Internet-Entwicklungsland

In meiner Freizeit bin ich Vorstand eines Schützenvereins. Unser Vereinsheim steht seit den frühen 80er Jahren des letzten Jahrhunderts am Ortsrand in einem kleinen Industriegebiet. Bisher wurden wir mit Telefonie und DSL versorgt, zwar nur DSL mit 16 Mbit, aber mehr brauchen wir eigentlich auch gar nicht. Jetzt hat uns der Dienstanbieter zum Mai diesen Vertrag gekündigt, denn eine Versorgung über Kupferkabel kann er nicht mehr aufrecht erhalten. Nun denn, dann gucken wir mal nach einem anderen Anbieter, so schwierig kann das ja nicht sein, immerhin hat Augsburg mittlerweile mehr als 300.000 Einwohner, ist also keineswegs mehr ländlicher Raum indem man um die Verfügbarkeit von Internet bangen müsste.

Telekom

Also der erste Ausflug zur Telekom. Also mal Die Adresse in die Felder der Verfügbarkeitsprüfung bei dem Anbieter, der von sich selbst behauptet „Wir sind das Netz“ eingegeben. Resultat:

Die Telekom hat also kein DSL an der angegebenen Adresse. Und ohne DSL gibt es natürlich auch kein Telefon mehr, denn die Zweidraht-Telefonanschlüsse sind längst dem Voice-over-IP gewichen. Ich habe da also im Verein eine Kupferstrippe die demnächst komplett nutzlos wird.

Vodafone

Also gucken wir mal was der Markt, der ja bekanntlich „regelt“ so zum Bieten hat:

Vodafone hat also auch keine kabelgebundene Lösung für unser Vereinsheim, bietet und aber einen mobilen Router an für nur 34,99€ im Monat. Also schauen wir uns das mal an:

Nach dem klicken auf „Zum Angebot“ muss es einen erheblichen Inflationsschub gegeben haben, denn aus den 34,99€ sind plötzlich 74,99€ geworden, also nur 40 Euro mehr.

Ja, ich weiß, da oben stand „ab“ vor den 34,99 €. Trotzdem frage ich mich, ob die Marketingleute die solche Angebote schalten nicht wissen, dass sie mr mit solchen Preissprüngen eigentlich nur unterschwellig mitteilen, dass sie mich als Kunden nur über den Tisch ziehen wollen, denn Wertschätzung oder gar das Gefühl „König Kunde“ (was bei mir ja passen würde) zu sein stellt sich bei solchen Manövern definitiv nicht ein. Also spielen wir mal in den Optionen. Und nach einiger Zeit werde ich auch fündig.

Ich muss also statt „unbegrenzt“ mich auf 100 GB limitieren und statt dem Router für 5G nur den UMTS (4G) Router nutzen, dann bekomme ich auch den günstigen Tarif.

Wobei, „günstig“? Aktuell zahlen wir knapp 30 Euro für Telefon und DSL, jetzt wird es teuer, für den Router nochmal einmal 9,99 Euro dazu und einen „Anschlusspreis“ von 49,99€ gibt es oben drauf. Wobei ich mir dann schon die Frage stelle, worin der „Anschlusspreis“ bei einem „wireless“ Gerät denn besteht? Zahle ich die 49,99€ um das Gerät an meine Steckdose anzuschließen (irgendwo muss es ja den Strom her bekommen) oder wofür?

Zurück zur Telekom

Also wenn Vodafone mobile Router hat, dann hat die Telekom das doch bestimmt auch, selbst wenn sie es mir bei der Verfügbarkeitsprüfung nicht vorgeschlagen hat.

Ja, hat sie und wie wir oben sehen mit recht gsalzenen Preisen. Die „Anschlußgebühr“ heißt bei der Telekom übrigens „Bereitstellungspreis“. Versandhändler würden vielleicht eher „Versandkosten“ dazu sagen, aber dann würde es ja auffallen, wie unverschämt hoch dieser „Bereitstellungspreis“ ist.

Wenn man dann noch den Router kaufen will und nicht nur als Vertragsbestandteil haben will, dann sollte man diesen eher woanders kaufen, das dürfte billiger sein.

Bei den nackten Tarifen ist die Telekom nun auch nicht günstiger als Vodafone.

Der günstig aussehende „Flex“ Tarif bedingt aber, dass man das Datenvolumen welches man nutzen will eben extra über Datenpässe zubucht. Am Ende wird es also auch nicht billiger werden.

Und nun?

Wie ich es auch betrachte, am Ende werden wir wohl mehr für den Internet-Anschluss im Verein zahlen, den wir aber brauchen, da dort ja ein Windows-PC steht der jedesmal zum Patch-Day seine Updates haben will (kann ich die Volumenkosten eigentlich Microsoft in Rechnung stellen). Außerdem ist die Mitgliederverwaltung die dort läuft auch wieder per Internet mit dem Dachverband verbunden, d.h. ohne Netz geht nichts mehr. Und Turnschuh-Netzwerk, also die Updates daheim ziehen und via USB-Stick einspielen ist natürlich auch nicht vorgesehen, zumal das ja wirklich vorsintflutlich wäre.

Und mit welcher Internet-Lösung auch immer haben wir deswegen noch kein Telefon. D.h. was müsste ich wohl tun um die bestehende und bekannte Rufnummer weiter nutzen zu können? Diese zu einem VoiP Provider umziehen der nochmals extra Geld dafür will und dann ein WLAN/LAN fähiiges VoiP Telefon installieren?

Klar, aufs Telefon kann man in einer Zeit in der praktisch jeder sein eigenes Mobiltelefon hat schon verzichten. Dann kann eben niemand im Verein anrufen und Fragen stellen, damit könnenwir uns womöglich schon arrangieren.

In die Ferne schweifen

Oben also die aktuelle Vesorgungssituation in einerr deutschen Großstadt, beste Lage im Industriegebiet (wo man ja eigentlich auch Intenet brauch könnte). Jetzt schweife ich mal zu meiner Schwester in die Ferne. Die lebt in Südafrika in einem kleinen Ort irgendwo am Kap, relativ weit weg von der nächsten Menschenansamllung der man den Titel Stadt verleihen könnte. Und was soll ich sagen, obwohl das für unsere Standards „tiefste Pampa“ ist hat sie seit Jahren DSL. Und demnächst wird das durch Glasfaser ausgetauscht, wobei man aber fairerweise erwähnen muss, dass der Umsteige auf Glasfaser daran liegt, dass Kupferkabel gerne gestohlen und zu Geld gemacht werden.

Währendessen habe ich hier nur noch das Gefühl, dass man mich gerne ausnehmen möchte wie eine Weihnachtsgans und ich mich halt nicht so anstellen solle, es gibt ja schließlich Lösungen, die kosten halt was. Brave new world…

Ein Gedanke zu „Internet-Entwicklungsland

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