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Noch ein Dummschwätzer zum Thema Flüchtlinge

Mittlerweile liest man ja jeden Tag irgendwo einen dummen Kommentar zu der Situation der Flüchtlinge. Oft genug sind solche Kommentare von irgendwelchen Hohlbirnen geschrieben worden deren IQ sich noch unterhalb der Zimmertemperatur bewegt, es wäre also eine Sisyphusarbeit, wollte man sich mit jedem dieser Vollidioten argumentativ auseinandersetzen. Und natürlich wäre es auch unfair sich mit einem Unbewaffneten auf intellektueller Ebene zu duellieren. Heute hat aber ein Dummschwätzer von ganz anderem Format etwas abgesondert, gegen das ich auf jeden Fall argumentativ gegenhalten muss, denn es ist so ekelhaft, dass Widerstand zur Pflicht wird. Dieser Dummschwätzer war der ungarische Regierungschef Viktor Orban und er meinte „Es gibt kein Grundrecht auf ein besseres Leben, nur ein Recht auf Sicherheit und Menschenwürde.

Meine Fresse, was für eine selten dämliche Ansage. Da wünsche ich mir ja schon fast reflexhaft, dass es Orban genauso ergehen wird wie dem ehemaligen deutschen Innenminister der ein „Grundrecht auf Sicherheit“ herbei fabulieren wollte.

Ja, Herr Orban, sie haben natürlich recht. Es gibt kein gesetzlich verbrieftes Grundrecht auf ein besseres Leben. Genauso wenig wie es ein Grundrecht gibt, dass ich atmen darf. Sowohl Atmen als auch der Wunsch seine jeweilige Situation zu verbessern sind jedoch die Triebfedern des Lebens. Unsere Wirtschaft hat es zur Ideologie erkoren, ständig zu verbessern und jedes Lebewesen auf diesem Planeten strebt danach, seine Position zu verbessern.

Maslowsche Bedürfnispyramide

Maslowsche Bedürfnispyramide (Quelle: Wikimedia)

Der amerikanische Psychologe Abraham Maslow hat sich im letzten Jahrhundert mit den menschlichen Bedürfnissen auseinandergesetzt und als Ergebnis davon die nach ihm benannte „Maslowsche Bedüfnispyramide“ aufskizziert, so wie wir sie nebenstehend sehen. Ich habe das noch um ein weiteres Grundbedürfnis erweitert, was haben wir vor einem Jahr noch gelacht, also man „WiFi“ da angeflanscht hatte, doch die aktuelle Situation der Flüchtlinge zeigt, dass diese Idee gar nicht so daneben ist wie man zunächst annehmen möchte. Die Fähigkeit zu kommunizieren, besonders wenn man sich in einer Situation wie die Flüchtlinge befindet ist durchaus als Grundbedürfnis zu werten. Was aber an der Maslowschen Hierarchie der Bedürfnisse auch bedacht werden muss ist, dass man den nächsthöheren Level erst erreichen kann wenn man den aktuellen Level „etabliert“ hat. So wie man beim Videospiel erst mal Level 1 abschließen muss um nach Level 2 zu kommen, so muss man laut Maslow erst mal seine physiologischen Bedürfnisse (Essen, Schlafen, Herberge) befriedigt haben, bevor man sich höheren Ebenen zuwenden kann. Und natürlich werden nicht alle Menschen die Spitze dieser Hierarchie erreichen, denn der Schwierigkeitsgrad wir höher je höher man kommt. Aber jemandem das Streben nach höherem verwehren zu wollen, so wie Orban das unterschwellig formuliert ist quasi ein Rücksturz ins finsterste Mittelalter. Also den Zustand als das, was ein Mensch erreichen kann von seiner „Geburt“ abhängig war, Adelige starten gleich auf Level 5 und das niedere Volk hat für immer und ewig das niedere Volk zu bleiben. Ein System, von dem ich dachte, dasss wir es im Rahmen der zivilisatorischen Entwicklung längst hinter uns gelassen haben.

Was auch bedacht werden muss ist, dass wir ja erst mal gar nicht wissen, auf welcher Stufe dieser Bedürfnishierarchie der individuelle Flüchtling war als ihm der von anderen Mächten aufgezungene Krieg im Wortsinn seine Pryramide zerstört hat und ihn zurück auf Level 1 mit dem Handicap der Flucht geworfen hat. Da wäre es doch nur fair und menschlich, wenn wir dem Flüchtling dazu verhelfen, wenigstens seinen früheren Status Quo wieder zu erlangen und ihn nicht wie ein Stück Vieh zu behandeln mit dem man sich jetzt leider zwangsweise auseinandersetzen muss.

Was Orban da abgesondert hat sollte eigentlich einen globalen Shitstorm auslösen. Tatsächlich bekommt dieser Vollpfosten aber dann sogar vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer eine Einladung zur nächsten Klausurtagung um eine „Lösung“ für das Flüchtlingsproblem zu finden. Sorry, aber wer so unterirdisch wie Viktor Orban argumentiert sucht nicht nach Lösungen sondern will sich nur die Probleme vom Hals schaffen. Klar, dass er mit diesen markigen Sprüchen bei der CSU gut ankommt, einer der CSU-Politiker kam ja diese Woche auch mit der grandiosen Idee, Flüchtlinge wieder nach Syrien abzuschieben weil es da ja noch Gegenden gibt wo noch nicht alles zerstört ist.

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Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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