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Mailbomben

Heute erhielt ich den neuesten Newsletter meines Webhosters. Eine der umwälzenden Neuerungen ist, dass man ab sofort auch Mails bis zu einer Größe von 100 MByte versenden kann.

Die Frage bei dieser Neuerung ist doch, ob das wirklich einer braucht. Wenn ich heute eine 100 MB große Mail empfangen müsste, dann wären viele meiner Mailadressen mit dieser einen Mail bereits am Limit, auch mein Arbeitgeber hat eine Größenbegrenzung drin und würde 100 MB einfach zurückweisen. Mails waren ursprünglich mal gedacht um Textnachrichten auszutauschen, irgendwann kamen dann die ersten Marketingdroiden auf die Idee dass man ja auch HTML schicken könnte, völlig unabhängig ob der Empfänger das will oder nicht, oder noch schlimmer, man bombardiert die Leute mit RTF. Der letzte Schrei beim Mailbombing sind dann Mails mit angehängten PowerPoint- oder Word-Dateien, weil man die so schön nach „Corporate Identity“ und mit Firmenlogo versehen kann. Dass der Empfänger damit Mehrarbeit hat weil er um die Nachricht zu erhalten nicht nur sein Mailprogramm sondern auch ein Anzeigeprogramm für den Anhang starten muss ist egal. Und dass solche Anhänge  oft nur Ballast sind auch.

Da fälllt mir eine Geschichte aus meinem langen Berufsleben ein. Es begab sich, dass der CFO (Chief Financial Officer) auch zum CIO (Chief Information Officer) ernannt wurde und wie das bei Finanzakrobaten so ist will man natürlich gleich was sparen. Als Problemzone wurden die Kosten für die Mailboxen lokalisiert und so musste eine Mail an alle Mitarbeiter rausgehen in der eindrücklich darauf hingewiesen wurde, dass man doch sein Postfach bitteschön „klein“ halten sollte. Das ganze natürlich als Winword-Datei mit Firmenlogo und sonstigem Pipap, d.h. statt vielleicht 1 KB Text für die Botschaft pro Mailempfänger 163 KB Schrott.

Wenn ich mir jetzt vorstelle, wie Leute 100 MBytes per Mail verschicken… schauderhaft. Vor allem, da der DSL-Upstream ja nicht so berauschend ist, wer schnell ist hat vielleicht 512 Kbit, d.h. das Megabyte geht in 16 Sekunden zum Mailserver und die 100 MBytes würden dann 1600 Sekunden oder knapp 27 Minuten benötigen.

Also, ich werde diese Neuerung wohl nicht nutzen.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

1 Kommentar

  1. Naja, normalerweise schicke ich auch eher Mails mit weniger als 1 KB. Allerdings hab ich auch schon mal Fotos mit den Kindern ausgetauscht. Und warum? Weil mein alle Online-Spaces mal wieder überfüllt waren….

    Irgendwie bräuchte man nen Server zum Datentauschen. Aber nur manchmal.

    Und das schlimmste, was in einer Firma passieren kann: Wenn ein Controller plötzlich an einer entscheidenden Stelle gesetzt wird. Dann sind sogar die Kaffee-Tassen zu teuer. Dafür schreibt man eben mal ne Mail an tausende Mitarbeiter. Alleine die Zeit, die zum Öffnen dieser Mail benötigt war, war etwa doppelt so teuer als ein komplett neuer Satz Tassen. Wir sparen jetzt, kostet es was es wolle!