Bislang habe ich hier auf meiner Linux-Workstation zum Internet-Surfen den Google Chrome Browser genutzt, denn der hat einfach funktioniert. Doch diese Woche hat Google ein Update veröffentlicht, das man ohne Übertreibung als „suboptimal“ bezeichnen kann.
Das war am Mittwoch Morgen, als der Update das Vorhandensein von neuen Updates ankündigte und na ja, die installiert man dann eben. Die Ernüchterung war allerdings groß nach dem ich dann den Browser gestartet habe.

Google Kalender zeigte mir zwar noch die belegten Zeitblöcke an, aber irgendwie fehlte es am erklärenden Text.
Startet man Chrome vom Terminal aus, dann wird man nun mit einer Flut von solchen Fehlermeldungen belohnt:
ERROR:third_party/blink/renderer/core/css/remote_font_face_source.cc:357] NOTREACHED hit.
Alles sehr unschön. Ich habe dann mal meinen privaten Notebook hervorgekramt (den ich ja sehr selten nutze) und dort das Update auch installiert, hier gibt es allerdings keine Probleme. Könnte also eine Eigenheit meiner Workstation sein, die sich vom Notebook bei der Graphikkarte unterscheidet.
Egal, Fakt war, dass Chrome nicht mehr alle Seiten so anzeigte wie er soll. Also musste ein Fallback her. Auf Linux ist der erste Fallback dann der Chromium-Browser, quasi der kleine Bruder von Chrome. Der läuft auch und läuft sogar nachdem er heute auf die gleiche Version wie Chrome aktulaisiert wurde.
Außerdem habe ich Firefox mal wieder eine Chance gegeben. Der funktioniert auch, und natürlich kann man gegen jeden Browser genügend „politische“ Argumente in Stellung bringen.
Google scheint sich unter Trump von dem Vorsatz „don’t be evil“ zu verabschieden und sägt an diversen Dingen wie z.B. XSLT. Am Auffallendsten war neulich die Meldung, dass der Werbeblocker „uBlock Origin“ nun nicht mehr von Chrome unterstützt wird, dafür hat man jetzt „Adblock Plus“, der aber trotzdem bestimmte Werbung nicht ausfiltert und man bekommt dafür regelmaßig die Frage angezeigt, ob man nicht „upgraden“ will um die volle Kontrolle zu erhalten. Also bestes Geschäftsmodell, entweder man kassiert beim Werbetreibenden dafür dass seine Anzeige vom Adblocker nicht blockiert wird, oder beim Nutzer das Adblockers um diese Anzeigen dann doch zu blockieren. Win-Win-Situation, zumindest aus der Sichtweise des Adblocker-Erstellers.
Firefox macht leider auch gerade Negativ-Schlagzeilen, denn sie sind zwar nicht so „evil“ wie Google, aber dafür „stupid“ und wollen jetzt unbedingt auch „künstliche Intelligenz“ in Firefox integrieren. Ich brauche den Scheiß aber wirklich nicht, ich will einfach nur Webseiten anschauen und der KI-Mist kann mir gestohlen bleiben.
Nun denn, also mal umsatteln auf Firefox als das aktuell kleinere Übel und für die Videokonferenzen in der Arbeit dann Chromium.
An der Stelle merke ich dann, wie gut es ist, dass ich einen externen Passwort-Manager nutze und mich nicht nur auf die Passwort-Verwaltung im Browser verlassen habe. Denn auf die gespeicherten Passwörter aus Chrome hat niemand außer Chrome Zugriff, nicht mal Chromium kommt da hin. Aber dank externem Passwort-Backup ist das kein Problem, trotzdem der Tipp an alle da draußen, verlasst Euch nicht auf den Passwort-Manager im Browser, denn wenn der tot ist, dann kommt ihr womöglich nicht mehr an Eure Passwörter.
Nachdem ich das Problem auch in der Firma diskutiert habe lerne ich, dass es auch bei anderen Kollegen auftritt. Manche nicht betroffen, so wie eine Notebooks, die anderen hart betroffen. Ein Kollege hat dann heute herausgefunden, dass man durch die Installation des Paketes „fetchmsttfonts“ zumindest die Font-Probleme beheben kann.
Allerdings hat das vermurkste Chrome Update noch ein ganz anderes, weniger offensichtliches aber genauso schwerwiegendes Problem: Gehe ich in die Einstellungen und tippe im Suchfeld etwas ein, dann crasht Chrome ganz hart. Im Log sieht man dann so erbauliche Dinge wie:
[0905/102915.277935:WARNING:chrome/app/chrome_main_linux.cc:82] Read channel stable from /opt/google/chrome/CHROME_VERSION_EXTRA
[1035:1055:0905/102916.263978:ERROR:crypto/nss_util.cc:341] After loading Root Certs, loaded==false: NSS error code: -8018
Created TensorFlow Lite XNNPACK delegate for CPU.
[1035:1056:0905/102919.993940:ERROR:google_apis/gcm/engine/registration_request.cc:291] Registration response error message: DEPRECATED_ENDPOINT
[0905/102925.038700:ERROR:third_party/crashpad/crashpad/snapshot/elf/elf_dynamic_array_reader.h:64] tag not found
[0905/102925.039064:ERROR:third_party/crashpad/crashpad/snapshot/elf/elf_dynamic_array_reader.h:64] tag not found
Speicherzugriffsfehler (Speicherabzug geschrieben)
Ja, da kommt echte Freude auf, vor allem weil es keine Downgrade-Möglichkeit gibt. Wenn sich google-chrome-stable als fehlerhaft herausstellt, dann kann ich nicht einfach auf eine frühere Version zurück. Bei Chromium hätte ich immerhin die Möglichkeit zu einer der drei Vorgängerversionen zurück zu gehen, bei Chrome heißt es „friss oder stirb“. Es gibt zwar noch die Möglichkeit, „beta“, „dev“ oder „canary“ zu installieren um eine Art Vorschau auf die nächsten Versionen zu erhalten, aber ein Versuch mit „canary“ hat gezeigt, dass auch hier der Crash passiert.
Fehlerreport auch wieder nur über ein Formular in Chrome ohne Rückmeldung oder Bugtracker. Mal sehen was daraus wird.
Ich bin jedenfalls jetzt erst mal mit Firefox unterwegs wenn es ums private Surfen geht und ja, das tut auch. Andere Browser könnte ich natürlich auch probieren, aber viele der aktuellen Alternative basieren wiederum auf Chromium oder Chrome als Fundament und da könnte mich das Problem dann auch wieder treffen.
Men „Takeaway“ von dieser Woche ist jedenfalls, dass es nicht verkehrt ist, sich vom Webbrowser nach Möglichkeit unabhängig zu machen. So habe ich um Glück für meine „Bookmarks“ die Erweiterung „raindrop.io“ und die funktioniert auch in Firefox, also kann ich problemlos auch in Firefox auf alle meine Bookmarks in raindrop.io zugreifen. Und bei den Passwörtern kann ich nur externe Passwortmanager empfehlen, hier läuft KeepassXC als Passwort-Safe.
Ich benutze auch mehrheitlich firefox.
Aber eine sichere Alternative ist Brave.
Für Vidokonferenzen schau Dir mal senfcall an.
Gruß Dietrich
Schon daran gedacht das es an einigen Erweiterungen liegen kann, das Chrome sich so verhält? ggf. Bookmarks/Tabs sichern und einmal ein neues Profil im Browser anlegen. Ich nutze seit geraumer Zeit im Duet übrigens Vivaldi (Chrome) oder den Zen-Browser (Firefox) hat man sich dort jeweils an den Workflow gewohnt, will man nicht mehr zurück zu Chrome oder Firefox 😀
Extensions kann ich ausschließen. Die gleichen Probleme treten auch unter einem Test-Useraccount auf mit komplett leerem Profil.