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Bahnsteigkarte für das Klima

Diesen Blogartikel beginne ich mit einem Zitat von Lenin:

„Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas, wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte !“

Hintergrund für diese Einleitung ist das Vorhaben von Schülern, am 18. Januar bundesweit dem Beispiel von Greta Thunberg zu folgen und statt zur Schule zu gehen ihrem Beispiel zu folgen und gegen die unzureichende Klimapolitik zu demonstieren. Auch hier in Augsburg soll demonstriert werden und im Vorfeld wird nun überlegt, was es für Konsequenzen hat, wenn man als Schüler an dieser Demonstration teilnimmt.

Peter Kempf, Ministerialbeauftragter für die Gymnasien in Bayer sieht das wohl so: „Natürlich gibt es das Demonstrationsrecht. Aber dafür steht den Schülern nicht die Unterrichtszeit zur Verfügung“.  Im einer mir vorliegenden Mail aus dem Kultusministerium werden die Schulleiter dann auch aufgefordert, keine Befreiuungen wegen dieser Demonstration zu geben und einem unentschuldigten Fehlen mit den üblichen Erziehungs- und ggf. Ordnungsmaßnahmen zu begegnen.

Natürlich sind die Schüler jetzt in einer Position in der sie abwägen müssen, was sie tun wollen. Auf der einen Seite kann man natürlich jetzt das Argument ins Feld bringen, dass es den Schülern gar nicht um den Klimaschutz geht sondern viel mehr um das Schwänzen des Unterrichts. Denn wenn es um den Klimaschutz ginge könnte man dafür natürlich auch seine Freizeit „opfern“. Hier sehe ich aber auf der anderen Seite auch die nicht von der Hand zu weisende Argumentation, dass die an der Demonstration teilnehmenden Schüler bewußt eine Sanktionierung ihres Verhaltens in Kauf nehmen weil ihnen die Sache wichtiger als eine „weiße Weste“ in der Schülerkartei erscheint.

Außedem einnert das Argument „Mach das in Deiner Freizeit“ eben irgendwie an das „Kauf Dir erst mal eine Bahnsteigkarte“ von Lenin. Dieses „Freizeit“-Argument ist auch in etwa so hilfreich wie „Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr sollen doch bitte nach Betriebsschluß und nicht zur Rush-Hour stattfinden“ das man unlängst ja auch hin und wieder zu hören bekam.

Natürlich ist mir auch klar, dass ein Schulleiter sich auf die Schulpflicht berufen muss und nicht sagen kann „dann geht mal schön demonstrieren“. Ein Ausweg wäre vielleicht, dsa ganze im Rahmen des Unterrichts zur politischen Bildung als Schulveranstaltung zu deklarieren, aber die Chancen dass so etwas passiert sind wohl eher gering.

Auf der anderen Seite muss ich nur aktuell aus dem Fenster sehen um eine „markante Wetterlage“ zu sehen, die wohl auch eine Folge des Klimawandels ist. Natürlich gab es auch früher Schnee im Winter, aber rein subjektiv gefühlt bleiben heute bei solchen Wettersituationen viel öfter die Schulen geschlossen als damals. In meiner Jugend sind wir auch bei 1m Schnee noch irgendwie in die Schule gegangen, heute wäre das wohl ein Grund, nicht zur Schule zu gehen. So gesehen erscheint es mir eigentlich legitim, dass Schüler eben auch demonstrieren und vielleicht ein Signal senden wollen, dass Schule wichtig ist, aber nur dann Sinn hat wenn dieser Planet auf Dauer für uns Menschen bewohnbar bleibt.

Wir werden also sehen, was am 18. Januar tatsächlich passieren wird. Die Organisatoren der Demonstration werden diese wohl wie geplant zwischen 11 und 14 Uhr durchführen, auch wenn das in die Unterrichtszeit fällt. Und wie ich aus informierten Kreisen höre werden womöglich deutlich mehr als die geschätzten 500 Teilnehmer zu dieser Demonstration kommen.

Die Frage ist natürlich, was sich nach so einer Veranstaltung tatsächlich ändern wird. Wenn ich sehe wieviele Demonstranten man im letzten Jahr zu diversen Themen auf die Straße gebracht hat und wie wenig Wirkung das dann tatsächlich auf der politischen Ebene gebracht hat, dann fürchte ich dass die Schüler sich in einer Woche völlig umsonst engagieren werden.

Dass ein Umdenken in Sachen Klimapolitik dringend notwendig ist müsste mittlerweile jeder vernunftbegabte Mensch verstanden haben, trotzdem kündigen wir mit einem Achselzucken unsere früher mal vereinbarten Klimaziele auf und machen weiter wie bisher.

 

Autor: Rainer

Diplom-Informatiker, Baujahr 1961, Vater von 2 Kindern, Hundehalter, Sportschütze und Vereinsvorstand, Hobbymusiker (mit zweifelhaftem Erfolg), politisch interessiert, Leseratte, Freizeit-Philosoph und letztlich Blogger.

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