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Unter Terrorverdacht weil man ein Buch liest?

Die Terrorhysterie hat mal wieder zu einem sehr peinlichen Vorfall geführt. Eine junge Muslimin flog von ihrer Hochzeitsreise zurück nach Großbritannien. An sich nichts aufregendes, hätte die junge Dame auf dem Hinflug nicht etwas ganz Seltsames getan.

Da hat sie nämlich das Buch „Syria Speaks: Art and Culture from the Frontline“ von Malu Halasa gelesen, ein preisgekröntes Buch in dem es um Essays, Kurzgeschichten, Gedichte, Lieder, Cartuns und Photos von syrischen Autoren und Künstlern geht. Und das hat wohl die Aufmerksamkeit der Stewardessen im Flieger erregt und so haben sie dies an die Behörden weitergemeldet. Big Brother is watching you und hat seine „Blockwarte“ anscheinend überall.

Der Erfolg stellte sich dann nach der Landung bei der Rückreise ein. Die Dame wurde von zwei Beamten bei der Passkontrolle herausgebeten und eine Viertelstunde befragt. Die Befragung fand auf Basis der Anti-Terror-Gesetze statt.

Klar, dass diese Aktion bestimmt nicht das Highlight der Hochzeitsreise war, aber wohl sich wohl heftig in das Gedächtnis der jungen Frau einbrennen wird. Eine ironische Note hat der Vorfall zudem im Job dieser Frau, sie versucht nämlich psychisch kranke Jugendliche davon abzuhalten, sich zu radikalisieren. Nun hat sie selbst eine sehr schmerzhafte Erfahrung machen müssen, wie es ist nur wegen seiner Herkunft und dedr Tatsache das man ein Buch liest zum Terroverdächtigen abgestempelt zu werden.

Die ganze Story gibt es beim Independent. Natürlich hat die Airline sich nicht entschuldigt und man versucht den Vorfall sozusagen als „Flurschaden“ herunterzuspielen weil ja die Bevölkerung ja gerade arg verunsichert sei und man ja von den Behörden angehalten werden, verdächtigs Verhalten zu melden.  Bei uns würde man versuchen sich mit „wo gehobelt wird fallen Späne“ herauszureden. Tatsache ist aber, dass wir mit all dieser Terrorhysterie und dem gegenseitigen Mißtrauen genau den Terroristen in die Hände arbeiten. Denn Mißtrauen und Angst ist es was sie erreichen wollen, angesichts dieses Vorfalls kann man nur sagen „Ziel erreicht“.

Natürlich kommt jetzt bestimmt auch jemand der meint „ist doch halb so schlimm“, es wurde ja kein wirklicher Schaden zugefügt und für die allgemeine Sicherheit muss man halt auch mal 15 Minuten unter Terrorverdacht aushalten. Dem sei diese Geschichte über die Stasi-IM-Tätigkeit nahegelegt bei der ja angeblich auch keinem Schaden zugefügt wurde.

Der Schaden passiert täglich. Und wird von hetztenden Demagogen in den diversen politischen Lagern auch billigend in Kauf genommen.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.