Seit geraumer Zeit gibt es openSUSE Leap 16.0 und meine Notebooks habe ich schon damit aktualisiert. Letzte Woche war dann auch meine Workstation dran, also der dickste Brummer mit ein paar Besonderheiten wie NVidia-Graphikkarte. Und es war sehr holprig.
Das opensuse-migration-tool wollte nämlich auf meiner Workstation nicht so recht arbeiten. Dafür hatte ich nach dem Fehlschuss dann Repository-Definitionen die in der „repourl“ auch die Archtiektur drin haben, was das Software-Management deutlich schneller macht weil man eben nur noch die Paketlisten der zu seinem System passenden Architektur lesen muss und nicht alle Archtiekturen. Aber das geht eben erst ab der neuen Version, Leap 15.6 Repositories sind noch im alten Format und mit den neuen Definitionen ist dann kein Update möglich.
Egal, machen wir halt die konventionelle Methode mit „zypper dup –releasever=16.0“ und sehen was passiert. Bei etwa 8000 Paketen die aktualisiert werden müssen kann man erst mal geruhsam eine große Runde mit dem Hund machen. Aber irgendwann ist das Update dann durch und man kann rebooten.
Erster Reboot, im GRUB Bootmanager steht schon „openSUSE Leap 16“, also los und…. schwarzer Bildschirm. Kiste auch nicht via ssh erreichbar. Also in die Boot-Optionen eingegriffen und festgestellt, dass etliche Systemd-Services nicht starten, weil Pakete für SE-Linux nicht installiert sind. Kunststück, wenn vorher kein SELinux drauf war mach ein Update auch keines drauf, weil das ja nur vorhande Pakete mit neueren Versionen ersetzt. Also mal mit „selinux=0“ gebootet, dann kommt man immerhin bis zur Textkonsole und kann die erfordlichen Pakete nachinstallieren.
Nächster Aufschlag. Die Kiste bootet. Allerdings nur auf dem primären Monitor und in „vintage“ 640×480 VGA Auflösung. Also wohl was mit den NVidia-Treibern. Das Problem war einfach, bei Leap 15.6 waren die G05-Treiber installiert. Mit Leap 16 ist die minimal verfügbare Variante „G06“, es gibt also keine Update-Pakete für G05, demzufolge auch keine Kernel-Treiber und somit keine Graphik. Also Umstieg auf G06. Auch kein Problem, die Kiste bootet und ich kann mich wieder in XFCE einloggen.
Allerdings läuft der lokale IMAP-Server für meine Mail-Ablage nicht mehr, dovecot hat eine neue Version und da sind die alten Konfigurationsdateien nicht mehr kompatibel, also auch wieder „schrauben“.
Nebenbei fällt mir auf, dass der Bildschirm flackert. Die Suchmaschine spuckt aus, dass das wohl die Kombination von XFCE, Compositor und NVidia-Treibern ist. Na gut, ich wollte eh einen anderen Desktop ausprobieren, also mal KDE-Plasma installiert. Schaut gut aus, nur jetzt motzt Signal, dass ich vom Gnome-Passwort-Store zu KDEWallet gewechselt bin und ich muss erst mal Signal komplett neu konfigurieren. Das gleiche Problem habe ich immer noch in Chromium, das gar keine Passwörter mehr speichern mag.
Auch einige Anwendungen sind beim Update erst mal auf der Strecke geblieben. So gibt es aktuell für Leap 16 kein Paket für R-Studio, d.h. meine Blutdruck-Statistik muss ich jetzt erst mal wieder aus der Shell machen, was aber auch kein Problem ist.
openSCAD war auch „weg“, das konnte ich aber über den Flathub wadminieder installieren. Und wenn wir schon bei der 3D-Druck-Toolchain sind, den Prusa-Slicer musste ich auch nochmal vom Flathub installieren, denn vorher war die Druckplatte schlicht unsichtbar.
Mittlerwiele funktioniert das meiste wieder wie es soll, bzw. ich habe die Stolpersteine noch nicht gefunden. KDE an sich sieht gut aus und wie ich bei einer kleinen Umfrage auf Mastodon herausgefunden habe ist das wohl auch der meist benutzte Desktop bei den Leuten die an der Umfrage teilgenommen haben.

Eigentlich hatte ich immer ein wenig Bedenken ob des Ressourcenhunges von KDE-Plasma, aber dann habe ich mir gesagt, hey, die Workstation hat 24 CPU Kerne auf 2 physikalische CPUs verteilt und 48 GB RAM (was in den aktuellen Zeiten schon ein Vermögen ist), also sollten Ressourcen kein Problem sein.
Das Update der Workstation war jedenfalls eine Achterbahnfahrt, aber ich bin deswegen nicht sauer, denn alle Probleme konnten und können gelöst werden und es war sozusagen eine Herausforderung für meine Debugging-Skils der ich mich gerne gestellt habe. Viele Einträge unter „Today I learned“ und das ist ja auch nicht schlecht.