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Wieviele Social-Networks braucht der Mensch?

Momentan sprießen überall neue Social Networks. Facebook ist bei vielen eh verpönt, über Google+ wird gelächelt und Twitter macht gerade seine Userbasis sauer. Viele denken ans Abwandern, ein neuer Stern am Himmel der Social Networks könnte „ello“ werden, aber das ist noch beta und nur per Invite zu benutzen. Auf der anderen Seite gibt es nun Quitter was optisch dem klassischen Twitter sehr ähnelt und wohl für die schnellentschlossenen Umsteiger gedacht ist. Tja, und dann haben wir natürlich noch Diaspora, Flickr, Pinterest, LinkedIn, Tumblr und wie sie alle heißen mögen. Ich habe daher neulich mal auf Twitter die Frage aufgeworfen, wieviele soziale Netzwerke der Mensch braucht.

Die antwort kam lustigerweise nicht über Twitter sondern als Blogeintrag bei Plasient:

Ein (digitales) soziales Netzwerk reicht – das Internet.

Hier regt sich in mir der Widerspruch, denn das Internet ist das Medium, aber eben nicht automatisch das soziale Netzwerk. Das Internet transportiert die Inhalte, aber was die Inhalte für uns bedeuten legen wir fest und die diversen oben erwähnten sozialen Netzwerke geben uns die Möglichkeit, mit anderen Nutzern dieses Internets zu interagerien. Oh ja, Julia kann da ganze Dissertationen drüber schreiben. Für mich ist es zu global gegriffen das Internet selbst als soziales Netzwerk zu sehen, auch im Hinblick auf den Trend zum Internet der Dinge, den ich kann es mir nicht vorstellen, z.B. mit meinem vernetzten Kühlschrank (wenn ich einen hätte) zu interagieren.

Das Problem ist aber nun, dass jedes dieser liebgewonnenen Netzwerke auch ein Zeit- und Aufmerksamkeitsfresser ist. Ich selber nutze gerne Twitter für den täglichen Spaß und die vielen kleinen Weisheiten die man in 140 Zeichen unterbringt, für tiefschürfende Fachdiskussionen bin ich eher auf LinkedIn unterwegs. Facebook nervt eigentlich nur und die Euphorie für Google+ hat nach den Enthüllungen von Edward Snowden auch einen Dämpfer erhalten. Diaspora wäre eine Alternative, aber eigentlich fehlt mir hier schon die Zeit, das auch noch aktiv zu beackern. Meine Frau schwört auf Pinterest weil sie dort viele Tolle Anregungen für ihre Handarbeiten bekommt, wenn ich Pinterrest aufmache werde ich von einer Bilderflut erschlagen und sehe eigentlich auf den ersten Blick nichts, was tatsächlich mein tieferes Interesse wecken würde. Und auch die Möglichkeit jetzt anderen Usern Nachrichten schicken zu können ändert nix daran.

Twitter hat allerdings momentan ein Imageproblem, und die Nutzer sind entsprechend angefressen. Neulich gab es sogar einen #Twitterstreik der allerdings vollständig im Rauschen untergegangen sein dürfte. Auch wenn ich selbst von den Entscheidungen des Twitter-Managements absolut nichts halte, so ist der Schmerz doch nicht groß genug um hier die Zelte abzubrechen und woanders wieder aufzuschlagen. Monika hat das neulich sehr gut formuliert:

Und wie schon oben erwähnt bleibt das Problem das jeder von uns nur einen 24-Stunden-Tag hat und man neben dem sozialen Netzwerk auch noch ein „real life“ hat das Schlaf braucht, wo man arbeiten muss und natürlich auch echte Menschen hat, die mit einem etwas unternehmen wollen. Daher muss ich für mich sagen, mir reicht mein aktueller Aufwand für social networks voll und ganz, noch mehr würde eigentlich nicht mehr Spaß machen, sondern eher nur mehr Stress machen weil man dann eben noch mehr in die Welt des Netzes abdriftet statt in die Welt um einen herum. Auf die Social Networks komplett verzichten will ich aber auch nicht, denn neben netten Diskussionen sind sie für mich neben meinen RSS-Feeds auch die Nachrichtenquelle die mir Informationen abseits der Mainstream-Propaganda gibt.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

4 Kommentare

  1. Ein einziges Netzwerk würde mir voll ausreichen. Eine Art „Weltnetzwerk“, das unabhängig und dezentral betrieben wird, als freie Software für jeden verfügbar. Wenn dort die meisten erreichbar wären, … das wäre mein Traum.

    Meinen Twitter Account habe ich vor einem Jahr gelöscht, auf G+ treibe ich mich auch immer seltener herum. Derzeit hat Diaspora* meine volle Aufmerksamkeit – aber zugegeben: Für die Masse ist das noch nichts :-/ …

    • Die Erreichbarkeit ist ja eigentlich nicht das Problem, Mail und Messaging Dienste wie XMPP funktionieren ja eigentlich auch ohne ein „soziales Netzwerk“. Die Crux bei den sozialen Netzwerken ist ja eher das, dass Du Dinge mitteilst die für andere möglicherweise interessant sind ohne irgendwen tatsächlich direkt zu adressieren. Oder Du suchst Antworten auf Fragen ohne genau zu wissen, wen Du fragen könntest. Hier sind soziale Netzwerke durchaus gut einzusetzen da wir eine für uns möglicherweise sogar unbekannte Anzahl von Menschen erreichen können. Aber die peer-to-peer-Kommunikation zwischen zwei Leuten, da brauche ich nicht wirklich ein soziales Netzwerk, da tut es einfach eine Nachrichtentransportmedium, im schlimmsten Fall die Snail Mail.
      Diaspora ist ein Schritt weg von den Konzernriesen und durchaus hin und wieder mal einen Besuch wert. Ich stelle jedenfalls fest, dass ich mich öfter auf Diaspora als auf Google+ rumtreibe. Da meine Blogpostings hier aber immer auch ein Posting auf Google+ nach sich ziehen wächst da die Anzahl derer die mich eingekreiselt haben obwohl ich Google+ derzeit eigentlich nur als Announcement-Plattform für meine Blogartikel nutze.

  2. Soweit Zustimmung. Erstaunlich ist weiterhin, daß es immer (kommerzielle) Neugründungen sozialer Netzwerke sein müssen und die bestehenden Alternativen von der Menge (oder besser gesagt von den Multiplikatorknoten) gar nicht erst ausprobiert werden. Indenti.ca (Twitterersatz) dümpelt ebenso vor sich hin, wie Diaspora als Facebook-, Twitter- und Tumblrersatz. Auch unter dem Aspekt, daß man von Diaspora automatisiert auf Twitter (und Tumblr) crossposten kann, man also seine alte Followergemeinde nicht schlagartig verliert. Auch scheint Datenhoheit weiterhin kein Argument zu sein, sich nach freien Alternativen umzusehen, denn auch neue Sozialnetze müssen ihr Geld mit irgendetwas verdienen.

    Es ist ähnlich wie bei den Officepaketen. Alle benutzen das kostenpflichtige MS-Officepaket, obwohl für 99% aller Nutzer LibreOffice mehr als ausreichend wäre.

  3. Pingback: Wie viele Social Networks brauchen wir? | Burkhard Asmuth