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Windows 10 – wie kann man nur?

So, jetzt musste ich mich doch tatsächlich mal etwas näher mit Windows 10 beschäftigen. Denn in unserem Verein haben wir uns einen neuen PC geleistet und dank unseres Dachverbandes sind wir leider genötigt, das Verwaltungsprogramm auf einem Windows-PC laufen zu lassen. Und wenn man heute einen neuen PC kauft, dann bekommt man das neueste und tollste Windows aller Zeiten geliefert, nämlich Windows 10.

Also habe ich dann mal den neuen PC angestöpselt und eingeschaltet. Im Laden sagte man mir schon, dass ich den noch fertig installieren muss, also habe ich mal mein Passwort gesetzt und mich dann gewundert. Nämlich, dass ich nicht mehr Rainer sondern User heiße. Klar, woher soll das Betriebssystem auch wissen wie ich heiße, gefragt hat es ja nicht. Und jetzt verstehe ich auch, warum der Notebook unserer Bekaannten den ich neulich „reparieren“ durfte dann als Login auch dieses „User“ zeigte. Denn eigentlich hätte ich jetzt erwartet, dass ich auf so was wie „Account“ klicke und dann den Namen ändere. Tja, weit gefehlt, der schöne Windows-10-Dialog hat alles, nur keine Option um den Namen des Users zu ändern. Da muss man dann schon über die Systemsteuerung hin, aber das hat natürlich etwas gedauert bis ich das gefunden habe.

Nächster Anlauf. Druckertreiber installieren. Zum Glück von CD, denn die Online-Suche nach neueren Treibern scheitert trotz DSL, aber vielleicht ist ja wieder was mit dem Internet verkehrt, also machen wir einfach mal. Und klar, nachdem man so etwas Intusives wie einen Druckertreiber installiert hat muss man wie damals bei Windows 95 den PC wieder neu starten.

Beim Neustart erwartet mich dann auch die freudige Mitteilung, dass jetzt „Features verarbeitet werden“. Nach einiger Zeit habe ich dann für 5 Minuten die schöne Gelegenheit, diese Meldung zu bewundern.featuresDa frage ich mich dann schon, was das Ding im Hintergrund macht, wenn doch 100% schon abgeschlossen sind. Egal, weiter gehts mit dem Einloggen, doch STOP, da fehlt doch was, nämlich der Mauszeiger. Die Laserdiode an der Maus leuchtet zwar, aber trotzdem fehlt mir der Zeiger. Was mir jetzt langsam ganz mächtig auf den Zeiger geht.

Also Power-Button drücken, dann fährt die Kiste wenigstens mal in einen Schlafzustand und weiter. Hey, jetzt ist der Zeiger wieder da. Also einloggen und mal sehen. Das nächste was mir auffällt ist ein Wetterbericht aus Berlin. Stolze 31° hat es da, und das am 1. Dezember. Yeah, da mutmaßt man doch gleich, dass hier wieder mal der Herr Fahrenheit seine Finger im Spiel hat, aber es gelingt mir mal wieder nicht, diese Kachel davon zu überzeugen, dass es für mich wenn überhaupt nützlicher wäre, die aktuellen Temperaturen aus Augsburg und das vielleicht sogar in Grad Celsius zu sehen.

Nebenan sehe ich die Traffic-LED am Router wie wild blinken. Also scheint das Ding irgendwas runterzuladen. Trifft sich gut, ich würde nämlich auch gerne das Verwaltungsprogramm runterladen und installieren. Aber der Traffic geht wohl für etwas anderes drauf. Beim Durchscrollen des Startmenüs (ja, ein ganz neues Gefühl, ein Menü vertikal durchscrollen zu müssen weil es nicht auf den Schirm passt) sehe ich dann, dass hier anscheinend gerade Mincraft für Windows 10 runtergeladen wird. Und noch ein anderes Spiel. Cool, wenn man bedenkt, dass auf der Kiste angeblich die „Small Buisiness Edition“ von Windows 10 vorinstalliert ist. Also ernsthaft, ich täte gerne mit einem PC arbeiten und nicht nur zugucken, wie der sich mit sich selbst beschäftigt.

Auch der Versuch, den Acrobat Reader zu installieren scheitert, aber immerhin hat die mit dem Reader gebundelte Installation von Google Chrome geklappt, damit habe ich wenigstens einen Browser, den ich halbwegs kenne.

Also starte ich mal Google Chrome um dann den nächsten Anfall von Schnappatmung zu bekommen. Denn während das Fenster für Chrome sich aufbaut poppt über dem Icon von Microsoft Edge (dem Windows Browser) eine Art „Sprechblase“ auf die mir freudig das hier mitteilt“Edge ist 13% sicherer als Google Chrome“.

Seriously? Browsersicherheit bewertet man in Prozenten? Wie bescheuert ist das denn? Und vor allem: Wie bescheuert ist es denn, im Betriebssystem quasi einen Wächter zu programmieren, der solche extrem dummen Meldungen absetzt wenn man das Softwareprodukt eines Mitbewerbers verwendet. Da hofft man dann als Anwender ja eigenltich nur noch, dass es nur diese Meldung ist und nicht vielleicht auch noch andere „Features“ aktiviert werden die der lästigen Mitbewerber-Software das Leben schwer machen.

Für mich ist das alles ein Grauen und ich frage mich ernsthaft, wie tief die Anwender-Erwartungshaltung mittlerweile gesunken ist. Nach ein paar Sessions an diesem PC muss ich feststellen, dass produktives Arbeiten sehr schwierig ist, auch wenn man sich langsam an die diversen Merkwürdigkeiten zu gewöhnen beginnt. Und dann fällt mir ein, dass sich München ja jetzt via Stadratsbeschluß wieder von Linux als Plattform verabschiedet und ihr Heil eben genau in dieser Plattform sucht. Da werden die Münchner noch sehr viel Freude haben…

Als nächstes werde ich im Verein netzwerktechnisch eskalieren, unser Anbieter wird im neuen Jahr statt des bisherigen DSL1500 dann ein DSL18000 schalten mit IP-Telefonie und dann bremsen die diversen Verbindungen von Windwos mit „zu Hause“ (Microsoft, CIA, NSA, wer weiß das schon?) die Kiste hoffentlich nicht mehr so massiv aus wie es derzeit der Fall ist. Ich bin jedenfalls froh, dass ich daheim auf meiner Kiste ein anderes, freies und funktionales System habe.

6 Kommentare

  1. Hallo Rainer

    Na dann warte mal auf die nächste Version von Windows 10. Nach der Installation… Erweiterungen wie Classic-Shell (macht die Kacheln weg, gibt den Startknopf und die Startmenus wie unter Windows 7 zurück) funktionieren dann nicht mehr weil „inkompatibel“, muss aber nur neu installiert werden, damit es wieder funktioniert.

    Die letzten 6 Monate meckerte Windows 10 nicht nur bei mir auch nonstop, dass OneDrive (Microsofts Cloudlösung für das persönliche Datengrab) nicht fertig installiert werden könne. Wozu auch, hab ich nicht und will ich nicht.
    Aber egal… Es wurde gemeckert und gemeckert. Diverse Microsoft-Supportseiten wiesen auf eine manuelle Installation hin. Wollte ich dann auch machen, nur schon um das ewige Gemeckere „OneDrive kann nicht richtig installiert“ loszuwerden. Ging aber auch nicht, weil „inkompatible Version“.
    Ja, das glaube ich auch, das ich langsam zu Microsoft inkompatibel werde…

    Das sind „nur“ nervende Probleme.

    Wirklich mühsam wird es, das bei der Installation viele Sicherheitseinstellungen überschrieben werden und danach „Telemetrie-Daten“ an Microsoft gesendet werden, obwohl man diese „Nach-Hause-Telefonieren“-Funktionen beim Einrichten natürlich alle deaktiviert hatte.

    Das macht so alles keinen Spass mehr…. Wenn der Benutzer keine Kackeln will, sondern eine Alternative, dann soll das Microsoft gefälligst akzeptieren. Ebenso wenn der Benutzer keine Daten an Microsoft senden will. Weil diese Daten verschlüsselt gesendet werden, kann man nicht mal schauen, WAS gesendet wird. Nur Informationen zum System? Wie stabil es läuft? Prozesse oder Programme die instabil sind? Also werden nur Daten versendet, welche die Stabilität des Betriebssystems betreffen? Oder aber werden auch andere, benutzerbezogene Daten gesendet?

    Ich schätze, sofern genug Zeit übrig bleibt, ist an Weihnachten mein Notebook fällig…. Für ein Ubuntu oder so… Als USB-Stickinstallation lief es schon mal sehr gut auf dem Notebook. Das Einrichten verlief für mich ohne grossen Linuxkenntnisse flott… Wenn ich dran denke, wie lange ich das Notebook mit damals Windows8 einrichtete (Netzwerk, Drucker, Email) und wie lange es mit dem Ubuntu-USB-Stick ging… Etwa gleich lang, aber bei Ubuntu musste ich auch erst den einen oder anderen Kniff nachlesen.

    • Tja, darum habe ich daheim auf meiner Kiste ein anständiges Linux (openSUSE aktuell) und Windows 7 fristet sein Dasein in einer virtuellen Maschine die ich nur dann starte, wenn ich tatsächlich was mit diesem Vereinsverwaltungsprogramm tun muss. Klar, auch bei Linux läuft nicht alles rund, aber zumindest kann ich nachschauen woran es liegt und da programmiert auch keiner Trigger ein die Meldungen aufpoppen lassen wenn man eine Software startet die von der Konkurrenz ist. 😉
      Nee, soll der Mainstream ruhig vor Windows versauern, ich hingegen will arbeiten und das kann ich deutlich besser mit einem System das tut was ich will und nicht was es glaubt dass ich will.

  2. Gibt es eigentlich ordentliche Vereinsverwaltungssoftware für Linux?
    Buchhaltung ist dann ja auch so ein Thema …

    • Im Prinzip dient die Verwaltungssoftware vom Dachverband hauptäschlich der Meldung unserer Mitglieder an den selbigen. Ok, ein schönes Feature ist auch der Bankeinzug der Beiträge. Aber sonst?
      Adressen exportiere ich, damit ich meine Serienbriefe an die Mitglieder mit LaTeX schreibe. Das geht problemlos und man kann durch ein paar IF-THEN Konstrukte sogar den Anschein erwecken, als wäre es ein individueller Brief. 😉
      Buchhaltung mache ich seit Jahren mit Kivitendo (vorher LX-Office). Das funktoniert recht gut für unseren kleinen Verein und ich habe jederzeit die Möglichkeit zusehen, wie es um die Finanzen bestellt ist. Und ich könnte damit sogar auch den Lastschrifteinzug machen.
      Im Endefekkt bleibt also ein Windows-Programm das hauptäschlich die Kommunikation mit dem Dachverband vereinfacht. Wäre die Schnittstelle offen könnte ich das wohl auch mit freier Software bewerkstelligen.

    • Für mich schon. Es müssen aber auch Nicht-Nerds an diesem PC arbeiten… und die sind bestimmt damit überfordert.