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Inflation bei den Petitionsportalen?

Das Internet ist toll. Man kann sich nicht nur umfassend informieren sondern auch aktiv mitmachen und wenn einem ein Zustand nicht passt kann man seine Unterschrift unter eine Petition setzen.

Dazu gibt es beim Deutschen Bundestag ein Petitionsportal das vom Petitionsausschuß des Deutschen Bundestages betrieben wird. Wenn man zudem in „sozialen Netzen“ wie z.B. Google+ unterwegs ist wird man mehrmals täglich aufgefordert, Petitionen mitzuzeichnen. Nur interessanterweise verlinken diese Aufrufe nicht immer zum oben erwähnten Portal des Bundestages sondern zu Seiten wie OpenPetition oder gar Petitionen24.com. Eine Dotcom-Adresse verknüpfe ich aber eigentlich mit „Business“ und nicht mit Politik. Dafür gibt es hier dann auch so tiefschürfende Petitionen wie „Mickie Krause zur Aufstiegsfeier“ was natürlich von globalpolitischer Wichtigkeit ist.

Ernsthaft, alle diese inflationär wuchernden Petitionsmaschinen wollen viele meiner persönlichend Daten wenn ich dort „mitzeichne“ nur frage ich mich, was dann mit diesen Daten tatsächlich geschieht. Ein Impressum oder Nutzungsbedingungen hat Petitionen24.com jedenfalls nicht und der Whois-Eintrag weist nach Finnland.

Angesichts dieser Erkenntnisse frage ich mich dann schon, welchen Nutzen es hat hier seine Identität abzuladen um dann seine virtuelle Unterschrift zu leisten. Ok, es mag einem für einen kurzen Augenblick das Gefühl geben, sich politisch engagiert zu haben, aber letztlich könnte man das, was dort als „Petition“ läuft auch problemlos mit einem einfachen anonymen Umfrage-System als Stichprobe ermitteln. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Petitionsausschuß des Bundestages sich mit Micki Krause und der Aufstiegsfeier beschäftigt dürfte sogar dann Null sein wenn diese Petition dort tatsächlich mehr als 50.000 Mitzeichner bekommen würde.

OpenPetition ist hier deutlich besser sortiert, denn deren Liste enthält auch Petitionen aus dem Petitionsportal des Bundestages und der „Mitzeichnen“-Link führt dann auch direkt dorthin. Und die dort lokal geführten Petitionen schlagen sich dann z.B. in Petitionen an die jeweilige Landesregierung nieder wie man am Beispiel Nichtraucherschutzgesetz in NRW schön sehen kann.

Daher denke ich, wer sich wirklich zu einem Thema engagieren will sollte nicht blind seine persönlichen Daten in die nächstbeste verlinkte Webseite reinklopfen sondern schon mal hinterfragen, was mit den Daten geschieht. OpenPetiition scheint seriös zu sein, aber von Portalen wie Petitionen24.com würde ich persönlich die Finger lassen. Auf der sicheren Seite dürfte man sein, wenn man „amtliche“ Petitionsportale nutzt.

 

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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