Das Trauerspiel mit den Likes

Ich habe ja nun seit ein paar Jahren einen 3D-Drucker und den nutze ich auf fleißig. Und wenn immer ich was konstruiere von dem ich denke, dass es auch für andere Menschen nützlich sein könnte lade ich es bei Printables hoch. Eine Plattform mit aktuell 1326543 Modellen die von Nutzern wie mir hochgeladen wurden damit andere das für sich drucken können. Bei dieser großen Zahl bin ich aktuell mit 79 Modellen beteiligt, habe also auch schon ein wenig dazu beigetragen, dass dort eine Community entsteht in der alle von den Erfahrungen aller profitieren und partizipieren können.

Denn auf der anderen Seite sucht man ja oft irgendwas, was schon jemand anderes konstruiert hat und lädt das dann runter und druckt es aus. Und ich habe mir zur Gewohnheit gemacht, dass das, was ich drucke dann von mir auch einen „Like“ bekommt, denn immerhin hat mir der Ersteller dieses Modells die Konstruktionsarbeit abgenommen. Wenn es dann auch noch sehr gut funktioniert, dann gibt es eine Bewertung mit bis zu 5 Sternen, manchmal auch etwas „Manöverkritik“ wenn man etwas nachbearbeiten oder skalieren musste. Und da Printables für jeden „Make“, also das Hochladen eines Fotos eines ausgedruckten Modells ein paar Punkte im „Prusameter“-System vergibt und man dafür Filament bestellen könnte lade ich auf fleißig meine Makes hoch, bislang 175 Stück. Und mein Punktekonto ist schon bei 1471 Punkten.

Doch anscheinend sind nicht alle so gestrickt wie ich. Wenn ich meine Statistik anschaue, dann sehe ich 2865 Downloads meiner Modelle und insgesamt 394 Likes. Also in etwa pro 7 Downloads gibt es einen Like. Manchmal ist das Verhältnis noch schlechter, meine KIA-Nabenkappe Hat 176 Downloads und nur 14 Likes, was einem Ratio von 12,57 Downloads pro Like entspricht. Oder noch krasser, ein Adapter für APS-Filme für meinen Reflecta-Diascanner hat 70 Downloads und gerade mal 2 Likes.

Und dann frage ich mich schon, ob das ein Merkmal unserer Gesellschaft ist, die alles möglichst umsonst haben will und im Gegenzug nicht mal einen Mausklick machen will um demjenigen, der die Arbeit für die Community gemacht hat ein „Danke“-Feedback zu geben.

Vielleicht sollten wir alle uns wieder darauf besinnen, die Arbeit derer die zu solchen Projekten beitragen wieder wertzuschätzen. Und zu erkennen, dass da einiges an Arbeit und Wissen drin steckt, auch wenn in der letzten Zeit die mittels KI genierten Modelle immer mehr werden, wobei ich mich dann schon frage, wo da noch der „Spaß“ ist wenn ich mir irgendwas von einer KI konstruieren lasse. Daher habe ich per Default diese KI-Modelle auch ausgeblendet, ich will tatsächlich Designer die man dann auch fragen kann wie sie was konstruiert haben.

Und natürlich lechze ich nicht nach Likes. Wenn ich was konstruiere, dann weil ich gerade ein „Problem“ habe welches ich mit dieser Konstruktion lösen will. Und wenn das gut funktioniert, dann teile ich das Modell auch wenn ich der Ansicht bin, dass es für andere auch nützlich wäre. Geben und eben auch nehmen, anders funktionieren solche Gemeinschaften nicht. Und ja, ich habe auch kein Problem, wenn Leute nichts selbst konstruieren, manche wollen einfach nur coole Dinge drucken und haben vielleicht nicht die Skills um etwas zu konstruieren.

Dieser Eintrag wurde von Rainer unter 3D-Druck, Hobby veröffentlicht und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen für den Permalink.

Über Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert