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Schafft die Bundesjugendspiele ab

Ich kann mich noch gut an meine Schulzeit erinnern und das jährliche Sportfest unter dem Titel „Bundesjugendspiele“ bei dem ich allerdings eher die hinteren Ränge belegte da der Schulsport mir von je her ein Grauen war. Ich war schon sportlich, in meiner Freizeit spielte ich gerne Tischtennis was aber wohl für den Schulsport ungeeignet ist. Und in den Mittagspausen trafen wir uns sogar mit den Mädels aus der Parallelklasse um Volleyball zu spielen, aber auch das ist keine Disziplin für die Bundesjugendspiele. Da geht es eher um die klassische Leichtathletik, die für mich aber eben alles andere als „leicht“ war. Und daher habe ich eben an diesem Sportfest mit sehr geringer Motivation teilgenommen, Auswege gab es ja leider nicht. Doch nun gibt es eine Online-Petition zur Abschaffung der Bundesjugendspiele.

Eingereicht hat diese Petition Christine Finke  die auf Twitter als @Mama_arbeitet bekannt ist. Sie hat auch gleich einen Blogbeitrag zu ihrer Petition verfasst mit für mich sehr einleuchtenden Argumenten, darum habe ich die Petition auch mitgezeichnet. Nach nur einer Woche hat die Petition über 17.000 Mitzeichner, und auch andere BloggerInnen haben sich mit diesem Thema befasst. Die Autorin Pia Ziefle schreibt zum einen, dass mit dieser Einzelbewertung der Schüler mal wieder gar nichts für den Teamgeist getan wird. Und sie schreibt dort auch über die fürchterlichen Hackordnungen und das Mobbing das gegen die sportlich Schwachen gemacht wird. Und heute schob sie noch einen Artikel nach in dem sie appeliert, die Kinder auch mal Kinder sein zu lassen und sie nicht zu Hochleistungsmaschinen zu züchten.

Auch in das Hochbegaungs-Blog bei den Scienceblogs hat es die Petition geschafft. Tanja Gabriele Baudson erläutert hier, dass die Bundesjugendspiele wohl nicht das Problem sind, sondern das Schulsystem an sich hier krankt. Natürlich ist unser Schulsystem das Problem möchte man da rufen, aber das gesamte System zu ändern ist eine Aufgabe die man auch als „Misison Impossible“ bezeichnen kann, die Bundesjugendspiele abzuschaffen ist hingegen ein sehr konkretes und auch messbares Ziel.

Was allerdings unter aller Sau ist, sind die Anfeindungen die Christine Finke nach dem Start ihrer Petition in den verschiedenen sozialen Netzen bekommen hat. Da frage ich mich dann schon, welches Demokratie-Verständnis die Leute haben die sich mit unterirdischen Kommentaren oder sogar Nazi-Vergleichen outen. Was allerdings auch wieder ein deutliches Zeichen ist, wie kaputt unser Bildungssystem ist wenn es solche Leute produziert.

Ihr dürft übrigens gerne auch die Online-Petition mitzeichnen. Oder auch nicht, je nachdem was ihr davon haltet. Freiheit definiert sich ja auch als Freiheit etwas von dem man nicht überzeugt ist nicht zu unterstützen.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

2 Kommentare

  1. Ich habe ganz kurz einen Blick auf die mehr als nur polemischen Kommentare bei Christine Finke gewagt und kam mir vor, als wenn ich einer Sportumkleide gelandete wäre.

    Dasselbe Niveau, wie in meiner Schulzeit…………. :roll: bäh!

    und gerade deswegen habe ich unterschrieben. Vielleicht stößt dies ja doch mal zum Umdenken an!

    Zitat: „Natürlich ist unser Schulsystem das Problem möchte man da rufen, aber das gesamte System zu ändern ist eine Aufgabe die man auch als “Misison Impossible” bezeichnen kann, die Bundesjugendspiele abzuschaffen ist hingegen ein sehr konkretes und auch messbares Ziel.“

    och, ich hätte da noch eine weitere Mission Impossible zu bieten!

    Schreib ich aber lieber per mail 😉 ist wirklich absolut OT

  2. Carsten Kettner

    02/07/2015 @ 09:00

    Ich persönlich halte diese Aufregung rund um die BJS für ausgemachten Schwachsinn, aber was soll’s.

    Zitat: Was allerdings unter aller Sau ist, sind die Anfeindungen die Christine Finke nach dem Start ihrer Petition in den verschiedenen sozialen Netzen bekommen hat. Da frage ich mich dann schon, welches Demokratie-Verständnis die Leute haben die sich mit unterirdischen Kommentaren oder sogar Nazi-Vergleichen outen. Was allerdings auch wieder ein deutliches Zeichen ist, wie kaputt unser Bildungssystem ist wenn es solche Leute produziert.“

    Da gebe ich Dir allerdings absolut recht: Die Freiheit, anders zu denken und dies auch zum Ausdruck zu bringen, ist unantastbar und gehört zum Wesen einer mehr oder weniger freien Gesellschaft. Auch ich bevorzuge einen offenen Diskurs. Leider schiessen viele aus der Anonymität des Internet auf Andersdenkende. HIer ist es insbesondere die Form der Auseinandersetzung und relfektiert einen gewissen Mangel an Erziehung. Möchte gerne wissen, ob die gleichen, die sich in Blogs so produzieren, sich ebenso forsch bei „echten“ Veranstaltungen echauffieren. Es ist eher davon auszugehen, dass hier geschwiegen und gekuscht wird, und im Zweifelsfalle hält der Stammtisch für entsprechende Parolen her. Die Feigheit, in der Öffentlichkeit zu sagen, was man denkt, hat erschreckende Ausmaße angenommen.