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Die Kampfdrohnen kommen

Momentan wird im Bundestag heftig darüber diskutiert, ob die Bundeswehr Kampdrohnen anschaffen soll oder nicht. Die Propagandamaschinerie unterstützt diese Meinungsmache mit Artikeln wie „Drohnen machen Kriege weniger inhuman“ in denen dem Bürger dann erklärt wird, dass wir ja selbstverständlich uns an die Gesetze und das Völkerrecht halten werden und die Drohnen nur zum Schutze unserer Soldaten da sind. Und deswegen sind Kampfdrohnen gut und müssen angeschafft, oder wie nun zu vernehmen war „geleast“ werden. Mir selbst kommt da nur noch das kalte Grausen.

Zunächst einmal müssen wir feststellen, dass das Gefasel von „weniger inhumanen Kriegen“ absoluter Bullshit ist. In Kriegen sterben Menschen weil irgendwelche Konfliktparteien unfähig sind, ihre Differenzen auf friedliche Weise beizulegen. Und wenn Menschen gewaltsam sterben, dann skaliert das nicht von „mehr zu weniger inhuman“, es ist einfach schrecklich für den Betroffenen und seine Familie.

Das Ammenmärchen von der „Schutzdrohne“ kann man sich auch sparen. Es hat den schalen Beigeschmack des Weichmachers, so wie man uns damals den Einsatz am Hindukusch erst mal als humanitären Hilfseinsatz verkauft hat. Als dann der erste Soldat in der Holzkiste heimkehrte nannte man es „robuster Sicherungseinsatz“ und erst nach weiteren Opfern auf der deutschen Seite hatte man genügend Mumm, es als das zu bezeichnen was es wirklich ist, nämlich ein Kriegseinsatz.

Genauso wird es mit den Drohnen gehen. Warum bitteschön sollten Soldaten noch ihren Arsch riskieren wenn man doch eine Drohne schicken kann die das ganze schön ferngesteuert erledigt? Wenn die Technologie erst mal zur Verfügung steht wird sie Begehrlichkeiten wecken und die werden umgesetzt werden, darauf kann man wetten. Damit verschiebt sich, wie es heute ein Leser auf den NachDenkSeiten schon formuliert hat, auch der Angriffsvektor des „Feindes“, statt die Patroullie vor Ort anzugreifen wird man nun als Prio-1-Ziel die Steuerzentrale der Drohnen angreifen und damit womöglich den Kriegsschauplatz importieren. Und wenn so etwas passiert wird man mit Sicherheit wieder vom „feigen Hinterhalt“ reden, wie schon so oft in diesen verlogenen Kriegen.

Drohnen verschieben damit die Symmetrie der militärischen Konflikte und damit lasen wir dem Gegner nur noch die Option des Guerilliakampfes. Eben genau das was wir als „feigen Hinterhalt“ bezeichnen, aber durch unseren massiven High-Tech-Krieg auf unserer Seite und der schlechteren Ausrüstung der „Gegenseite“ bleibt dieser ja kaum eine andere Option übrig.

Auch der Hinweis auf die Rechtslage die ja „böse Drohneneinsätze“ verbietet ist ziemlicher Humbug. Gesetze können geändert werden, oder man maßt sich an, sie schlicht und einfach zu ignorieren, so wie eben die USA das Völkerrecht täglich ignoieren und dabei keine Konsequenzen der ach so zivilisierten internationalen Gemeinschaft befürchten müssen.

Statt die Bundeswehr mit High-Tech aufzurüsten und somit den Hass der Gegenseite weiter anzustacheln – ich behaupte jetzt einfach mal dass ein schier übermächtiger Gegner in (für eine Seite) religiös motivierten Konflikten nicht zur Resignation sondern zum unbändigen Angriffswillen führt – sollten wir vielleicht mal hinterfragen, warum wir Soldaten an jeden Krisenherd der Welt schicken müssen? Und zwar vernünftig überlegen und nicht nur die Propagandasprüche eines Herrn Gauck und der anderen Kriegstreiber nachzuplappern.

Dieser Planet hat aktuell ganz andere Probleme, aber statt nach Lösungen zu suchen scheinen sich unsere Politiker darauf zu verlegen, sich für den finalen Kampf zu rüsten in der Hoffnung dabei relativ ungeschoren davon zu kommen. Die Zeche zahlen wir als Steuerzahler und die Soldaten die in sinnlose und völkerrechtswidrige Kriege geschickt werden weil man ihnen und dem Volk dummdreise Lügen erzählt.

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

1 Kommentar

  1. Carsten Kettner

    04/07/2014 @ 07:33

    Vollständige Zustiimmung zu Deinen Zeilen.
    Darüber hinaus fallen mir zum Thema Drohnen noch zwei Aspekte ein:
    1. Drohnen werden gerne in die Kategorie „Defensivwaffen“ einsortiert. Mir ist nie klar geworden, worin der Unterschied zwischen Defensivwaffen und Offensivwaffen besteht. Beide schiesse nach vorne mit dem Ziel den Gegner auszuschalten. Und beide schiessen zu jeder Zeit und nicht in Reaktion auf Beschuss. „Defensivwaffen“ passt also in dieselbe Kategorie wie „humaner Krieg“: Bullshit.
    2. Die Anschaffung von Drohnen passt doch ins Konzept von unserer Mutti der Armee: Halbtagssoldaten lenken dann im Homeoffice, die Zwerge auf dem Schoss, Drohnen, um damit die bösen Terroristen zu eliminieren oder um in Putins Vorgarten die Tulpen zu zählen. Krieg führen ist damit unabhängig von Ort und Zeit. Da kann man zwischen KiTa und Yoga auch noch mal eine Drohne losschicken…
    Und ja, das hört sich absurd an, aber wie weit weg sind wir noch von Absurdistan?