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Oh Amerika

In den USA kommt es ja öfter (also eigentlich täglich) zu sogenannten Massenschießereien. Vieles davon ist aber mittlerweile so „alltäglich“ dass es eine solche Meldung nicht in die internationaleen Schlagzeilen schafft. Anders bei den School-Shootings, wenn also an Schulen geschossen wird und dabei Kinder auf der Strecke beiben. Das schlägt international Wellen und bringt schlechte Publicity. Also muss das verhindert werden. Eine Bezirk im US-Bundesstaat Colorado hat jetzt einen geradezu revolutionären Ansatz, wie man solche Schulmassaker verhindern kann.

Oh, sorry, da habe ich doch glatt die Ironie-Tags vergessen. Denn Douglas County hat nun stolze 12.000 US-Dollar in Sturmgewehre investiert mit denen die Sicherheitsleute an den Schulen ausgerüstet werden sollen. Bei uns würde eine solche Bewaffnung unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen, in den USA bekommen das Wachleute nachdem sie einen 20-stündigen Lehrgang absolviert haben. Was kann da schon groß schief gehen? Ja, hier wieder einen Ironie-Tag dazu denken.

Das Geld hätte man besser in die Bildung der Schüler investiert als hier für den nächsten Bürgerkrieg aufzurüsten. Und ich fürchte, dass es angesichts dieser Überbewaffnung nur noch eine Frage der Zeit ist, bis der erste unbewaffnete Bürger „aus Versehen“ erschossen wird weil eine Situation außer Kontrolle geriet.

Leider scheint man in den USA nicht zur Vernunft zu kommen und irgendwie auch mal abrüsten zu wollen. Die NRA (National Rifle Associaten) freut sich natürlich über jede verkaufte Waffe. Und die Amis sehen es als Teil ihrer persönlichen Freiheitsrechte an vom nächstbesten durchgeknallten Idioten erschossen zu werden, nur weil der gerade einen schlechten Tag hat.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

3 Kommentare

  1. Oh, diese Denkweise „rüsten wir auf um mehr Sicherheit zu haben“ schwappt langsam nach Europa über… Meine Frau war letztens beim Zappen bei „Maischberger“ hängen geblieben. Da fand eine Frau mit Waffengeschäft, dass das Aufrüsten die Sicherheit nur steigern könnte. Natürlich sollen, so die Frau, nur Menschen nach einem Kurs eine Waffe bekommen dürfen.
    Gut, ein kleiner Realitätscheck, wie es derzeit in den USA gehandhabt wird… Manche Bundesstaaten, vornehmlich im Süden, setzen die Schwelle für den Waffenbesitz relativ tief… Das mag zum Beispiel im Falle von Texas aus dessen Geschichte ein wenig nachvollziehbar sein, denn manchmal finden Gesetze, die um 1820 erlassen wurden heute noch Anwendung bzw. beruft man sich auch noch heute auf diese, obwohl ein Pferdediebstahl heute nicht mehr die Ausmasse wie damals hatte, als bestohlene Cowboys ohne Pferd fast keine Überlebenschance mehr hatten. Man kann es aus dieser Sicht nachvollziehen, aber wir sind ja nicht mehr im Jahre 1820, sondern knapp 200 Jahre später.
    Viele Bundesstaaten setzen die Messlatte schon ein wenig höher… Kalifornien beispielsweise verweigert verurteilten Straftätern den Besitz von Waffen.

    Meine Frau und ich lernten im Urlaub auf Barbados zwei Texaner um die 20 kennen und quatschten mit denen über viele Dinge. Gut, mein Englisch ist stark eingerostet und der Texas-Dialekt mit seiner singend-schleppenden Art macht die Verständigung bei/mit mir nicht gerade einfacher, aber mit Händen und Füssen gelingt fast alles, und im Notfall sprang meine Frau als Dolmetscherin ein.
    Wir kamen auch auf das Thema „Waffen“ zu sprechen und waren gegenseitig verwundert… In den USA gibt es pro Jahr um die 30’000 Tote durch Waffengewalt, bei uns in der Schweiz 2008 knapp 260 (239 durch Suizid).
    Die Jungs aus Texas waren erstaunt, als wir erzählten, dass nur verhältnismässig wenig Menschen Waffen Zuhause hätten. Zugleich waren wir erstaunt, als sie uns erzählten, dass vorallem jüngere Generationen nicht mehr so waffenvernarrt seien wie die älteren Semester.

    Leider ist die Institution „NRA“ (National Riffle Association) in den USA sehr stark und allgegenwärtig. Selbst bei den Demokraten, bei denen viele eher kritisch gegenüber dem Waffenbesitz eingestellt sind, hat die NRA viele Fürsprecher. Einen Teil der Macht gewinnt die NRA dadurch, dass sie den Besitz und möglichen Gebrauch einer Waffe als Sicherheit anpreist und sich sogar auf das Grundrecht „jeder darf eine Waffe zum Selbstschutz besitzen“ berufen kann.
    Ich mag mich noch an meine späte Schulzeit erinnern, als um 1991/1992 die Flüchtlinge des Bürgerkrieges in Ex-Jugoslawien auch in die Schweiz kamen. Da steppte aber der Bär, als unser Lehrer bei einem Schüler aus Ex-Jugoslawien ein Klappmesser fand. Sogar die Polizei schlug in der Schule auf, mein Gott war das ein Theater…
    In den USA gibt es in Problemvierteln mittlerweile an Schulen an den Eingängen sogar Metalldetektoren, die verhindern sollen, dass Schüler mit Waffen in die Schule kommen.
    Das wäre dann doch eigentlich der Moment, bei dem ich mich als Schule, als Schulaufsicht, als Schüler und als Eltern fragen muss: was läuft schief?
    Wieso kommt ein 12Jähriger Knirps an eine Flinte, wieso kann er sie an die Schule bringen? Ist es Angeberei, hat der Angst und will sich mit der Flinte schützen? Die Erwachsenen leben dieses Credo ja schliesslich vor: Waffen bedeuten Sicherheit!

    Ich verfolge die Diskussionen in den USA schon ein wenig länger, sehe solche Diskussionen immer wieder nach Amokläufen an Schulen aufflammen, sehe die Betroffenheit bei den Schülern, Eltern und Lehrer, sehe aber auch das makabare Spiel der NRA, welche sogar Amokläufe für sich und ihre Sache auszunutzen vermag:
    „Ja, solche Amokläufe sind bedauerlich, aber mit mehr Waffen könnte man sie verhindern“.
    Es würde ja auch nicht ernsthaft jemand behaupten, dass man Feuer mit noch mehr Feuer bekämpfen könnte… Aber die NRA macht es, und das erfolgreich.
    Es wird meiner Meinung nach auch heute noch ein heroisches Bild des Sheriffs vermittelt, der unbeeindruckt von umherfliegenden blauen Bohnen, sich der Gefahr stellt und das Böse erfolgreich bekämpft, selbstredend ohne jemals einen Kratzer abzubekommen.
    Die Realität sieht leider anders aus… Sobald es knallt nehmen praktisch alle ihren Kopf runter und das ist auch gut so. Ich halte nichts davon, Lehrer an Schusswaffen auszubilden und ihnen eine solche mit in den Unterricht zu geben. Schnell könnte er einen Schüler erschiessen, der „nur“ mit einer Schreckschusspistole „rumspielt“.

    Problematisch ist in meinen Augen die Einstellung vieler US-Amerikaner… Sie glauben zu leichtgläubig alles, was die Medien verbeiten. Und viele Medien haben sich darauf spezialisiert, die Wahrheit, na, ich formuliere es diplomatisch, sie gestalten die Wahrheit sehr flexibel und das so flexibel, dass die Aussagekraft näher der Unwahrheit denn der Wahrheit liegt. Da kann es vorkommen, das die Medien von einer Schiesserei mit Toten an einer Kreuzung in einem sogenannten Problemviertel berichten, Ladenbesitzer an der besagten Kreuzung aber den ganzen Tag weder etwas von einer Schiesserei mitbekommen hatten oder etwas von einem Polizeieinsatz hörten oder sahen. Auch nicht die Tage davor, nur um einem „Versehen“ der Medien zuvorzukommen.
    Die Schiesserei muss dann wohl in einem Paralelluniversum stattgefunden haben…. Zwischeneinwurf… Da gibt es den Film „Running Man“, bei dem auch Filmmanipulationen behandelt werden. Sehr interessante Sichtweise eines Filmes, der 1987 rauskam und 1982 von Steven King als „The Running man“ geschrieben wurde.
    Michael Moore, ich sehe sein filmisches Schaffen eher kritisch, beschreibt es meiner Meinung nach gut… Halte die Bevölkerung in Angst und sie tun alles um sich zu schützen. Erzähl was von einer fiesen Grippe und die, die es sich leisten können rennen die Arztpraxen ein um sich impfen zu lassen. Erzähl den Leuten, dass die Schwarzen alle kriminell sind und das man sich vor ihnen schützen müsse. Jeder hat in der näheren Umgebung einen Schwarzen als Nachbarn, also muss man sich schützen, sprich: Waffe(n) kaufen.
    Das Ganze nimmt teilweise derart skurrile Formen an, dass man den Leuten eigentlich absprechen müsste Waffen zu besitzen, denn jeder, der bis drei zählen kann müsste bemerken, das diverse „Panic Stories“ nur aus der Luft gegriffen sein können. Jeder normal denkende Mensch müsste diese Stories entlarven, der gemeine US-Amerikaner offensichtlich nicht. Darf man dem eine Waffe in die hand drücken wenn er nicht mehr rational denken kann?
    Der rennt mittlerweile mit Hochgeschwindigkeit in seinem „Angst“-Hamsterrad, das er diese Differenzierung zwischen Fake und Realität erst gar nicht mehr treffen kann. Ironischerweise ist er ja sogar noch dankbar für die „Tipps“, die er aus den Medien erhält. Sprich: das rationale Denken ist angesichts vielartiger und meist nicht vorhandener Gefahrenszenarien komplett ausgeschaltet.

    Das zumindest ist so in etwa meine Erklärung dafür, weshalb des US-Amerikaner so tickt wie er eben tickt.
    Das macht es leider nicht einfacher, und schon gar nicht ermöglicht diese Sicht, dass der gemeine US-Amerikaner erkennt, dass er in einem „Angst“-Hamsterrad auf Hochtouren vor sich hin rennt, ohne Chance je das Ende zu erreichen.

    Die zwei erwähnten Texaner bestätigten meine Sicht- und Denkweise über den gemeinen US-Amerikaner, was wieder ein Grund zu Hoffnung ist… Die jungen Menschen in den USA rennen noch nicht im Hamsterrad… Wer weiss, vielleicht schaffen sie es schrittweise, die alten Zöpfe wie das Recht auf eine Waffe abzuschneiden.

    Zu hoffen wäre es, für jeden der 30’000 Toten jedes Jahr durch Schusswaffen, deren Angehörigen und Freunde.

  2. http://www.foxnews.com/us/2016/04/20/north-carolina-high-school-reportedly-opens-indoor-shooting-range.html

    es scheint wohl an einigen Schule in Amerika Usus zu sein, dass es dort Schießstände gibt.

    Ich hatte vor Monaten eine Diskussion mit einem Sportschützen, der der festen Überzeugung ist, dass wenn es in D mehr freie Waffen gäbe unsere Kriminalitätsrate sinken würde.
    Ähnlich wie in der Schweiz.
    Kein Argument half da.

    Und das es Menschen wie den Vater des Schützen von Winnenden gibt, die sich an keinerlei Sicherheitsvorschriften halten war für ihn kein nachvollziehbares Argument.

    Ich denke, dass wir in D bzw. ganz Europa gerade einen gefährlichen Kurs der Angst eingeschlagen haben und solche Meinungen gesellschaftsfähig werden. Das Pfefferspray ist da leider nur der Anfang. http://www.abendblatt.de/region/stormarn/article107198273/Pfefferspray-ausprobiert-75-Verletzte.html ich bin gespannt, ob wir demnächst mehr solcher Berichte lesen „dürfen“.

    • Ich bin auch Sportschütze und habe per se erst mal keine Angst vor Waffen. Die Idee dass mehr Waffen zu weniger Kriminalität führen ist natürlich eine Milchmädchenrechnung, denn dann müsste es ja in den USA gar keine Kriminalität mehr geben.

      In Zeiten in denen sich die Staatsgewalt (Polizei) immer mehr zurückzieht ist es allerdings auch nicht verwunderlich, dass Leute glauben, sich jetzt selbst verteidigen zu müssen. Zum Glück haben wir hier recht restritive Waffengesetze, wer eine Waffe kaufen will muss über ausreichend Sachkunde (und dazu gehören auch die Notwehrparagraphen) verfügen. Und dann darfst Du eine Waffe haben, aber die ist in einem verschlossenen Behältnis getrennt zur Munition zum Schießstand zu transportieren, würde ich meine Schießeisen geladen und einsatzfähig mit mir rumtragen wollen bräuchte ich einen Waffenschein und den bekommen hier nur Polizisten oder Leute die einer besonderen Gefahr ausgesetzt sind. Otto Normalschütze bekommt so was nicht.

      Das Problem ist in meinen Augen, dass wir rund um die Uhr dank unserer Unterhaltungsmedien suggeriert werden, dass Konflikte am besten mit Gewalt gelöst werden. Lethal Weapon, Die Hard und wie sie alle heißen wären ja total uncool wenn die Helden nicht reihenweise die Bösewichter killen würden. Das fängt bei den Krimi-Serien an und endet dann beim US-Präsidenten der unliebsame Zeitgenossen per Drohne ins Jenseits befördern lässt. Ich habe neulich hier ein Zitat von Clint Eastwood gebracht, dass meiner Meinung nach sehr tiefschürfend war. Denn Eastwood war natürlich auch einer der Revolverhelden in unzähligen Westernfilmen die natürlich immer nur den Kampf „Gut gegen Böse“ thematisieren und wenn der Gute dann die gleichen Methoden einsetzt wie die Bösen, dann ist er trotzdem im Recht, denn er ist ja der Gute. Beschreibt die US-amerikanische Politik recht gut.

      Das Problem der Amis ist ja, dass auch eigentlich läppische Situationen dank der Verfügbarkeit von Waffen gleich eskalieren. Ich habe neulich erst gelesen, dass irgendwo ein Sportler einen Autounfall hatte (unverschuldet) und dann von dem Idioten der ihm hinten draufgefahren ist gleich noch erschossen wurde. So nach dem Motto „Was stehst Du mir im Weg rum…“. Und es gab die Frau die auch für den lockeren Umgang mit Waffen demonstriert hat bis ihr ihr 4-jähriges Kind dann mit der Pistole die im Auto auf dem Rücksitz lag in den Rücken geschossen hat. Oder der „Schießausbilder“ der einer 9-jährigen eine Maschinenpistole in die Hand drückt und dann von ihr erschossen wird weil sie das Ding nicht kontrollieren kann. Der Darwin-Award lässt grüßen. Aber die Amis sehen so was leider nur als „shit happens“ an und sind unfähig daraus irgendwas zu lernen.