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Energiespar-Profis am Werk

Manche Dinge sind so bizarr, das kann man sich gar nicht ausdenken. Hier die Geschichte einer Firma die sich dem Energiesparen verschrieben hat, denn man ist ja „green“ und außerdem ist Sparen immer gut.

In der Firma gibt es ein Gebäude mit zwei Stockwerken die über einen Lastenaufzug vebunden sind. Der wird gerne genutzt, denn Treppen gibt es in diesem Gebäudeteil nicht. Irgendwann kam wohl einer der Sparfüchse auf die glorreiche Idee, dass es ja sehr viel Strom kostet, wenn die beiden Leuchtstoffröhren in der Aufzugskabine 24 Stunden am Tag leuchten. Also hat man irgend eine ausgeklügelte Steuerung ersonnen, die das Licht abschaltet, wenn die Aufzugskabine eine Weile leer ist.

Das Problem an dieser Lösung war allerdings, dass der Aufzugnutzer oft vor der Tür stand und den Knopf drückte um den Aufzug zu holen und nicht bemerkte dass dieser schon da war, denn durch das kleine Sichfenster sah man eben nur Dunkelheit und dachte man sieht den Aufzugschacht. Nur wer bemerkte, dass die Lampe am Rufknopf gleich nach dem Drücken wieder ausging konnte schlußfolgern, dass der Aufzug schon da war.

Das war natürlich sehr verwirrend und wenn man aufsummiert, wieviel Zeit die hochbezahlten Mitarbeiter vor der Aufzugstür unnötig warten weil sie nicht merken dass der Aufzug da ist, dann ist der ganze Spareffekt natürlich dahin. Also gab es eine Interims-Lösung (ob gewollt oder nicht sei mal dahingestellt), bei der das Licht im Aufzugsschacht angeschaltetet wurde. Da konnte man dann sofort sehen, ob man den Schacht sieht oder eben nix sieht weil die Aufzugskabine da ist. Aber so richtig Energie sparen kann man damit auch nicht, denn jetzt leuchten ja die Leuchtstoffröhren im Schacht.

Außerdem gab es wohl diverse Ängste, einfach die Aufzugstür zu öffnen und in die Dunkelheit zu laufen, in der Hoffnung, dass da wirklich eine Aufzugskabine steht und nicht der Abgrund. Eventuell kamen auch arbeitsschutzrechtliche Bedenken hinzu.

Mittlerweile hat man das Problem professionell gelöst. Die Beleuchtung im Schacht ist aus, eben um Energie zu sparen. Und die Abschalt-Automatik welche das Licht in der Kabine ausmacht wenn keiner drin ist ist auch aktiv. Damit aber eben die Kabine nicht vollständig dunkel ist wurde an die Kabinedecke eine weitere Leuchte montiert die nun dauernd leuchtet. Wird die Kabine betreten, dann gehen auch die beiden Leuchstoffröhren an.

Möglicherweise verbraucht diese „Standby-Lampe“ ja weniger Strom als wenn die beiden Leuchtstofflampen ständig leuchten würden, aber irgendwo im Hinterkopf klopft das Helferlein des Ingenieurs an (ihr wisst schon, dieses Glühbirnenwesen von Daniel Düsentrieb) und fragt dezent, wie es denn um die Lebensdauer von Leuchtstoffröhren bei häufigem Ein- und Ausschalten bestellt ist.

Streng nach dem Motto „Wir sparen, koste es was es wolle…“

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

1 Kommentar

  1. Da frage ich mich ernsthaft, warum die nicht auf LED-Röhren umgestiegen sind. (selbst der Umbau von LSR auf LED ist nicht schwierig)

    Die brauchen keinen Starter. Sie surren nicht. Sie geben für eine Arbeitsumgebung ein herrliches weißes Licht, besser als jede mir bekannte Leuchtstoffröhre. Diese kann man einfach per Bewegungsmelder steuern.

    Ob da jemals jemand die Idee zu Ende gedacht hatte???