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Freiheit und Qualitätsjournalismus

Gestern hatte die Augsburger Allgemeine eine skurille Geschichte berichtet bei der es um einen Iraker ging der zu einhundert Euro Geldbuße verurteilt wurde weil er nach eigenen Angaben Durchfall hatte.

Ok, die Geschichte ist komplizierter und da ich wegen des Leistungsschutzrechtes nicht verlinke erzähle ich mal die wichitgsten Details. Der Mann ist vorbestraft wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung durfte er siebeneinhalb Jahre im Knast sizten. Und jetzt würde man ihn ja am liebsten abschieben, aber da ihm daheim wohl Folter droht ist er „geduldeter“ Asylbewerber. Da er es zudem noch auf die internationale Terroristenliste geschafft hat wird er wohl auf Schritt und Tritt überwacht. Und wenn er sich außerhalb seines „Resrevates“ (ich nenne das mal jetzt so, weil mir kein anderes Wort einfällt) bewegt, dann ist ihm vorgeschrieben wo er sich aufhalten darf. So war er letztes Jahr hier in Augsburg unterwegs, ein Termin vor Gericht. Doch dann überkam ihm eine unvorhergesehene Darmtätigkeit und da steuerte er einfach die für ihn nächste bekannte Toilette an, zufällig gerade in einer Moschee in der sich, man höre und staune auch Salafisten getroffen haben sollen.

Und wegen dieses Durchfallangriffs kam er vor Gericht und wurde zu 100 Euro Geldbuße verurteilt. Ich finde das aus einigen Gründen sehr bemerkenswert.

Zunächst schreibt die Augsburger Allgemeine „Mazen S. ist inzwischen ein freier Mann“ um dann auch gleich die Definition dieser Freiheit aufzuzeigen: „Der Iraker unterliegt zahlreichen Beschränkungen, muss jeden Geldtransfer der Bundesbank melden, darf weder Handy noch Computer besitzen und muss sich jeden Aufenthalt außerhalb eines beschränkten Gebiets im Bayerischen Wald genehmigen lassen.“

Cool, jedwede moderne Form der Kommunikation wird ihm als verboten und das nennt man „Freiheit“? Hinzu kommt, dass er wohl auf Schritt und Tritt überwacht wird um dann wegen eines Toilettengangs bei dem er vom vorgeschriebenen Weg abwich vor Gericht zu kommen? Ganz ehrlich, bei der aktuellen Baustellensituation in Augsburg könnte es öfter vorkommen, das jemand andere Wege geht als er eigentlich vorhatte.

Die Augsburger Allgemeine hat hier einen Buzzword-sprühenden Artikel abgeliefert, der sich kaum vom Niveau der Revolverblätter der Springer-Presse unterscheidet. Alles fein gewürzt mit Terror, Salafisten, Islamisten und so weiter. Will man hier auch wieder Stimmung für die Totalüberwachung machen?

Noch besser ist dann die Aussage, dass man nicht genau sagen könne, was er denn tatsächlich in der Moschee gemacht hat, denn der Informant ist nicht genannt und alles weitere unterliegt der Geheimhaltung. Die Zeit in der Moschee ist dann angeblich auch nicht der Grund für die Verurteilung gewesen sondern eben der Umstand, dass er den „vorgeschriebenen Weg“ verlassen hat.

Da frage ich mich dann schon, warum wir diesem Menschen so übel mitspielen. Warum wird er auf Schritt und Tritt überwacht? Ok, er steht auf dieser Terrorliste, aber wer weiß schon genau ob ich da nicht auch drauf stehe? Man hat ihn zu einer Gefängnisstrafe verurteilt die er verbüßt hat. Der Listenplatz auf der Terrorliste ist ein Verdacht der durch kein Gericht bestätigt wurde und soweit ich weiß kommt man von dieser Liste ebenso leicht wieder runter wie man aus der Psychatrie rauskommt, wenn man da mal gelandet ist.

Menschenrechte in Deutschland – da scheißen unsere Politiker mittlerweile wohl auch drauf. Allerdings ohne dafür bestraft zu werden.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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