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Ach Jessie

Am 25. April wurde Debian 8 „Jessie“ freigegeben. Da auf allen meinen Linux-Kisten Debian läuft habe ich nun mal angefangen, die ersten Maschinen auf die neue Version zu aktualisieren. Das ging im Vergleich zum Update von „Lenny“ auf „Wheezy“ relativ gut, trotzdem komme ich nicht um einen Rant herum.

Denn eigentlich mache ich ein Update in der Erwartung, dass danach die Sachen die vorher funktioniert haben weiterhin funktionieren, denn ansonsten wäre das ja eine „Regression“ und so etwas sollte bei „rock stable“-Distributionen wie Debian eigentlich nicht passieren. Tja, leider passiert es doch.

Der Stein des Anstoßes ist die für mich sehr nützliche Funktion, am Smartphone ein Bild aufzunehmen und das dann mal flott via Bluetooth auf den PC zu schieben, damit ich es da nutzen kann. Ist extrem hilfreich, wenn man einem Geschäftspartner in Asien das mal zeigen will. Klar, könnte ich auch per Mail vom Handy schicken, aber wenn ich das im Büro mache belastet das mein Datenvolumen, wenn ich es via Bluetooth schicke, dann tangiert das mein Datenvolumen beim Smartphone eben nicht.

Tja, und genau diese Funktion geht nach dem Update auf „Jessie“ nicht mehr. Man ist zwar anscheinend via Bluetooth verbunden, aber der Transfer vom Smartphone zum PC klappt nicht. Die Gegenrichtung klappt, vom PC aus kann ich problemlos was ans Smartphone schicken, aber umgekehrt funktioniert es nicht mehr.

Google ist hilfreich und findet dann auch einen Bug-Report im Debian Bug Tracking System. Dieser Fehler wurde am 10. August 2014 gemeldet. 8 Monate und keine Lösung? Doch es gibt eine Lösung und es scheint so, dass das Problem gar nicht im GUI-Frontend blueman liegt sondern eher im Paket Bluez das hier Probleme mit Systemd zu haben scheint.

In Message 94 in diesem Bugreport ist dann auch ein Workaround angedeutet, der wohl bedeutet, dass man wieder selbst Pakete bauen muss um das Problem zu beheben. Ernsthaft Debian, Eure Releasezyklen sind eh schon ewig (im Vergleich zu anderen Distributionen) und dann bekomme ich ein System bei dem ich erst mal selbst wieder Pakete bauen muss um Fehler zu beheben? Bezeichnend ist auch die Schlußbemerkung in diesem Kommentar:

Debian developers can do what they want, but it takes year or two and it not nice to end users.

Ja genau. Der Nutzer steht da mit einem frisch aktualisierten System auf dem Dinge die bisher funktionierten plötzlich nicht mehr laufen. Und es hilft auch nix, den Bug zu schließen mit der Meldung, dass man eine Bugfix-Version nach Sid („unstable“) hochlädt, denn der Nutzer hat ja „Jessie“ installiert weil es „stable“ ist. Zumal ich eben nach den Kommentaren über den Obex-Service durchaus der Meinung bin, dass blueman hier nichts fixen kann weil das Problem in Bluez ist.

Und dank der Abhängigkeiten (aka „dependency hell“) ist es wohl auch nicht ratsam, sich nur einen Teil der Binaries zu bauen und schon gar nicht, diese dann in die üblichen Verzeichnisse zu schieben, denn da werden sie beim nächsten Update der das Zeug anfasst niedergebügelt werden. Also ist der User sozusagen dazu verdammt, den kompletten Bluetooth-Stack via Paket-Management zu entfernen und selbst zu bauen, oder aber die entsprechenden Pakete auf „hold“ zu setzen um zu verhindern, dass sie vom Update überschrieben werden.

Alles in allem extrem unbefriedigend. Da wünsche ich mir einen Debian-Branch „bugfix“ der neu gebaute Pakete enthält die eben solche Fehler beheben. Denn irgendwie ist es auch nicht zufriedenstellend jetzt ein paar Jahre zu warten bis die nächste Version freigegeben wird die dann vielleicht wieder neue Regressionen hat.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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