Digital Detox

Mittlerweile sind es 10 Wochen seit ich mich entschlossen habe, auf das YouTube-Doomscrolling zu verzichten. Und seit drei Wochen habe ich auch keine große Lust mehr auf das Business-Bullshit-Netzwerk LinkedIn, denn hier wurden unlängst die Regeln verändert und zwar zuungunsten von Trans-Menschen. Die Trump-Diktatur „wirkt“ also auch hier, was ja kein Wunder ist, denn LinkedIn ist ja von Microsoft aufgekauft worden. Ein idealer Zeitpunkt für ein kleines Resümee.

Lustigerweise bekomme ich immer wieder YouTube-Links zugeschickt mit dem Hinweis „das musst Du sehen“. Und ja, manchmal klicke ich da darauf, ärgere mich über die Werbung am Anfang die ich nicht überspringen kann und stelle dann fest, das man vieles was dort gesagt wird auch hätte schreiben können. Dann hätte ich die Information in weniger Zeit erfassen können, denn ich kann relativ schen lesen. Und manchmal sieht man dann auch in der Seitenleiste die neuen Videos der Kanäle die ich mir früher gerne angeschaut habe, doch heute habe ich genügend Abstand um zu realisieren, dass ich hier nix verpasse. Warum sollte ich ungefähr eine Stunde in der Woche mit dem Anschauen von Dashcam-Videos verbringen? Die Zeit kann ich doch sinnvoller nutzen.

Ich habe momentan wirklich das Gefühl, dass mir echt nichts fehlt wenn ich nicht jeden Tag irgendwas auf YouTube anschaue. Eher im Gegenteil, die Überflutung an Informations-Müll ist jetzt bei mir deutlich weniger und ich fühle mich besser. Die wichtigen Ereignisse in der Welt bekomme ich über andere Informationskanäle mit und mittlerweile habe ich sogar angefangen Newsletter per Mail zu abonnieren, die mich mit Nachrichten abseits der um Aufmerksamkeit buhlenden Eilmeldungen versorgen.

Das gleiche gilt für LinkedIn. Erst neulich habe ich im einzigen sozialen Netzwerk in dem ich noch aktiv bin (Mastodon) eine Einschätzung gelesen, dass die meisten der Beiträge dort wohl sowieso mit KI verfasst wurden, kein Wunder denn manches ist so ein Bullshit dass es mir als Mensch peinlich wäre dafür die Autorschaft zu haben. Über meinen Arbeitgeber hätte ich sogar Zugang zu LinkedIn-Learning, also die Kursplattform dort, aber was ich da bis jetzt ausprobiert habe hat mich auch nicht überzeugt.

Besonders peinlich finde ich ja die Mails die mir LinkedIn schickt, da steht dann „XYZ hat einen neuen Beitrag gepostet“. Wow.. Welch tolle Neuigkeit. Oder noch besser „Folgen sie Bill Gates.“ Ja, warum sollte ich das tun. Wobei, diese Folgeempfehlungen kommen über meinen unabsichtlich angelegten Zweitaccount, es begab sich nämlich mal, dass ich ausgeloggt war und nach dem Aufrufen der LinkedIn-Seite wohl zu langsam war auf Login zu klicken, also hat linkedIn sich entschlossen, mich via Google anzumelden und nun habe ich einen Account der meiner GMail-Adresse zugeordnet ist und auf dem ich absolut nix mache, außer diese bescheuerten Mails zu bekommen. Wenn ich mal viel Zeit habe werde ich versuchen diesen Account zu entfernen, bin mal gespannt, wie einfach oder schwierig das gehen wird.

Ansonsten ist die Welt ohne die ständige Überflutung durchaus angenehm. Ich habe theoretisch ausreichend viel Schlaf weil ich nicht mehr bis spät in die Nacht schauen muss wer ein neues Video veröffentlicht , praktisch wird dieser Schlaf aber oft durch unsere Hündin sabotiert. Ich lese wieder mehr Bücher, mein aktuelles Sachbuch ist „Kopf voll, Hirn leer“ und behandelt ebenfalls genau dieses Thema der ständigen Reizüberflutung.

Angesichts der positiven Ergebnisse werde ich auch weiterhin auf YouTube und LinkedIn verzichten soweit wie nur irgendwie möglich verzichten. Und die eingesparte Zeit konstruktiv nutzen statt nur irgendwelche „aufregenden“ Inhalte zu konsumieren.

4 Gedanken zu „Digital Detox

  1. Das ist jetzt das große Thema, habe ich den Eindruck. Die meisten empfinden das selber, und Blogs wie dieses hier (oder YouTube — Ironie an und aus) machen einem Mut. Ich kann noch nicht auf YouTube verzichten. Es ist mittlerweile wirklich schlimm, aber noch bin ich nicht soweit, dass ich die Videos im Browser ansehe, von denen ich lernen möchte.

    Deine Erfahrungen machen Mut, berichte doch weiter! Ich will es jedenfalls auch schrittweise versuchen.

    • Danke Maria,

      Das „Videos von denen ich lernen möchte“ ist vielleicht der Schlüsselbegriff. Denn die Frage die sich mir stellt ist, welche „Lerntyp“ ich bin? Ich habe das mal auf einem Vortrag in der Schule meiner Tochter gehört, es gibt unterschiedliche Lerntypen bei den Menschen. Die einen können lernen, indem sie Dir über die Schulter schauen wenn Du was machst (oder eben ein Video anschauen wo etwas vorgeführt wird). Andere lernen besser wenn der Stoff in einem Buch präsentiert wird. Da zähle ich mich sofort dazu, denn lesen kann ich sehr schnell und notfalls auch einen Absatz mehrmals wenn mir etwas unklar ist, bei einem Video ist das nicht so einfach. Natürlich könnte man das „hybrid“ gestalten, also das Video mit Textmaterial zum Download ergänzen so dass ich später im Buch die Erklärung lesen kann zu dem was da im Video gezeigt wurde. Macht aber leider fast keiner.

      Das was mich wirklich massiv an YouTube stört ist, dass man dem Algorithmus ausgeliefert ist. Wie schön wäre es, wenn ich einfach meine Channels in Kategorien sortieren könnte, dann hätte ich eine Kategorie „Klavier“, eine „Gitarre“ und eine „3D-Druck“ usw. und je nachdem wonach es mir gerade ist wähle ich die Kategorie und schau ob jemand was neues gepostet hat. Aber das widerspricht natürlich total den Profitinteressen von YouTube, also wird es so was nicht geben.

      • Ich bin der Video-Lerntyp. — Aber alles wie du sagst. Und jetzt kommt noch der ganze AI-Mist dazu. Also, nur noch über den Browser sehen, die App löschen, das ist vielleicht eine gute Idee!

        • Die App habe ich schon noch auf dem Smartphone, aber alle Benachrichtigungen von der App habe ich abgedreht. Somit ist Ruhe am Smartphone und ich werde nicht abgelenkt.

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