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Kapitalistische Bauklötze

Wir haben ja gerade Besuch aus Italien bei uns. Und morgen wollen die ins Legoland in Günzburg fahren, denn das ist ja „gleich um die Ecke“ und der Sohn unseres Besuches interessiert sich noch für Lego. Also habe ich heute Abend versucht, die Eintrittskarten online zu buchen. Ganz ehrlich, ich bin mir mächtig verarscht vorgekommen.

Steigen wir also ein und klicken auf diesen Link um eine Übersicht über die Tickets zu bekommen. Da steht dann auch gleich was zu den Eintrittspreisen vor Ort:

Eintrittspreise vor Ort: Erwachsene 47,50€, Kinder 42,00€

Ganz schön heftig, da erscheint das Online-Angebot doch günstig, wie der nachfolgende Screenshot zeigt.

Intro

Hier gibt es das Ticket schon für 35,50 € bei Einzelpersonen wie wir links sehen. Also klicken wir mal auf „Jetzt kaufen“. Da geht dann ein Overlay-Fenster auf das mir folgendes anzeigt:

Schritt-2Schwupps, sind aus 35,50 € plötzlich 36,95 € geworden. Da reibt man sich doch verwundert die Augen und geht nochmal zurück. Ach ja, da oben steht ja „ab“. Und ohje, auch hier steht wieder „ab“ vor dem stolzen Preis von 36,95€. Mal sehen wie das weiter geht. Also klicken wir auf  „Jetzt kaufen“. Immerhin ist der Button ja jetzt grün und nicht mehr rot, also haben wir mal Hoffnung. Der Inhalt des Overlay-Fensters wechselt zu:

Verarscht

Das nenne ich mal eine flotte Inflation. Innerhalb von 2 Mausklicks ist der Eintrittspreis um 5,75 € teurer geworden, also 16% Aufschlag. Aber wenigstens ist jetzt geklärt, dass Kinder ab 12 Jahren bei Legoland schon als Erwachsene angesehen werden. Das wird die Kinder bestimmt freuen, wenn sie so früh erwachsen werden.

Für mich wäre an diesem Punkt des Bestellvorgangs die Schmerzgrenze erreicht gewesen, aber da unsere italienischen Gäste unbedingt da hin wollen habe ich weiter gemacht. Auf der nächsten Seite dann der Hinweis, dass man auch ein „Parkplatzticket“ online dazu buchen kann, für den Schnäppchenpreis von nur 6 € kann man also sein Auto auf dem Parkplatz vom Legoland abstellen. Da hoffe ich doch mal, dass das nicht Schule macht und demnächst auch andere Orte wie Ikea oder mein örtlicher Supermarkt auf die glorreiche Idee kommen, ihre Parkplätze gebührenpflichtig zu machen.

Die anderen Offerten habe ich dann gar nicht mehr angesehen, denn das allein ist schon teuer genug. Also gehen wir mal zur Kasse und schließen den Bestellvorgang ab. An dieser Stelle will Legoland eine ganze Menge Daten haben, wie der folgende Screenshot zeigt:

zuviel-daten

An dieser Stelle frage ich mich dann, ob Legoland schon mal was von der EU-weiten Datenschutzgrundverodnung (DSGVO) gehört hat. Name und Mail-Adresse erscheinen mir bei einem Online-Einkauf ja noch legitim, aber warum will Legoland meine Postanschrift und sogar meine Telefonnummer haben..? Ist das sozusagen der Deal dass ich diese Daten rausrücke um bei der Online-Bestellung gegenüber der Kasse vor Ort 6,25 € zu sparen? Ich glaube nicht, dass ich zum Lösen eines Tickes an der Kasse vor Ort meine Telefonnummer oder gar Postadresse angeben muss, also warum müssen diese Daten online erhoben werden..? Laut der Datenschutzerklärung von Legoland ist das der Grund:

„Ihr Name, Ihre Adresse, Ihre Telefonnummer und Ihre E-Mailadresse, um Ihnen Buchungsbestätigungen zuzuschicken oder notfalls mitzuteilen, dass wir wegen Ihrer Buchung dringend Kontakt mit Ihnen aufnehmen müssen.“

Was auch immer Legoland mir mitzuteilen hat, dafür reicht meine Mailadresse.

Nun denn, wenn unser Besuch den Ausflug morgen überstanden hat, dann werde ich mich schon erdreisten eine entsprechende Anfrage an Legoland zu stellen und dann auch auf die Löschung meiner Daten zu bestehen.

Und die Methode mit jedem Schritt im Bestellprozess den Preis anzuheben mag nach BGB und Handelsrecht ja möglich sein, denn so weit ich weiß kommt der Vertrag dann zustande wenn ich auf das Preisangebot eingehe und den geforderten Preis bezahle. Aber ganz ehrlich, was Legoland da abzieht ist in keinem Fall eine vertrauensbildende Maßnahme, ganz im Gegenteil. Hier wetzt offensichtlich der Raubtier-Kapitalismus seine Krallen und geht auf Gewinnmaximierungskurs. Nun ja, morgen abend werden wir sehen, ob der Preis gerechtfertigt ist oder nicht.

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