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Warum ich mir den Luxus eines Blogs leiste

So ein Blog ist ja durchaus ein schönes Hobby, aber leider auch mit ein wenig Kosten verbunden, zumindest wenn man es selbst hostet. Gestern Abend hatte ich dann allerdings wieder so ein Erlebnis das mir wieder mal gezeigt hat, wie wichtig es ist, ein Blog zu haben. Denn hier kann ich schreiben was mich bewegt und muss nicht befürchten, dass es wegzensiert wird. Denn genau das ist mir gestern abend auf Facebook passiert.

Die Diskussion um den Kapitän Reisch schlug mal wieder einiges an Wellen und so konnte ich nicht umhin, mich in den Sumpf der menschenverachtenden Kommentar zu bewegen und auch ein paar Kommentare zu schreiben. Wenn ich dann heute mein Facebook-Aktivitätenprotokoll anschaue, dann fehlen mir da plötzlich zwei Kommentare.

Der erste war eine Antwort auf einen Kommentator dem ich nahegelegt hatte, dieses 4-seitige Papier zum „Völkerrechtliche Verpflichtung zur Seenotrettung“ zu lesen. Auf seine Antwort dass er lieber Klopapier als das lesen würde konnte ich mir dann nicht verkneifen nachzufragen ob es sich dabei um benutztes oder unbenutztes Klopapier handelt, denn ersteres würde so manchen Kommentar in diesem Forum erklären. Tja, anscheinend glaubt bei unserem Presseorgan dessen Artikel wir hier kommentiert haben jemand, dass so ein Kommentar zu, ja was eigentlich ist, und deshalb entfernt werden muss.

Der zweite Kommentar hingegen war mir durchaus wichtig. Denn einer der Mitdiskutanten versuchte mal anzudeuten, dass wir vielleicht andere Probleme als nur die Flüchtlinge haben. Wo er zweifellos recht hat und daher wollte ich in meinem (dann leider auch zensierten Kommentar) auf die Methode der Populisten von AfD und CSU hinweisen.

Dazu bemühte ich ein Zitat des Reichsmarschalls Hermann Göring (1893-1946) der da sagte:

„Natürlich, das einfache Volk will keinen Krieg […] Aber schließlich sind es die Führer eines Landes, die die Politik bestimmen, und es ist immer leicht, das Volk zum Mitmachen zu bringen, ob es sich nun um eine Demokratie, eine faschistische Diktatur, um ein Parlament oder eine kommunistische Diktatur handelt. […] Das ist ganz einfach. Man braucht nichts zu tun, als dem Volk zu sagen, es würde angegriffen, und den Pazifisten ihren Mangel an Patriotismus vorzuwerfen und zu behaupten, sie brächten das Land in Gefahr. Diese Methode funktioniert in jedem Land.“

Und dann erdreistete ich mich noch darauf hinzuweisen, dass man natürlich vermeidet, die anderen (viel schlimmeren) Probleme in Deutschland zu erwähnen, denn dann hätte die CSU die ja mittlerweile 13 Jahre an der Regierungskoalition mitbeteiligt ist einen gewissen Erklärungsnotstand wenn sie sagen müsste, warum diese Probleme überhaupt da sind und was sie bislang zu deren Behebung getan haben.

Da ist es doch viel bequemer, wenn man den Feind von außen definiert, in diesem Fall eben die „Flüchtlinge“, denn für die kann man ja selbst nichts. Der beste Sündenbock den man sich vorstellen kann, lenkt wunderbar vom eigenen Versagen in der Politik ab.

Tja, jetzt stelle ich mir nun die Frage ob mein Kommentar wegen des Göring-Zitats wegzensiert wurde oder weil ich mich erdreistet habe, die CSU bloßzustellen. Der Zensurprozess bei Facebook ist ja nicht wirklich transparent, man merkt bestenfalls mal dass was fehlt, warum es aber plötzlich weg ist weiß man nicht. Natürlich ist mir klar, dass ich mit dem Zitieren von Göring mich in Richtung „Godwin’s Law“ bewege, andererseits ist das ein historisch belegtes Zitat und sollte vielleicht genutzt werden um daraus zu lernen und die hetzerische Propaganda als solche zu demaskieren.

Egal, jetzt steht dieser Gedankengang in meinem Blog und ist daher erst mal vor übereifrigen Zensoren sicher. Und ich bin um eine Erfahrung reicher, weiß jetzt, was Artikel 5 GG im Bezug auf Facebook wert ist, nämlich anscheinend nichts.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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