Am Wochenende erhielt ich von einem Kollegen den Link auf einen Artikel im GitHub-Blog in dem der Autor stolz verkündete „I automated my job (and it made me a better leader)„. Das hat mich natürlich neugierig gemacht und so habe ich mir das mal näher angeschaut. Und da ich ja gerade vom Arbeitgeber auch einen Zugang zu Copilot auf GitHub erhalten habe war das natürlich ein Anreiz, einfach mal zu schauen, wie man mit KI zur besseren Führungsperson wird.
Als erstes fällt mir auf, dass es bei dieser Führungsperson wohl ein Kommunikationsproblem gibt: „Someone mentioned your name in a planning meeting, and now there’s an action item living in a doc you’ve never seen. You’ll find out about it in two weeks when someone casually asks for an update.“
So etwas sollte auch im Zeitalter des agilen Bullshit-Bingos nicht passieren. Wenn mir eine Aktion zugewiesen ist, dann bitte so, dass ich davon Kenntnis erlange und nicht erst, wenn jemand nach dem Fortschritt bei der Aktion fragt.
„Last year, my team almost missed a performance review deadline because it was announced in a channel nobody was watching. One person spent ten minutes searching Slack and couldn’t find it.“
Ja, so sieht das aus, wenn man seine Kommunkationsprozesse nicht sauber definiert hat. Erinnert irgendwie an die Baupläne zur Hyperraum-Umgehungsstraße die in einer Toilette auf Alpha Centauri aushängen…
Und ja, ich verstehe durchaus dass andere Jobs und andere Menschen anders strukturiert sind als mein Job. Und bei dieser Führungsperson kommt dann noch AuDHD hinzu. Dennoch, gerade für solche Situationen hat David Allen sein Buch „Getting Things Done“ geschrieben das eben einfache Rezepte an die Hand gibt, wie man dafür sorgt dass wichtige Dinge nicht „hinten runter fallen“.
Aber gut schauen wir uns doch mal die Beispiel-Automation an die der Autor mit uns teilt. Die kann man ja mal schnell in GitHub ins Copilot-Chatfenster eingeben und schauen was passiert.
Als Belohnung erhält man ein bash-Script mit 265 Zeilen das zu Beginn Helper-Funktionen definiert um Datumsangaben von ISO8601 in GNU/BSD epoch Angaben zu konvertieren. Interessant.
Am Ende hat als Copilot aus einem umgangssprachlichen Text mit Stichpunkten was mich interessiert ein Skript gebastelt das ich dann zeitgesteuert oder von Hand laufen lassen kann. Und es soll mir zeigen, welche Dinge auf meiner Github-Task-Liste Aufmerksamkeit benötigen, weil ich z.B. Pull Request reviewen sollte oder selbst einen PR gestartet habe der noch nicht reviewed wurde.
Das Problem dabei ist allerdings: Wenn ich das Skript laufen lasse kommt als Ergebnis…. nichts. Laut dieser KI-Automatiisierung muss ich keine Pull Requests reviewen, tatsächlich gibt es aber eine Liste von Pull Requests die von mir angeschaut werden sollen.
Woher ich das weiß? Dazu brauche ich keine KI sondern es reicht, wenn ich bei GitHub im Suchfeld der Pull Requests folgendes eingebe:
is:open is:pr sort:created-asc review-requested:@me
Und schon sehe ich alle Pull Requests die ich als Reviewer anschauen soll. Schneller als dieses seltsame und offensichtlich fehlerhafte KI generierte Skript läuft bei dem ich auch gar keine Lust habe das zu debuggen um raus zu finden WARUM es fehlerhafte Ergebnisse liefert.
Das bringt mich zu einer (zumindest für mich) erschreckenden Schlussfolgerung. Etliche Leute sind nicht in der Lage die Tools welche sie täglich nutzen so zu bedienen, dass sie ihnen tatsächlich helfen. Und weil wir diese Fähigkeit verlernt haben oder mangels passender Schulung nie hatten delegieren wir nun unseren Wunsch nach besserer Nutzung des Tools an eine KI die dann was aus dem Hut zaubern soll damit wir weiterhin vermeiden können, den Umgang mit unserem Werkzeug zu erlernen. In obigem Fall kann ich diese Suchanfrage unter „Pull Requests“ als „View“ hinterlegen und damit ist meine Übersicht was ich noch reviewen muss effektiv nur einen Maus-Klick weit entfernt.
Die Gefahr die ich sehe ist allerdings, dass wenn immer mehr Leute den scheinbar bequemen Weg via KI gehen wird es irgendwann dazu führen, dass solche Funktionen wie „Definiere Views nach Deinem Vorgagen“ nicht mehr geben wird, denn für die 2 User die das noch können rechtfertigt das den Aufwand nicht. Dann verbrennen wir lieber KI-Tokens für Dinge, die wir genauso elegant auch ohne KI lösen können.
Wenn wir es wollen…
@rainer Lernunwillen und kognitive Faulheit und dann wird aus einem doofen bash-Script eine „Agentic AI“, die das beheben soll. Wir gehen lustigen Zeiten entgegen…
Remote-Antwort
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Letztens von einer Professorin gehört: „stochastischer Papagei“, das trifft es ziemlich gut.