurve ergeben, dass man z.B. die Achsen für die 608ZZ-Kugellager nicht unbedingt auf 8mm drucken sollte sondern vielleicht eher auf 7.8mm und bei Teilen die man zusammensteckt auch gerne mal ein paar Zehntelmillimeter „Platz“ lässt, denn so genau ist mein alter 3D-Drucker nun nicht, und mit entsprechenden Toleranzen bieim Konstruieren muss man später weniger mit Feile und Schleifpapier arbeiten.

Das fertige Modell findet ihr natürlich auf Printables.

Ein Gedanke zu „Kein weiteres Blutvergießen mehr

  1. Wie ich auf Mastodon festgestellt habe hast Du einen 3D Drucker. Ich aber nicht. Nun würde ich 2 Bauteile benötigen die man evtl. aus dem 3D Drucker fertigen kann.
    1. Eine Abdeckung für eine Nudelmaschine
    2. Ein Halterung für einen Papierrollenhalter
    Könntest Du Dir vorstellen diese Bauteile für mich gegen Bezahlung zu fertigen?
    Ein Zeitdruck besteht nicht. Ich könnte Dir Fotos von den Teilen senden.
    Ich lade Dich und Deine Familie aber gerne ins Da Salvatore in Neusäß ein wo wir die Teile anschauen können und Du Maß nehmen kannst.
    Herzliche Grüße
    Dietrich

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